Bürger haben Bedenken

Werden 200 Meter hohe Windräder auch bald in Kohlberg gebaut? Darüber muss nun der Marktrat entscheiden. Bild: war

Sollen rund um Kohlberg Windräder stehen oder nicht? Um diese Frage drehte sich die Diskussion in einer Informationsveranstaltung. Viele Bürger äußerten Bedenken und nehmen den Marktrat in die Pflicht.

Über 100 Interessierte verfolgten die Beiträge im Gasthof "Weißer Schwan". Die Quintessenz: Die endgültige Entscheidung soll nach Prüfung der technischen und wirtschaftlichen Grundlagen im Marktrat fallen.

Marcus Lukas fiel auf: "Ich höre mehr negative als positive Stimmen." Bürgermeister Rudolf Götz ließ sich allerdings nicht beirren und bezog klar Stellung: "Trotz einiger negativer Aspekte und in Anbetracht eines gewissen Risikos sehe ich die Windenergie als umweltfreundliche und sinnvolle Alternative zu den Gefahren, die von Atomkraftwerken ausgehen. Ich sehe auch klare Vorzüge gegenüber Photovoltaik- oder Biogasanlagen."

Franz Schiffl wollte wissen, ob die Bürger mit einbezogen werden. "Ich kann mir einen Bürgerwindpark, etwa mit der Gründung einer Genossenschaft, durchaus vorstellen", antwortete Götz. Ein Mitspracherecht betroffener Hausbesitzer gebe es bei der gemeindlichen Option auf Unterschreitung der 10-H-Abstände (der Mindestabstand zur nächsten Wohnbebauung soll das Zehnfache der Höhe einer Anlage betragen) nicht. Die Ausweisung dieser "privilegierten Flächen im Außenbereich" könne allein der Gemeinderat lenken, wenn er im Flächennutzungsplan kürzere Abstände festlegt.

Fragen der Bürger beschäftigten sich mit Wohnqualität, Veränderungen im Landschaftsbild, Eiswurf, Gefahren für Vögel, Schlafstörungen wegen Schall und schwankende Strompreise. Einige zweifelten auch Grenzwerte an.

Stefan Lehner versuchte, in einem Referat Zweifel zu beseitigen. Der gebürtige Weißenbrunner erläuterte die Grundlagen aus seiner Sicht und seine jahrelangen Erfahrungen in der Windkraftbranche. "Ich bin rein privat hier und will gefährliches Halbwissen beseitigen." Er erklärte sich bereit, die Beratung in seiner Heimatgemeinde kostenlos anzubieten.

Schnell zur Rendite

Die Akzeptanz für die Windenergie sei deutschlandweit sehr hoch und liege bei rund 90 Prozent, berichtete Lehner. Dieser Wert reduziere sich, sobald es die unmittelbare Nachbarschaft betreffe. Die Anlagen selbst amortisieren sich bereits innerhalb kurzer Zeit, nach weniger als einem Jahr sei die in den Bau investierte Energie erzeugt.

Man gehe von zwei bis vier Jahren Planungsphase aus, vier bis neun Monate nehme die Genehmigung in Anspruch, acht bis zwölf Monate der Bau. Lehner sprach von einer 20- bis 30-jährigen Laufzeit. Ein bedeutender Faktor für die Rentabilität sei die zu erwartende Nutzungsqualität, gemessen in Metern pro Sekunde. Einheiten unter 5,5 Meter/Sekunde seien unrentabel. Sicherheit schaffe ein Gutachten. Der vorliegende bayerische Windatlas hingegen liefere nur sehr vage Daten. Für die Kohlberger Höhe erwarte man wohl höhere Werte. "Noch ist nichts entschieden", erklärte Bürgermeister Götz. Nun muss sich der Marktrat mit dem Thema beschäftigen.
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