"Bringt und bindet Kaufkraft"

Fred Neukam (rechts) zeigte auf, welche Sortimente er sich in einem Handelszentrum vorstellen könnte. Für Stefan Schmid ist die Änderung von einem Gewerbe- in ein Sondergebiet realisierbar, wenn das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept geändert würde - was in anderen Städten durchaus schon möglich gewesen sei. Bilder: Völkl (2)

"Wir haben versucht, den Versuch zu wagen, doch unsere Pläne sind schon im Anfangsstadium von der Stadt weggekickt worden", bedauert Fred Neukam. Die "Interessensgemeinschaft pro Handelszentrum" hatte den Projektentwickler im Stadium der Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren erneut zu einem Info-Abend eingeladen.

Nabburg. (cv) Nicht zuletzt, um auf ein Statement von SPD und ÖDP contra Handelszentrum (wir berichteten) zu reagieren, das laut Sprecher Stefan Schmid "mit Halbwahrheiten und Panikmache die Bürger verwirrte", berief die IG diese Versammlung im "Theatro" ein. Fred Neukam, Projektentwickler für den Investor Graf von Thun und Hohenstein Veit, skizzierte seine Idee, "in der ehemaligen Kreisstadt und im Mittelzentrum Nabburg Einkaufsmöglichkeiten zu schaffen, die mehr Sortiment für Nabburg und die umliegenden kleineren Gemeinden bieten". Bezogen auf den Einzugsbereich eines Mittelzentrums, dem in der Versorgung rund 20 000 Menschen zuzuordnen sind, schlussfolgert er, dass etwa 16 000 Menschen "nicht dort wohnen, wo jetzt die Geschäfte sind". Dieses Potenzial "hätten wir noch".

Zu lange Wartezeit

Der Projektentwickler schickte voraus, dass sein Entwurf lediglich "ein Grundgedanke ist, was passieren kann". Die Analyse habe ergeben, dass es an Attraktivität mangle. Er begann "zu planen, was Menschen heute erwarten". Bei den ersten Gesprächen mit dem Bürgermeister sei der Baywa-Standort im Gespräch gewesen. Doch hier sei von einer Wartezeit bis zu zehn Jahren auszugehen. Für Neukam ebenso unkalkulierbar ist die Umgehungsstraße. Greifbar sei das Areal an der Schlörstraße. Folglich habe man den Vorstoß unternommen, "ob die Stadt bereit wäre, das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) zu ändern, um mit dem richtigen Sortiment ein Zentrum zu errichten, das Kaufkraft bringt und bindet". Die Ablehnung im Stadtrat kommentierte Neukam damit, dass "der Bürger teils nicht ernst genommen wird".

Doch in erster Linie gehe es jetzt nicht um Wettbewerb und Konkurrenz - die habe man immer und übrigens auch bei einem Projekt in der Innenstadt - sondern um die Frage, "ob Nabburg das Handelszentrum will". Das entstandene Parteiengezänk sei unnötig: Es gebe noch keine Planung, es sei kein Sortiment festgezurrt, es gebe aber "viele Anfragen". Neukam würde Fachmärkte favorisieren: Schuhe, Textil, Drogerieartikel. Der Projektentwickler setzt verstärkt auf "mittelfristige Bedarfe" wie Bürobedarf, Kosmetik, Baumarktware, auf ein Angebot "der mittleren Qualität, des mittleren Preissegments für mittlere Einkommen". Im Textilbereich wären das Unternehmen wie Vögele oder Adler. Zur Kundenbindung fordern Interessenten jedoch eine Kombi mit einem Aldi, Lidl oder Kaufland. Die Zeit dränge: Wenn beispielsweise ein Schuhmarkt wie Reno nach Wernberg komme, "geht keiner mehr nach Nabburg". Betreiber rechnen sich Einkaufsgebiete mit 20 000 Einwohnern hoch, brauchen für ausreichende Frequenz Autobahnnähe.

"Miteinander reden"

Ein kritisches Wort gab es aus der Zuhörerrunde zum Flächenverbrauch - statt Leerstände zu füllen, wie H&M in Schwandorf. "Das ist ein funktionierendes Mittelzentrum, da sind Zara und Bonita, da geht man hin", differenzierte Neukam. Ob er sich auch mit Innerortsflächen beschäftige, wurde mit Blick auf das Amling-Gebäude gefragt. "Durchaus", doch dann müsse der Branchenmix stimmen. In Nabburg nehme aber die Kaufkraft ab, "das tut der Stadt nicht gut". Ein Handelszentrum bringe Lohn- und Umsatzsteuer.

Unverständnis über das ablehnende Stadtratsvotum kam in mehreren Redebeiträgen zum Ausdruck. Nabburg sei "ein riesiges Dorf mit ein paar Supermärkten" geworden. Angesichts der geäußerten Wünsche nach Sparten und Anbietern sprach eine Skeptikerin aber auch von "einem riesigen Wunschkonzert." Über all das müsse miteinander am runden Tisch geredet werden, meinten Stefan Schmid und Tobias Knechtel. Leider wäre es nicht dazu gekommen. Das Netzwerk sei "nicht Feind". Mit Robert Kostner wäre zum Beispiel vereinbart worden, sich in kleiner Runde zu treffen.

CSU-Stadtrat Frank Zeitler unterstrich nochmals: Die Hürden des Landesentwicklungsprogrammes seien hoch, doch es gebe Lücken frei. Er ging mit Fred Neukam und Stefan Schmid konform, wonach das ISEK - wie in anderen Städten geschehen - den veränderten Bedürfnissen entsprechend angepasst werden könne.
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.