Buchbranche: Einsatz für Pressefreiheit
"Charlie"-Reaktionen

Frankfurt.(dpa) Nach dem Terroranschlag in Paris hat die deutsche Buchbranche eine Internetseite für Solidaritätsbekundungen mit dem Satiremagazin "Charlie Hebdo" eingerichtet. Unter WirsindCharlie.de haben sich bereits Dutzende Buchhandlungen und Verlage eingetragen, um sich für Meinungs- und Pressefreiheit einzusetzen. Die Aktion wurde vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels ins Leben gerufen. "Aufklärung und Information sind wichtiger denn je, damit die Anschläge nicht zum Anlass unreflektierter Propaganda werden", heißt es auf der Seite.

Hanitzsch: Sorge um Satire-Freiheit

München.(dpa) Der Karikaturist Dieter Hanitzsch (81) sorgt sich nach dem Mordanschlag auf das französische Magazin "Charlie Hebdo" um die Freiheit der Satire. "Man ist als Karikaturist nicht mehr frei", sagte er der Münchner "Abendzeitung". "Es ist diesen Leuten gelungen, dass man darüber nachdenkt, was man selbst macht." Außerdem hätten es die Terroristen des "Islamischen Staates" geschafft, durch "Religionsmissbrauch Angst in unsere Seelen zu tragen, eine gewisse Grundangst in die Menschen hineinzupflanzen".

Man müsse aber versuchen, diese Angst zu bekämpfen. "Man darf sich aber um Himmels Willen nicht von dieser Angst leiten lassen", sagte Hanitzsch. "Man muss sich von dieser Angst frei machen und aufpassen, dass man nicht in die falsche Richtung zeichnet."

Westergaaard: Skizze für Magazin

Skanderborg.(dpa) Der dänische Mohammed-Karikaturist Kurt Westergaard unterstützt das Satiremagazin "Charlie Hebdo" mit dem Verkauf einer Zeichnung mit dem Titel "Free Speech". Auf Deutsch lautet der Titel: Redefreiheit. Über seine Galerie in Skanderborg vertreibt der 79-Jährige eine neu gedruckte Auflage des Werkes, das 2009 entstanden war. "Ich mache das als Geste für die Kollegen bei ,Charlie Hebdo'", sagte Westergaard dem Fernsehsender TV2 Østjylland.

Die Zeichnung hatte der Karikaturist ursprünglich für seine eigene Stiftung entworfen. Diese unterstützt Künstler, die Gewalt erleben oder verfolgt werden, weil sie ihre Meinung frei äußern. Westergaard lebt seit dem Streit um seine Mohammed-Karikaturen, die 2005 in der Zeitung "Jyllands-Posten" erschienen waren, unter Polizeischutz.

Houellebecq zieht sich aus Paris zurück

Paris.(dpa) Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq hat sich nach dem Anschlag auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" aus Paris zurückgezogen. Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin trauere der 56-Jährige um den Tod seines Freundes Bernard Maris, der bei dem Mordanschlag getötet wurde. Zudem will Houellebecq seinen islamkritischen Roman "Soumission" (Unterwerfung) vorläufig nicht mehr bewerben.

Der Anschlag auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" wurde am Mittwoch am Tag des Erscheinens des Buches verübt. Houellebecq beschreibt das Leben in Frankreich unter einem muslimischen Präsidenten. Die Ausgabe von "Charlie Hebdo" vom Mittwoch hatte eine Karikatur über den Autor auf der ersten Seite.
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