Bürgermeister im Kapuzenpulli

Das Dreigestirn des Königsteiner Jugendmarktrates: Jugendbürgermeister Matthias Grembler (21) mit seinen Stellvertreterinnen Michaela Pirner (22, links) und Eva Pesold (23). Bild: upl

Matthias Grembler ist amtsmüde. Staatsmännisch sagt er: "Irgendwann müssen auch mal Jüngere ran." Jüngere - damit meint er wohl die U-20-Generation. Denn mit seinen 21 Jahren gehört er im Jugendmarktrat von Königstein schon zum alten Eisen.

Mit einem breiten Grinsen, Jeans und Kapuzenpulli sitzt er auf dem Chefsessel im Rathaus des Marktes Königstein: Matthias Grembler (21), seit zwei Jahren Jugendbürgermeister der Kommune. Hans Koch (62), das echte Gemeindeoberhaupt, weiß genau, warum sich der junge Mann so freut. "Er wollte schon immer Bürgermeister werden", erzählt er. "Ich erinnere mich noch, als der Matthias ein Kindergartenkind war, da hat er das schon gesagt."

So schnell können in Königstein Träume wahr werden - aber nur in Königstein. Denn die Gemeinde ist die einzige im Landkreis Amberg-Sulzbach, die sich einen Jugendmarktrat und einen Jugendbürgermeister (sogar mit zwei Stellvertreterinnen) leistet. Hans Koch ist schon ein wenig stolz darauf, dass er auf diesem Gebiet Pionierarbeit betrieben hat. Vor sieben Jahren hatte er in Brand (Landkreis Tirschenreuth) zum ersten Mal von einem Jugendgemeinderat gehört. "Die Idee hat mir von Anfang an gefallen."

Koch holte die wichtigsten Informationen ein und setzte sich mit der Jugendpflegerin des Landkreises, Julia Schötz, zusammen, um ein eigenes Konzept zu erarbeiten. Heraus kam ein vierseitiges Schriftstück, das sich "Satzung des Jugendmarktrates" nennt und die Aufgaben, Rechte und Pflichten dieses Gremiums beschreibt. Mitglied kann jeder Jugendliche im Alter zwischen 13 und 24 Jahren werden, wenn er seinen Wohnsitz in der Gemeinde hat. Wer dem Gremium angehört, darf im echten Marktrat sprechen und sogar an nichtöffentlichen Sitzungen teilnehmen, wenn es um jugendrelevante Themen geht.

Arbeitseinsatz im Freibad

Wichtigster Punkt: Die Gemeinde hat sich verpflichtet, dem Jugendmarktrat jedes Jahr 1000 Euro zur Selbstverwaltung zu überlassen. "Das spornt die Jugendlichen unglaublich an", erklärt Koch. "Bis jetzt war es immer so, dass sich jeder Euro, der da investiert wurde, durch Eigeninitiative vervielfacht hat." Unter anderem regelt die Satzung auch die Wahl eines Jugendbürgermeisters für die Dauer von jeweils zwei Jahren. Einzige Vorgabe: Die Frau oder der Mann an der Spitze muss mindestens 18 Jahre alt sein.

Seit 2012 ist der Chemie-Laborant und aktive Feuerwehrmann Matthias Grembler im Amt. "Einer muss sich halt vorne hinstellen", sagt er nur, wenn er nach seiner Motivation gefragt wird. Er sieht sich als Sprachrohr für die Anliegen der Jugendlichen aus seiner Gemeinde. Was die 13- bis 24-Jährigen in Königstein bewegt, das kristallisiert sich in den vier Sitzungen der Versammlung schnell heraus. "Es geht vor allem darum, wie wir Königstein für Jugendliche attraktiver machen können." Die Renovierung des Beachvolleyballfeldes im Freibad war ein großes Thema, die Organisation der Beachparty oder die Ausflugsfahrt in die Partnergemeinde Königstein im Taunus. Demnächst geht es um die Rama-dama-Aktion. "Ich bin begeistert von der positiven Stimmung bei den Jugendlichen", sagt Hans Koch. Die Fahrt zur Partnergemeinde zum Beispiel habe bereits eine Eigendynamik entwickelt.

