Binyam wird sich durchbeißen

"Er sieht die Arbeit liegen, macht auch schon einiges selbstständig, wir sind zufrieden mit Binyam", meint Firmenchef Siegfried Neukam über seinen neuen Mitarbeiter. Bild: swt

"Wenn sie arbeiten, dann gibt es keine Probleme, aber wenn sie ihr Geld aus dem Rathaus beziehen, dann wird es schwierig." Binyam Murat, 21 Jahre alt und gebürtiger Äthiopier, macht sich Gedanken über die vielen Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen. Binyam war einer von ihnen, er ist 2014 nach einer dreijährigen Flucht aus seiner Heimat in Michelfeld angekommen.

Allein und ohne Familie verließ er Äthiopien, dort war seine Mutter in Bedrängnis geraten, weil sie die Opposition unterstützte. Seit er sie verlassen hat, um die gefährliche Route nach Europa anzutreten, hat er keinen Kontakt mehr zu ihr gehabt.

In Äthiopien hat Murat drei Jahre die Schule besucht und erste Berufserfahrung im Stahlbau gesammelt. Dass er hier schon so bald eine Ausbildung machen kann, daran hat er nicht im Traum gedacht. Verdi Akdemir, die schon lange Flüchtlinge in Auerbach betreut, hat bei der Firma Heizungsbau Neukam angefragt, ob sie ihm eine Chance geben. Zuvor musste Binyam allerdings Deutsch lernen. Das tat er in Amberg. Zeitgleich lief der Antrag auf eine Aufenthaltsgenehmigung. Die hat er jetzt erst einmal für ein Jahr bekommen, mit der Aussicht auf Verlängerung.

Zunächst durfte er bei Neukam zur Probe arbeiten. "Wir haben uns zuvor in der Belegschaft unterhalten, ob wir dem jungen Mann die Chance geben," erklärt Chef Siegfried Neukam. Es war klar, dass es nicht einfach werden würde. Aber die Mitarbeiter und die Familie Neukam stimmten zu. Und so konnte der 21-Jährige am 1. September starten.

Sprache als Problem

"Er ist willig, sieht die Arbeit und macht auch schon selbstständig etwas." Probleme bereite vor allem noch die deutsche Sprache, daran arbeitet der junge Mann aber. Und anstrengend ist der Berufsschulbesuch in Schwandorf. "Die Verbindung ist lang," so Binyam. Um kurz nach vier muss er aufstehen, fährt um fünf mit dem Bus nach Neuhaus, von dort mit dem Zug nach Hersbruck. Dort steigt er in die Regionalbahn um, die ihn nach Schwandorf bringt. Mehrmals monatlich muss er diesen Weg machen. "Aber das mussten unsere anderen Lehrlinge auch," schmunzelt Neukam. Sicher könne er ihn auch als Gastschüler in Nürnberg anmelden. Aber da Neukam selbst in der Innung ist und die Schule in Schwandorf kennt, sei es oft leichter, schneller eine Rückmeldung zu haben, wenn etwas nicht so läuft. "Binyam muss seine Prüfungen machen wie alle anderen auch. Vor allem sprachlich ist das natürlich schwer."

Verlängerter Aufenthalt

Aber der junge Äthiopier möchte die Ausbildung auf alle Fälle durchziehen. Und voraussichtlich spielt auch die Ausländerbehörde mit, so dass er eine verlängerte Aufenthaltsgenehmigung bekommen wird. "Das hat uns das Landratsamt zugesagt," so Neukam. Er ist seinen Mitarbeitern dankbar, die den jungen Asylbewerber angenommen haben und ihn auch mitkommen lassen. Positiv reagiert haben auch die Innungskollegen und befreundete Heizungsbetriebe.

Übrigens bildet die Firma Neukam auch einen weiteren Azubi aus, der stammt aus Thurndorf, wird von seinem Vater zur Berufsschule nach Weiden gefahren. Also auch kein einfaches Unterfangen. Aber: Lehrjahre sind ja bekanntlich keine Herrenjahre. Und auch Binyam Murat wird sich durchbeißen.
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