Bunter Draht und täglich Brot

Mit Weihnachts-Szenerien verzierten viele Käufer in der DDR ihre "Melodikon"-Spieluhren. Einige Exemplare sind ebenfalls in der Weihnachtsausstellung im Kemnather Museum zu sehen. Bild: bjp

Heute tun sie fast nur noch verborgen in Auto-Bordstromnetzen Dienst: die "leonischen Drähte". Bis vor etwa 100 Jahren war kaum ein Christbaum vorstellbar ohne Schmuck aus feinen Drahtgeflechten.

Kemnath. (bjp) Ein bis heute beliebter naher "Verwandter" der vor rund 500 Jahren im spanischen León erfundenen "leonischen Waren", von denen das Kemnather Museum in seiner Weihnachtsausstellung "Lichterglanz und Kerzenschein" viele Beispiele zeigt, ist das Lametta. Aber auch aus schlichteren Stoffen schufen frühere Generationen Kunstwerke zur Ehre der heiligen Familie.

Wo es am Geld zum Kauf und am handwerklichen Geschick zum Bauen einer hochwertigen Holzkrippe fehlte, zauberten bunte Papierkrippen andächtige Stimmung in die Wohnstuben. Auch Kuriosa bietet die Ausstellung: So hielt der technische Fortschritt mit kleinen Eisenbahnzügen, Zeppelinen, Automobilen oder dem Nikolaus im Flugzeug ebenso Einzug in die Weihnachtsbäume wie die kultähnliche Vaterlandsverehrung mit dem Kaiser auf seiner Jacht oder der Schmuckkugel mit Reichsadler. Indes will Museumsleiter Anton Heindl seine Weihnachtsschau keineswegs allein als nostalgisches Eintauchen in vergangene Zeiten verstanden wissen. Einen zur Weihnachtszeit passenden Denkanstoß wolle das Museum mit dem Frühwerk "Unser täglich Brot gib uns heute" des oberfränkischen Künstlers Hartmut Schmid (1929 bis 2012) geben. Dieses habe die Kemnather Familie Ott als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Es erinnere nicht nur an die Not der Nachkriegsjahre, sondern auch an die Hilfebedürftigen in unserer Zeit, betonte Heindl bei der Eröffnungsfeier im "Meisterhaus". "Dieses mit einfachsten Mitteln entstandene Werk inspiriert uns und sollte uns nachdenklich stimmen. Denn der Satz ,Unser tägliches Brot gib uns heute' ist aktueller denn je."

In dieser "mit vielerlei Genüssen und Gaumenfreuden angereicherten Jahreszeit" solle sich jeder "auch eingedenk der vielen zu uns kommenden Flüchtlinge daran erinnern, dass unser in Deutschland meist vorherrschender Wohlstand nicht selbstverständlich ist", gab der Museumsleiter zu bedenken. Vielmehr müsse "stetig daran gearbeitet werden", wozu auch gehöre, "materiell Minderbemittelten nicht nur Toleranz, sondern auch Unterstützung und Gebebereitschaft" zu gewähren, um schließlich "den sozialen Frieden zu wahren und auch unserer Christenpflicht nachzukommen". (Hintergrund)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.