Keine Parteipolitik

Parteipolitik spielt im Jugendmarktrat keine Rolle. "Wir waren uns im Marktrat von Beginn an einig, dass die Jugendlichen nicht instrumentalisiert werden sollen", unterstreicht der Bürgermeister. Auch auf einem anderen Terrain war Vorsicht geboten: "Natürlich sollte auch keine Konkurrenz zu den Vereinen entstehen." Der Jugendbürgermeister und seine beiden Stellvertreterinnen, Eva Pesold (23) und Michaela Pirner (22), sehen diese Gefahr nicht. Im Gegenteil. Alle drei sind in mehreren Vereinen aktiv und betrachten diese Vernetzung eher als Zugewinn für die Arbeit im Jugendmarktrat.

Ihr Engagement findet Nachahmer. Mittlerweile hat die Nachbargemeinde Neukirchen angefragt, ob es möglich ist, das Modell zu exportieren. Trotzdem ist der Bürgermeister amtsmüde. "Man weiß halt nicht, was beruflich so alles auf einen zukommt", sagt Matthias Grembler. Er räume den Posten auch, damit andere mal ausprobieren können, wie es ist, für die Gemeinschaft ein Stück Verantwortung zu übernehmen. Gelegenheit dazu besteht für seine Kumpels von der Beachparty schon bald: Am Montag, 13. April, mischen die Jugendlichen aus der Gemeinde die Karten neu.

Jugendmarktrat


Aufgaben: Der Jugendmarktrat berät den Marktrat bei allen Themen, die Jugendliche betreffen. Er hat das Recht, Themen für die Marktratssitzungen vorzuschlagen und er hat die Aufgabe, Projekte für Jugendliche in der Gemeinde in Eigenregie zu starten.
Mitglieder: Jeder Jugendliche aus der Gemeinde Königstein kann Mitglied des Jugendmarktrates werden. Mitglieder müssen mindestens 13 Jahre alt und dürfen nicht älter als 24 Jahre sein. Wer an drei aufeinanderfolgenden Sitzungen teilgenommen hat, erhält automatisch ein Stimmrecht.
Sitzungen: Die Sitzungen finden im Rathaus statt. Pro Jahr sind mindestens vier Zusammenkünfte vorgeschrieben. Die Sitzungen sollen an unterschiedlichen Werktagen sein, um möglichst allen Jugendlichen die Teilnahme zu ermöglichen. Die Einladung muss spätestens 14 Tage vor der Sitzung an jedes einzelne Mitglied verschickt werden. Ein Mitglied wird zu Beginn der Sitzung als Protokollführer bestimmt.
Rechte und Pflichten: Jeder Jugendmarktrat hat das Recht, Themen auf die Tagesordnung der Sitzungen setzen zu lassen. Zwei Vertreter des Gremiums haben das Recht, an nichtöffentlichen Sitzungen des Marktrates teilzunehmen, wenn eine Angelegenheit behandelt wird, die die Jugend betrifft. Die Jugendmarkträte sind verpflichtet, den Sitzungen beizuwohnen. Wer verhindert ist, muss sich beim Vorsitzenden entschuldigen.
Verhaltensregeln: Der Jugendmarktrat beschließt Projekte mit einfacher Mehrheit. Wenn mindestens die Hälfte der Mitglieder anwesend ist, ist das Gremium beschlussfähig. Bei Bedarf soll eine Rednerliste geführt werden. Jedes stimmberechtigte Mitglied erhält zu Beginn der Sitzung eine Stimmkarte.
Budget: Die Gemeinde stellt pro Jahr 1000 Euro für die Arbeit des Jugendmarktrates zur Verfügung. Die Haushaltsmittel sollen am Ende eines jeden Jahres auf das Folgejahr übertragen werden, damit langfristige größere Projekte finanziert werden können. Hierzu sind Ansparungen möglich.
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