Bürgerinitiative und von ihr vor Ort bestellte Fachleute kommen bei Horsten im geplanten ...
BI behauptet: "Fachlich völlig fehlbesetzt"

Pfreimd-Pamsendorf. (cv) Laut Gutachten des Landesamtes für Umwelt handelt es sich bei den beiden im geplanten Windpark Pamsendorf entdeckten Nistplätzen um Greifvogel-, nicht um Schwarzstorchhorste. Die unterbrochenen Rodungsarbeiten laufen weiter. Die Bürgerinitiative "Gegenwind", Tier- und Naturschützer kommen hingegen mit von ihnen ins Boot geholten Fachleuten zu anderen Schlüssen und fordern eine umfassende spezielle artenschutzrechtliche Prüfung.

Am ersten Februarwochenende entdeckten Windparkgegner zwei Vogelhorste: Ihrer Ansicht nach vermutlich Schwarzstorchhorste. Die Rodung wurde vom Landratsamt gestoppt, die Nester von einem Biologen in Augenschein genommen, Fotos vom Landesamt für Umwelt begutachtet und Nestreste untersucht.

Die Vorgehensweise stößt bei der BI auf massive Kritik. In einer Stellungnahme heißt es, dass ein Horst bereits durch die Rodungsarbeiten beschädigt, freigestellt und für die nächsten Jahre unbrauchbar gemacht worden sei. Ein zweiter Horst sei einen Tag später nahe der Rodungsfläche einer weiteren Windkraftanlage gefunden worden. "Die Untere Naturschutzbehörde hat auf Anzeige der Funde bei der Polizei zwar die Rodungsarbeiten gestoppt, ist dann aber fachlich völlig fehlbesetzt erschienen", behauptet die BI. "Sowohl die anwesenden Mitarbeiter des Landratsamtes als auch der Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) hatten keinerlei biologische Fachkenntnisse oder fachspezifische einschlägige Ausbildung. Die UNB überließ es zudem dem Investor, die Baumkletterfirma und einen bereits massiv in Kritik geratenen Diplombiologen als Fachbeistand beizuladen". Neutralität und Kompetenz "im Umgang mit sensiblen Erkenntnissen zum Artenschutz würden anders aussehen", so Reinhard Kreußel, Dipl. Ing. Forst, von der BI.

Deshalb hatte sich die BI für Dienstag, 3. Februar, "wirklich fachkundige Personen zur Überprüfung vor Ort bestellt". Genannt werden vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) als Fachstelle für Vogelfragen Diplom-Biologin Sigrid Preuser von der LBV-Geschäftsstelle, Prof. Dr. Werner Schuler vom Kreisverband des LBV und Dr. Gerald Henkel - laut BI "der Schwarzstorchexperte der Region". Zur Unterstützung wurde von der BI eine Firma für Luftbilderstellung beauftragt, die Horste von oben zu untersuchen. "Beim beschädigten Horst auf der Birke waren sich die Experten schnell einig, dass es sich um einen Greifvogelhorst handelt. Die Greifvogelart konnte natürlich nicht festgestellt werden. Der oft in der Region beobachtete, sehr seltene und absolut geschützte Rotmilan kann hier nicht ausgeschlossen werden", heißt es im Statement. "Die Luftbildaufnahmen zeigten zudem, dass die Untersuchung durch den Baumkletterer, der nach eigenen Aussagen keinerlei Kenntnisse in Artenschutzangelegenheiten hat, nur einen Minimalbereich des Horstes berührten, 95 Prozent der Horst-Oberfläche sind noch vom Schnee bedeckt".

"Umfassende Prüfung"

Beim zweiten größeren Horst habe man festgestellt, dass dieser zwar länger nicht mehr benutzt worden sei, "aber definitiv ein älterer Schwarzstorchhorst ist und aktuell auch noch als Ausweichhorst genutzt werden könnte. Diese Tatsache und die Umgebung am Großen Kulm vor allem in den Bereichen Bornmühle, Bernhof, Gleiritsch, Trichenricht und Trefnitz lässt die Besiedelung durch den Schwarzstorch sehr wahrscheinlich erscheinen", gibt die BI Dr. Henkels Einschätzung wieder. "Eine vollständige und umfassende SAP (spezielle Artenschutzprüfung) im Sommer 2015 ist aus Sicht der Experten absolut notwendig".

Für die BI steht fest: "Offensichtlich befindet sich rund um den Großen Kulm ein Schwarzstorchbiotop mit Nistplätzen. Diese Horste sind dem Sachverständigen, der vom Antragsteller der Windindustrieanlagen beauftragt worden war, entgangen. Die spezielle Artenschutzprüfung war unzureichend und entspricht nicht den Vorgaben des Windkrafterlass Bayern". Dies sei 2014 mehrfach angemahnt worden. Doch "anstatt eigene objektive Untersuchungen zu veranlassen, wurden die Hinweise aus der Bevölkerung auf Schwarzstorch, Rotmilan und andere seltene Vogelarten/Fledermäuse von der Unteren Naturschutzbehörde abgetan und ignoriert". (Im Blickpunkt)
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