Blick in lebendige Geschichte

OWV-Vorsitzender Erwin Mayer (rechts) führte die Besucher am "Tag des offenen Denkmals" durch die Baustelle des historischen Türmerhauses. Bild: rid

Zahlreiche kulturelle Kleinode öffneten zum "Tag des offenen Denkmals" ihre Pforten und machten Landkreis-Geschichte lebendig. Dabei erfuhren die zahlreichen Besucher zum Beispiel, dass Goldwaschen nicht nur zum Wilden Westen, sondern auch zum Landkreis gehörte.

(rid/hm/mhö) Bei strahlendem Sonnenschein machten sich zahlreiche Besucher im Landkreis auf den Weg zu den einzelnen Denkmälern. Eines davon war das "Türmerhaus" in Schwandorf. Hier sollen sich künftig der Jakobsweg, der Jura-Goldsteig-Weg und der Panoramaweg kreuzen. Das ist die Vorstellung des Vorsitzenden des "Oberpfälzer Waldvereins", Erwin Mayer, der die Sanierung des historischen Gebäudes vorantreibt.

Die Hälfte der Baukosten von 150 000 Euro muss der OWV-Zweigverein selbst aufbringen, der Rest soll aus EU-Fördermitteln finanziert werden. "Die Anträge haben wir eingereicht", erklärte der Vorsitzende den Besuchern, die am Sonntag die Baustelle besichtigten. Im Erdgeschoss sind ein Aufenthaltsraum und eine Küche vorgesehen, im ersten Stock entstehen ein Büro, ein Archiv und ein Raum für die Jugendgruppe "Schwammerling".

Wenn die Fördermittel genehmigt sind, wird der Verein den Dachstuhl erneuern und den Innenausbau fortsetzen. Fertigstellung ist für 2017 geplant. Das "Türmerhaus" hat Michael Kunz, der Vater des Bayernhymne-Komponisten Konrad Max Kunz, im Jahre 1828 erbaut.

Seit den 50er Jahren

In die Veranstaltungsreihe reihte sich auch die aktuelle Grabungskampagne in der Iffelsdorfer Flur "Kapellenfeld" ein. Kurt Engelhardt, Kreisheimatpfleger für Archäologie, konnte eine große Schar geschichtlich Interessierter auf dem Grabungsfeld willkommen heißen. Er gab einen Überblick über die Entstehungsgeschichte dieser Grabung, die derzeit unter der Leitung von Dr. Hans Losert von der Universität Bamberg läuft und bereits seit dem Jahr 2011 im Gange ist. Erste Funde gehen auf den Straßenbau in den 50er Jahren zurück. Inzwischen wird die Grabung in Iffelsdorf abwechselnd von Studenten aus Wien und Bamberg vorgenommen. Die bisherigen Funde in Form von Grabbeigaben wie Feuerstahl, Messer, Schläfenringe, Ohrringe, Perlen und Gefäße deuten darauf hin, dass es sich bei der Grabungsstätte um ein slawisches Gräberfeld aus dem 7./8. Jahrhundert nach Christus, in dem überwiegend Kinder bestattet wurden, handelt. Als ungewöhnlichen Fund verwies Engelhardt auf ein gut erhaltenes Skelett eines jungen Mannes sowie eine Gürtelgarnitur vor, die den Awaren zuzuordnen sei. Die aufschlussreichen Erläuterungen bereicherte Kurt Engelhardt mit einer Präsentation ausgewählter Funde.

Früher eine Brauerei

Auch zwei Denkmäler im Osten des Landkreises öffneten ihre Pforten. In Winklarn erhielten die Besucher Einblick in die Räume des ehemaligen Thammer-Anwesens, das heute dem Markt gehört. Früher waren dort die Brauerei und ein Gasthof mit Fremdenzimmer beheimatet. Das leerstehende Gebäude soll nun saniert und einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden. Im Zuge des Denkmaltags zeigten zahlreiche alte Fotos und Führungen durch die Gemäuer die Geschichte des Marktes und dem einstigen Ortsmittelpunkt.

Ein weiteres Denkmal konnte in Oberviechtach besucht werden. In der ehemaligen Mühle befindet sich heute das Stadt- und Eisenbarthmuseum. Zur Geschichte des Ortes zählt vor allem auch ein besonderes "Handwerk": das Goldwaschen im Oberviechtacher Umland. Darüber hinaus verbergen sich hinter der modernen Fassade des Museums viele Informationen über die alten Zeiten, die die Besucher auf eigene Faust erkunden konnten.
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