Bis 1912 war Mariä Lichtmess im Königreich Bayern ein offizieller Feiertag. Es war Zins- und Zahltag; Mägde und Knechte erhielten den Lohn für ihre schwere Arbeit. Noch heute wird der Schlenkeltag gefeiert. Schlenkeln, das hat was mit schlendern und sich
Oft Willkür ausgesetzt

Tanja Weiß erzählte Sulzbacher Sagen und bayerische Märchen, die bei ihren Zuhörern bestens ankamen. Bilder: ksb (2)
umhertreiben zu tun.

Sulzbach-Rosenberg. (ksb) "Heit is Schlenkeltag", hieß es "wenn's Dreschn scho vorbei und wenn's fürs Saan no zfrüah war" - und wenn die Dienstboten rund um Lichtmess deswegen ein paar freie Tag hatten. In den Wirtshäusern wurden Polka, Rheinländer, Dreher und Walzer getanzt; es wurde ausgelassen gefeiert, bevor das neue Arbeitsjahr begann. Im Schulmuseum erzählten Tanja Weiß und Erika Eichenseer nun Geschichten und Geschichtliches über das Bauernneujahr, den Schlenkeltag und das Oberpfälzer Brauchtum.

Ein Leben lang

An Lichtmess brachte man das Geld nach Hause, die anderen kauften sich etwas dafür, doch tanzen gingen sie alle, bevor wieder ein neues Arbeitsjahr begann. Während gute Geister oftmals ein Leben lang auf ein- und demselben Hof blieben, boten andere ihre Arbeitskraft auf dem Markt an, erzählte Erika Eichenseer.

Ganz hart für Mägde

Das Leben war nicht leicht. Bis 1919 legte die Gesindeordnung fest, dass Mägde und Knechte den Anordnungen ihres Dienstherren oder der Bäuerin Folge zu leisten hatten; nicht selten waren sie deren Willkür ausgesetzt. Bis 1917 durften sie gar gezüchtigt werden. Mägde traf es besonders hart: Während sie durchschnittlich ein Drittel weniger Lohn als Knechte bekamen, waren sie oft auch den Begehrlichkeiten der Männer am Hof schutzlos ausgeliefert.

Kein Wunder, dass sich viele der jungen Frauen nichts sehnlicher wünschten, als zu heiraten, um dem Elend zu entkommen; nicht ahnend, dass sie nachher - als Tagelöhner mit einer Stube voller Kinder - noch ärmer dran waren als vorher, erzählte die ehemalige Lehrerin Eichenseer.

Tanja Weiß erzählte die Sulzbacher Sage von der Sternsteinbäuerin, Schönwerths "Lauter Noarrn" und das bayerische Märchen vom "Knecht auf Brautschau".

Tief philosophisch

Für Musik sorgte das Akkordeon-Ensemble "Black and White" des Musik- und Kulturzentrums Rosenberg unter Leitung von Gerald Ludwig. Dr. Adolf Eichenseer, ehemaliges Mitglied der Regensburger Domspatzen, spielte Oberpfälzer Gstanzel und Wirtshauslieder, deren tief philosophische Texte die Anwesenden zum Mitsingen animierten.
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