Briefe an die Redaktion Landratsamt hat Öffentlichkeit nicht über die Gefährdung durch die Nigerlbuche informiert

Zum NT-Artikel "Gefahr unter der alten Buche" anlässlich der Bürgerversammlung (Ausgabe 24. November).

Die ca. 160 Jahre alte Nigerlbuche ist als geschütztes Naturdenkmal eingetragen. Sie ist je zur Hälfte im Besitz der Marktgemeinde Neualbenreuth (straßenseits) und in meinem Privatbesitz (wiesenseits). Unter Androhung hoher Strafen darf sie von keinem der beiden Eigentümer ohne Erlaubnis des Landratsamtes Tirschenreuth in irgendeiner Form beeinträchtigt werden.

Im August 2012 - während einer längeren Trockenperiode - ist zur Straße hin der größte Ast des Baumes unvermittelt abgebrochen. Er hat sowohl die Info-Tafeln des OWV gänzlich zerstört als auch die Nigerlstraße blockiert. Wäre der Ast nur 4 Stunden eher herunter gekracht, hätte er eine fünfköpfige Wanderergruppe getötet. Nicht auszudenken, was dann abgelaufen wäre! Ich habe sofort eine provisorische Absperrung vorgenommen und die Marktgemeinde informiert.

Bei einem Ortstermin im Herbst 2012, an dem neben den beiden Eigentümern auch die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes mit einem Baumsachverständigen teilgenommen haben, wies ich darauf hin, dass die Buche aus meiner Sicht unheilbar krank sei und aus Sicherheitsgründen eine Endbehandlung erfolgen müsse.

Ursprünglich aus einem Zwilling zusammengewachsen ist sie bis in 4 Meter Höhe extrem von Pilz befallen und stellt eine Gefahr für die Öffentlichkeit dar. Die Abbruchstelle am Baum zeigte damals, dass dort das Holz bis in den Stamm hinein morsch und bröselig ist. Die Meinung des Landratsamtes war, den Baum als Naturdenkmal zu erhalten und besten-falls einige Sanierungsmaßnahmen im Außenbereich der Krone vornehmen zu lassen. Zu Allerseelen 2012 wurden dann auch einige armstarke Äste weit außen abgesägt - aus meiner Sicht eine teuere, aber völlig nutzlose Maßnahme. Sie hat nämlich weder die bedrohten Hauptäste saniert noch die Hebelwirkung der in den Astgabeln anfaulenden über 20 Meter ausladenden Großäste beseitigt. Stattdessen sind im heurigen Sommer weitere, vorzeitig abgestorbene Äste herunter gebrochen.

Auf meinen Widerspruch beim damaligen Ortstermin hin hatte man mir in Aussicht gestellt, den Kern des Baumes mit Ultraschall oder einer Bohrwiderstandsmessung untersuchen zu lassen, damit man über den Zustand des Stammesinneren Klarheit bekommt. Bis heute ist nichts geschehen. Ich bekam lediglich als Teileigentümer ein Schreiben, dass im Umgriff von 15 Metern keine Tafeln aufgestellt werden dürfen und sonstige Aktivitäten mit Aufenthalt unter dem Baum zu unterlassen seien. Die öffentliche Waldbetriebsstraße führt aber 6 Meter entfernt unter der Baumkrone vorbei! Da der OWV Neualbenreuth das Areal bisher betreut hat mit Info-Tafeln und Sauberhalten, habe ich seinerzeit in der darauf folgenden Versammlung allen Mitgliedern davon Kenntnis gegeben.

Das Gesamtareal einschließlich des öffentlichen Parkplatzes in unmittelbarer Nähe ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderer und Pilzsammler. Die Öffentlichkeit wurde bisher jedoch weder über die eingeschränkte Betretungsmöglichkeit noch über die Gefährdung durch diesen Baum vom Landratsamt informiert. Offensichtlich wird dort die Gefahrenlage anders beurteilt. Deshalb habe ich mich als Miteigentümer, der wenigstens moralisch in der Pflicht steht, bei der Bürgerversammlung zu Wort gemeldet. Wann werden die nächsten Äste herunterbrechen? Und was dann, wenn es Sach- oder gar Personenschäden geben sollte?

Im Übrigen ließen sich mit den Kosten teuerer Erhaltungsmaßnahmen dieser lebenden Baumleiche bei ihrer Fällung in Zukunft Wiederbepflanzungsaktionen finanzieren, von denen unsere Kinder zukünftig etwas hätten. Welchen Wert hat ein ausgedientes Naturdenkmal, wenn man sich ihm aus Sicherheitsgründen nicht mehr nähern mag?

Meinhard Köstler, Neualbenreuth

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