Bürger greifen Flüchtlingen unter die Arme - Hilfe koordinieren
Viele kleine Schritte

Als einen Ort der Begegnung erachtet Jessika Wöhrl-Neuber (rechts) die wöchentlichen Treffen des Helferkreises, bei dem sich Ehrenamtliche und Flüchtlinge austauschen können. Weitere Bürger sind jederzeit willkommen. Bild: Hartl
Kemnath. (luk) Ein Kochabend im August mit Esther und Eva, zwei Asylantinnen aus Afrika, war für Jessika Wöhrl-Neuber die Initialzündung. Seitdem arbeitete sie an einem Konzept, um die Hilfe für die Flüchtlinge in Kemnath, Zwergau und Hahneneggaten zu vernetzen. Seit inzwischen zwei Wochen treffen sich jeden Montag ein Helferkreis sowie Asylbewerber im Familienzentrum Mittendrin.

Vor der Premiere hatte die Sozialpädagogin gedacht, nur mit den Vermietern der Unterkünfte zusammenzusitzen. Gekommen waren aber um die 40 Leute. Unter dem Motto "Kemnath hilft zamm - Hand in Hand für Flüchtlinge" solle "im Kleinen etwas bewirkt werden", erklärt die 37-Jährige. Die ersten Erfolge kann sie bereits verbuchen. So sind mittlerweile drei Deutschkurse entstanden. Josef Heinl unterrichtet in Hahneneggaten, Rolf Ludwig und Margarete Friedrich helfen vier Eriträern in Waldeck beim Erlernen der Sprache. Für Zwergau haben das Gabi Zaus und Günter Deiml übernommen.

Bei ihnen stehen aber nicht nur Vokabeln und Grammatik auf den Stundenplan. Unter anderen besuchten Ludwig und Friedrich mit ihren Schützlingen bereits das Vulkanmuseum in Parkstein. "Vieles funktioniert auf der zwischenmenschlichen Ebene. Gegenseitiges Vertrauen ist wichtiger als perfektes Deutsch", erklärt Wöhrl-Neuber.

Darüber hinaus haben Kerstin Graf und Silvia Schraml in Zwergau einen wöchentlichen Spieltreff gegründet, an dem neben insgesamt sechs Flüchtlingskindern auch ihre eigenen teilnehmen. Noch in Planung ist ein Bastelnachmittag mit den Flüchtlingen im Zuge der monatlichen Kreativwerkstatt im Mittendrin. Doch die Vorzeichen stehen gut: Realschullehrerin Kerstin Sommer hat dafür bereits 62 Schüler gewinnen können. Ebenso denkt Wöhrl-Neuber an weitere interkulturelle Kochabende, zum Beispiel mit Gerichten und Referenten aus China und Syrien, denn "Völkerverständigung geht durch den Magen".

Bei allen Aktion steht für die dreifache Mutter der Austausch im Vordergrund. Hinter jeden Flüchtling stecke eine Geschichte und ein Mensch, dem der Aufenthalt in neuer Umgebung erleichtert werden soll. Dabei denkt sie vor allem an die Kinder, von denen niemand wisse, was sie Traumatisches erlebt haben.

Den Helferkreis sieht sie als Anlaufstelle für alle Bürger, die sich engagieren wollen, schließlich werde kaum jemand deswegen "einfach an der Haustür klingeln". Bei den Treffen gehe es darum, die Hilfen zu koordinieren, damit die Ehrenamtlichen ihren Platz finden.

Eine von ihnen ist Margit Murr aus Hahneneggaten, bei der seit vergangenem Oktober immer 13 bis 16 Flüchtlinge untergebracht sind. Für sie übernimmt sie unter anderem Fahrdienste für Einkäufe und Arzt- oder Behördenbesuche. Obwohl bei ihr Menschen aus bis acht Nationen eingemietet sind, funktioniere das Zusammenleben sehr gut. Muslime und Christen begegneten sich mit gegenseitigem Respekt.
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