Budapest trifft Berlin

An der Wohnungstür hing das Hochzeitsbild, geschmückt mit zwei kleinen Efeukränzen: Elisabeth und Gerhard Huth begingen im BRK-Seniorenheim diamantene Hochzeit. Darüber freuten sich auch Heimleiterin Manuela Schusser (links), Pflegedienstleiterin Gabi Lohner (Dritte von links) und die Mitarbeiter der Station. Bild: rn

Weite Wege haben Elisabeth und Gerhard Huth hinter sich: Die Flüchtlingsströme nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Budapesterin und den Berliner nach Baden-Württemberg geführt, wo sie 1955 heirateten und jahrzehntelang auch lebten. Ihre diamantene Hochzeit feierten sie jedoch in der Oberpfalz: im BRK-Seniorenheim Eschenbach, wo sie seit März leben.

Am Fronleichnamstag hatte das Ehepaar doppelten Grund zum Feiern: neben dem 60. Hochzeitstag auch knapp 80 Tage Wohnen im Seniorenheim. Zum Ehrentag widmete Ruhestandspfarrer Helmut Süß Elisabeth und Gerhard Huth in der Einrichtung einen Jubiläumsgottesdienst.

Seit dem Zuzug aus einem Seniorenheim in Mannheim blühen beide erkennbar auf. Der Grund dafür lässt sich Äußerungen von Elisabeth Huth entnehmen: "Hier gefällt es uns wesentlich besser als in Mannheim. Wir sind mit dem hellen Haus und der freundlichen Betreuung rundum zufrieden. Auch die Ärzte sind hier ganz anders." Den Anstoß zum Heimwechsel des kinderlosen Ehepaares gab die in Kaltenbrunn lebende Nichte, die die beiden Senioren in ihrer Nähe haben wollte.

Elisabeth, geborene Ritter (Jahrgang 1931), verbrachte ihre Kindheit mit drei Geschwistern in Budapest. Beim Herannahen der russischen Front floh die Mutter - der Vater leistete Kriegsdienst - mit den vier Kindern gen Westen, mit den Stationen Dresden und Leipzig. Nach Kriegsende wurde im Zuge der Familienzusammenführung ein Transport in Richtung Ungarn zusammengestellt, diesem jedoch an der österreichisch-ungarischen Grenze die Weiterfahrt verwehrt - wegen der bekannt gewordenen Gräueltaten und der Vertreibung der deutschen Minderheit aus Ungarn.

Nach Süddeutschland zurückgekehrt, fand die Familie im Raum Stuttgart wieder mit dem aus der Kriegsgefangenschaft entlassenen Vater zusammen. Erste Notunterkunft war eine Schule in Hockenheim. Da Elisabeth unterernährt und teilweise gelähmt war, kam sie nach Heidelberg in die Klinik. Später erlernte sie den Beruf der Schneiderin, wechselte aus gesundheitlichen Gründen aber bald als kaufmännische Angestellte zu AEG.

Ehemann Gerhard (Jahrgang 1929) floh nach Kriegsende aus Berlin nach Heidelberg, wo er zunächst in der Textilindustrie tätig war. Es folgten die Fortbildung zum Maschinenbauingenieur und der Bau des eigenen Hauses. Aus gesundheitlichen Gründen zogen er und seine Frau vor eineinhalb Jahren in ein Mannheimer Seniorenheim. Die negativen Erfahrungen, die sie dort machen mussten, wollen sie nun in Eschenbach bald vergessen.
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