Bierkeller und Zufluchtsort

Trotz der Regenschauer nutzten viele Bürger die Gelegenheit zur Kellerbesichtigung. Leo Berberich und Wolfgang Geitner (links neben dem Eingang) wussten interessante Details. Das Kulturforum sorgte für das leibliche Wohl. Bild: wee

In den Wernberger "Untergrund" ging es beim "Tag der Städtebauförderung". Es gab eine Premiere: Die Marktgemeinde öffnete den sanierten Felsenkeller in der Weidener Straße. Das Interesse war immens.

Wernberg-Köblitz. (wee) Im Zuge städtebaulicher Maßnahmen hat die Marktgemeinde einen der drei Felsenkeller angekauft und saniert. Als er nun erstmals zugänglich war, ließen sich die Wernberg-Köblitzer die Gelegenheit zur Besichtigung nicht entgehen. Das Kulturforum sorgte für das leibliche Wohl. "Flüssige Kellergeister" durften nicht fehlen.

27 Meter in den Berg

Kreis- und Ortsheimatpfleger Leo Berberich sowie Wolfgang Geitner vom Bauamt der Marktgemeinde erklärten die Besonderheiten des Felsenkellers. Die behutsame Sanierung von einem der drei Felsenkeller, der sich nun im Eigentum der Marktgemeinde befindet, ist für den Heimatpfleger natürlich eine Sternstunde. Die kürzliche Vermessung ergab, dass der erste Keller (von der Ortsmitte Wernberg kommend) eine Länge von rund 27,5 Metern hat und eine Fläche von etwas über 64 Quadratmeter. Der zweite Keller reicht rund 34 Meter tief in den Berg hinein und hat eine Fläche von fast 75 Quadratmeter. Der dritte Keller, der nun der Marktgemeinde gehört, ist das größte Exemplar. Sein Hauptarm reicht 27 Meter tief in den Berg hinein und ein weiterer Seitenarm ist noch einmal 11 Meter lang, so dass dieser Keller eine Gesamtfläche von rund 88 Quadratmetern hat. Erstaunlich ist, dass sich die Kellergänge alle zum Ende hin nach Süden orientieren und auch fast aneinander stoßen.

Wolfgang Geitner berichtete, dass der Keller der Marktgemeinde insgesamt in einem recht guten Zustand war. Man habe natürlich die äußere Fassade und den Eingangsbereich saniert, aber im Inneren sei lediglich den Boden etwas begradigt, das Gefälle in Teilbereichen nachgearbeitet und eine Entwässerung für das Tropfwasser geschaffen worden, damit der Keller etwas trockener werde. Die drei bereits vorhandenen Luftschächte im Inneren, die teilweise eine Höhe von zehn Metern haben, tun dazu ein Übriges. Nach ersten Temperaturmessungen zu urteilen, ist der Keller frostfrei und dürfte auch im Sommer recht kühl bleiben.

Leo Berberich hatte im Eingangsbereich des Felsenkellers eine interessante Ausstellung vorbereitet, die auf die Geschichte der Felsenkeller und des Brauhauses Wernberg einging. Das genaue Alter der Felsenkeller kann nicht mit Sicherheit bestimmt werden, aber man nimmt an, dass sie Ende des 18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden sind, denn im Ortsblatt von Wernberg aus dem Jahr 1836 sind sie bereits verzeichnet. Die damaligen Besitzer waren alle Mitglieder der im Jahr 1793 in Wernberg gegründeten "bierbrauenden Gesellschaft", was auch auf den früheren Hauptzweck der Keller schließen lasse, nämlich die Lagerung von Bier und Eis für die Sommermonate. Bier wurde nur von Oktober bis April im Brauhaus gebraut.

Die letzten Kriegstage

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Felsenkeller dann zum Zufluchtsort. Zeitzeugen berichten, dass die Menschen sich vor der Bedrohung durch Fliegerangriffe und wegen der Ungewissheit über den Ausgang der letzten Kriegstage sowie dem Einmarsch der US- Armee am 22. April 1945 in die Felsenkeller geflüchtet hatten. Dort befanden sich sogar Notküchen und Schlafstellen.
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