Brauer hat Bock auf Kreativ-Bier

Sebastian Jakob, Juniorchef des Brauhauses Nittenau, präsentiert zwei Kreativ-Biere, wie er sie nennt. Er und einige andere Jungbrauer haben die Rezeptur für das Getränk, das in der Vorweihnachtszeit vertrieben wird, entwickelt. Bild: Götz

Obwohl das Reinheitsgebot nur vier Inhaltsstoffe erlaubt, lassen sich Tausende verschiedene Biere herstellen. Jungbrauer Sebastian Jakob (30) spricht von einem "breiten Klavier", auf dem man spielen könne.

Er und andere Jungbrauer haben zwei Bock-Biere kreiert, die sie in der Vorweihnachtszeit vertreiben. Über die Aktion sprach Redakteur Christopher Dotzler mit dem Juniorchef des Brauhauses Nittenau.

Craft-Beer ist in aller Munde. Nicht jeder kann sich darunter was vorstellen. Was ist das genau?

Ich bin mit dem Begriff ehrlich gesagt gar nicht so glücklich. Ich würde es eher als Kreativ-Bier bezeichnen. Craft-Beer kommt aus den USA. Dort gab es früher drei, vier große Braukonzerne, die den kompletten Markt kontrolliert haben. Deshalb haben die Leute in der Garage angefangen zu brauen. Craft-Beer heißt übersetzt eigentlich handwerklich gebrautes Bier. Das trifft natürlich auf uns auch zu. Wir sind eine kleine Handwerks-Brauerei. Aber wenn wir es von unserer Historie betrachten, haben wir eine ganz andere Grundlage als die Amerikaner.

Auf Grundlage des Reinheitsgebots?

Genau. In Deutschland gibt es kleinere Brauereien schon immer. Man hat angefangen, in anderen Bier-Stilen zu brauen und mit verschiedenen Hopfen- und Malzsorten zu experimentieren, auch mal verschiedene Hefesorten herzunehmen - das alles aber nach dem Reinheitsgebot. Daraus sind Bier-Stile entstanden, die kreativer sind und etwas anders schmecken.

Das ergibt eine unglaubliche Vielfalt, trotz nur vier Inhaltsstoffen, die sich auf das Reinheitsgebot stützen. Tausende von Bieren können so im Prinzip hergestellt werden, oder?

Richtig. Wenn man das mit Wein vergleicht, der nur zwei Inhaltsstoffe hat, ist das ein Traum. Man kann mit den Trauben und der Hefe ein bisschen variieren. Hingegen gibt es rund 500 verschiedene Malzsorten, die den Körper des Bieres schon mal ganz essenziell ändern, dazu zigtausend verschiedene Hefesorten, außerdem natürlich noch 500 bis 600 verschiedene Arten von Hopfen - und jede Sorte hat ein anderes Aromaprofil. Man hat da eigentlich schon ein sehr breites Klavier, mit dem man spielen kann.

Nun sind im Zuge einer Aktion der Jungbrauer zwei Kreativ-Biere entstanden, wie Sie es ausdrücken würden. Wie ist das genau abgelaufen?

Es gibt einen Verband, der sich "Private Brauereien Bayern" nennt, und bei dem es auch eine Junioren-Gruppe gibt, die sich einmal im Jahr trifft. Zum 500-Jährigen des Reinheitsgebotes (im Jahr 2016, Anm. d. Red.) hat einer vorgeschlagen, dass es nett wäre, wenn sich mehrere Brauereien zusammenzuschließen. Wir haben uns dann immer wieder getroffen ...

... und herausgekommen sind der Hopfenweizenbock sowie der sogenannte Black Imperial Bock.

Ja, der eine ist ein dunkler untergäriger Bock mit Cara-Aroma-Malz gebraut - das ist ein sehr dunkles Röstmalz, was intensive Schokoladennoten mit sich bringt. Der Weizenbock ist auch mit relativ speziellen Malzen gebraut sowie mit fünf verschiedenen Hopfensorten. Wir haben uns überlegt: 500 Jahre Reinheitsgebot ist im Jahr 2016. Deshalb haben wir ein Bier mit 20 Prozent Stammwürze und eins mit 16 Prozent Stammwürze gebraut.

Ab wann wird es verkauft?

Anfang November ist es im Handel.

Wo gibt es die Biere zu kaufen?

Ich werde es bei mir in der Brauerei verkaufen und auf ein paar Getränkemärkte zugehen. Es gibt ein Gesamtpaket mit jeweils zwei Bieren, einem Verkostungsglas und eine Karte mit Erklärungen.
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