Bis zu 14 Knoten

Schiffe und Schwerter - viel mehr brauchten die Wikinger nicht, um neue Länder zu entdecken und zu erobern. Doch die berüchtigten Nordmänner waren mehr als brutale Krieger, wie eine internationale Ausstellung in Berlin zeigt.

Wenn die Segel der Wikingerschiffe am Horizont auftauchten, blieb den Menschen an Land nur wenig Zeit. Spätestens eine Stunde später sprangen die mit Äxten und Schwertern bewaffneten Wikinger aus ihren schmalen Eichenholz-Booten - bis zu 100 Krieger pro Langschiff. Die Roskilde 6, das größte bislang gefundene Wikingerschiff, war so ein Kriegsschiff. Jetzt ist das 37 Meter lange, rekonstruierte Wrack mit seinem riesigen, rot-weiß gestreiften Wollsegel der Star der großen Berliner Ausstellung "Die Wikinger".

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Ihre Schnelligkeit war das Erfolgsgeheimnis der Wikinger, wie Ausstellungskurator Matthias Wemhoff sagt. "Wenn man die Segel sah, konnte man nur noch weglaufen", erklärt der Direktor des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte. Zwischen 12 und 14 Knoten schafften die Ruderer der Roskilde 6 bei günstigem Wind. Doch die Wikinger waren mehr als furchterregende Krieger und brutale Eroberer.

Das zeigt die Schau, die von der dänischen Königin Margrethe, selbst Archäologin, und Bundespräsident Joachim Gauck eröffnet wurde. Mehr als 800 Funde aus der Wikingerzeit sind in der von Dänen, Briten und Deutschen gemeinsam erarbeiteten Schau ausgestellt - zu den Themen Krieg und Eroberung, Handel und Handwerk, Alltag und Religion.

In der Waffenkammer sind mehr als 200 Schwerter, Äxte, Schilde, Helme und Lanzen zu sehen. "Dort stehen die berühmten Ulfberht-Schwerter im Mittelpunkt", sagt Wemhoff. "Ulfberht ist der Name eines Schmieds, dessen Name wie ein Markenzeichen in die Schwertklinge eingearbeitet wurde", weiß der Ausstellungsmacher. "In der ,Halle des Königs' zeigen wir, wie opulent das Leben in der Großen Halle mit Teppichen, Holzschnitzereien und Gold- und Silbergefäßen war."

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Schatz von Hiddensee

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Eindrucksvoll ist auch das große Gräberfeld aus Weymoth in Dorset in Südengland. "Dort ist eine ganze Wikinger-Schiffsbesatzung mit rund 50 Leuten von Einheimischen niedergestreckt und in einem Massengrab verscharrt worden - die Köpfe auf der einen, der Rest auf der anderen Seite", erklärt Wemhoff. "Zu den Höhepunkten gehört auch der Goldschatz von Hiddensee, der sonst im Kulturhistorischen Museum in Stralsund aufbewahrt wird. Wir haben große Schätze in der Ausstellung. Zu sehen sind der Silberbecher aus Jelling und der Hort aus dem Vale of York, einer der größten je gefundenen Wikingerschätze überhaupt."

Winzig kleine Götterfiguren erzählen von den nordischen Mythen: ein von seinen zwei Raben flankierter Thor auf dem Thron, Thorshämmer-Kettenanhänger und Walküren, die die gefallenen Krieger nach Walhalla geleiten sollen. Vom 9. bis zum 11. Jahrhundert dominierten die Wikinger den Nord- und Ostseeraum, betonen die Ausstellungsmacher.

Sie fuhren bis nach Russland und ins Byzantinische Reich. Sie gründeten Siedlungen an den Küsten Grönlands und Nordamerikas. Während die flachen Langschiffe für Plünderungs- und Eroberungsfahrten genutzt wurden, stachen dickbauchige Schiffe zu Handelsfahrten in See. Gehandelt wurde mit Walross-Elfenbein, Fellen, Stoffen, Gewürzen von der Seidenstraße, Wein, Metall, Wachs, Fisch, Honig und Salz.

Die Roskilde 6 war wohl eines der berühmten, prächtigen Königsschiffe - reich bemalt, mit goldenen Beschlägen, Fahnen und Wimpeln. Das Schiff wurde von dänischen Forschern jahrelang konserviert und restauriert. Um das aus rund 200 Einzelteilen bestehende Schiff zu retten, wurde den uralten Holzplanken das Wasser entzogen und durch eine Wachslösung ersetzt. Anschließend wurden die Bootsteile gefriergetrocknet. In der Ausstellung bauen Experten vom Wikingerschiffsmuseum in Roskilde aus Eichen- und Kiefernholz live ein acht Meter langes Schiff, das später auch seetüchtig sein wird.
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