Bürgerservice wird vermisst
Briefe an die Redaktion

Zur letzten Edelsfelder Gemeinderatssitzung:

Wie am Donnerstag, 8. Oktober, in der SRZ veröffentlicht wurde, fasste der Edelsfelder Gemeinderat mit Mehrheit den Beschluss, das Standesamt in Edelsfeld aufzugeben. Als Hauptgründe wurden in der öffentlichen Diskussion die Belastung der Mitarbeiter bezüglich der Fortbildung und die Kosten für die Verwaltung im "mehrseitigen Exposé" des Bürgermeisters genannt.

Der Bürger brauche das örtliche Standesamt nicht, was an der "dürftigen Auslastung" deutlich zu erkennen ist. Heiraten könne man noch, allerdings muss auch hier der Antrag in dem dann zuständigen Standesamt eingereicht werden, der formale Akt des "Ja-Sagens" könne dann innerhalb der Gemeinde stattfinden. Wahrscheinlich werden die Aufgaben an das Standesamt in Sulzbach-Rosenberg übertragen, allerdings muss die Stadt den Antrag der Gemeinde Edelsfeld annehmen und die Gemeinde Edelsfeld bereit sein, die Kostenbeteiligung in Höhe von 1,50 bis 3 Euro pro Einwohner im Jahr zu bezahlen.

Wer also in Zukunft eine beglaubigte Abschrift einer Geburts-, Ehe- oder Sterbeurkunde braucht, sich über Namensänderung beziehungsweise die Anerkennung seines leiblichen Kindes informieren möchte oder mit dem Gedanken spielt, aus der Kirche auszutreten, muss dies dann auch in Sulzbach-Rosenberg tun. Es ist mir sehr wohl bewusst, dass gerade im Verwaltungsbereich immer höhere Anforderungen und spezialisiertes Fachwissen gefordert wird, aber das ist nicht nur im Bereich des Standesamts so. Eigentlich sollte man als Bürger in einer eigenständigen Kommune in sein Rathaus gehen können und seine Anliegen vortragen dürfen. Dies würde ich als Bürgerservice und als zentrale Aufgabe der Gemeindeverwaltung ansehen.

Das Argument der Kosten kann ich nicht verstehen, denn eine Verwaltung kostet immer Geld und ich bin überzeugt, dass diese Entscheidung, welche jetzt aus wirtschaftlichen Gründen getroffen wurde, am Ende der Gemeinde teuer zu stehen kommt.

Übrigens: Im weiteren Verlauf der Gemeinderatssitzung kam die Sprache auf die geplante Schließung der Edelsfelder Sparkassenfiliale. Hier kam es zu spontanen Unmutsäußerungen einiger Gemeinderatsmitglieder, die über den "schlechten Bürgerservice" des nach "Gewinn trachtenden Unternehmens" klagten. "Dann müssen die Kunden ja nach Sulzbach fahren, wenn sie Geld abheben wollen", so ein weiterer Gemeinderat. Der Bürgermeister entschloss sich, im Namen der Gemeinde einen Protestbrief wegen der Schließung der Filiale an die Sparkasse zu schreiben.

Wie heißt es in der Bibel so schön: "Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?"

Peter Mauritz,92265 Edelsfeld

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