Bomber in der Luft zerschellt

Max Zehent vom Museumsarbeitskreis (links stehend) begrüßte den Referenten, Professor Dr. Harald G. Dill (rechts stehend) und die vielen Besucher aus der Region beim Vortragsabend im Hotel "Regina". Bild: tu

Seit Jahrzehnten kursieren Gerüchte über einen ominösen Absturz eines amerikanischen Kampfflugzeugs in den letzten Kriegstagen 1945 im Raum Reinhardsrieth/Hagendorf. Hobby- und Berufshistoriker beschäftigten sich damit, darunter auch Dr. Harald G. Dill. In Pleystein stellte er seine Ergebnisse vor.

Dill ist in der Region vor allem durch seine Fachvorträge über Geologie und Mineralogie und durch seine geologischen Exkursionen mit Studentengruppen bekannt. Am Donnerstag sprach er im Hotel "Regina auf Einladung des Museumsarbeitskreises vor rund 80 Zuhörern. Seine fundierten Ausführungen zu der komplexen Materie komplettierte der Referent mit Bildern auf der Leinwand.

"Am 25. April 1945 flog die 8. US Air Forces ihren letzten Bombereinsatz gegen das "Großdeutsche Restreich". 307 Boeing B-17 G "Flying Fortress" hatten als Ziel die Skoda-Werke in Pilsen und Flugplätze in der Umgebung zugewiesen bekommen", so Professor Dill. Die Skoda-Werke waren ein Rüstungsbetrieb, der im Ersten und im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle spielte.

Für die damalige Deutsche Wehrmacht produzierte er vor allem Waffen und Munition für verschiedene Kaliber. Das Hauptprodukt war der aus dem ehemaligen tschechischen Panzer 38(t) abgeleitete Jagdpanzer "Hetzer". Es gab weder ausgebildete Soldaten auf deutscher Seite, die diese Fahrzeuge hätten abnehmen können, noch genügend Treibstoff, um damit eine wirksame Verteidigung durchzuführen.

Starkes Flakfeuer

Die Alliierten Streitkräfte schickten einen Funkspruch, damit die Arbeiter der Skoda-Werke zu Hause bleiben sollen. Diese Meldung wurde von den deutschen Horchfunkstellen abgehört, und die Flak konnte sich auf den Angriff einstellen. Das Flakfeuer war sehr stark über Pilsen.

Aus diesem "Air-Raid" gingen ausschließlich durch Flak sechs viermotorige Bomber und ein Begleitjäger verloren; vier B-17 wurden so schwer beschädigt, dass sie verschrottet werden mussten, und 180 Bomber trugen Beschussschäden durch die Flak davon. 42 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.

Darunter war auch ein Bordschütze der B-17, die zwischen Hagendorf und Reinhardsrieth in der Luft durch mehrere Explosionen zerschellte. Sie ging über bereits von der US-Army besetztem Gebiet nieder. Da sich deutsche Truppen noch in der Gegend befanden, gingen die GIs sehr vorsichtig vor und bedienten sich auch der "Human-shield"-Methode. Sie setzen einen achtjährigen Jungen vorne auf den Jeep und näherten sich dem Waldstück, wo die Absturzstelle des Kampfflugzeuges sich befinden sollte.

Alle Besatzungsmitglieder bis auf den Kugelturmschützen hatten sich mit dem Fallschirm retten können. Sie wurden von den US-Heereseinheiten aufgenommen und zu ihrer US-AF-Einheit zurückgebracht. "Deutsche Verbände im Raum Waidhaus haben weder das Flugzeug noch Besatzungsmitglieder erschossen", erklärte der Referent

Unbestätigte Gerüchte

Es gab Gerüchte in der Bevölkerung, die sich durch die Einsicht in US-Archivmaterial nicht bestätigen ließen", so Dill. Auf die Frage, ob von jenem Bomber eigentlich Überreste in jenem Waldstück gefunden worden sind, antwortete der Referent, dass es solche Überreste gegeben habe. Der größte Teil sei aber nach dem Krieg entweder verschrottet oder in zivile Geräte integriert worden, zum Beispiel in ein Sägewerk.
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