Burkhardsreuther Pfarrausflügler besuchen Niederalteicher Benediktiner Abtei
Ökumenisches Experiment

Ökumene ist möglich, Neugier auf das "Andere" nützlich: Hiervon sind die Niederalteicher Benediktiner überzeugt. Seit 80 Jahren praktizieren sie mit Erfolg ein ungewöhnliches Experiment: Ein Drittel der zurzeit 30-köpfigen Gemeinschaft gestaltet sein religiöses Leben nach den Riten und Regeln der "Ostkirchen".

"Den Anstoß gab Pius XI. 1924", erzählte Klosterführer Rainer Gaschler den rund 50 Teilnehmern des Burkhardsreuther Pfarrausflugs. Damals habe der Papst den Benediktinerorden aufgerufen, die ostkirchliche Glaubenstradition zu studieren, aus ihr zu leben und sie im "Abendland" bekannt zu machen, um so eine Brücke zu den christlichen Gemeinschaften des "byzantinischen Ritus" zu schlagen. In Niederaltaich habe Prior Emmanuel Heufelder dies ab 1934 aufgegriffen. Ein interkonfessionelles Studieninstitut ist entstanden. 1986 ersetzte die Nikolauskirche eine provisorische byzantinische Kapelle. Dort gibt es nun regelmäßig Messen in der "Göttlichen Liturgie" orthodoxer Tradition.

Gaschler erwähnte, dass die Oberpfälzerin Elisabeth Rieder die Außenwand der Nikolauskirche seit einigen Jahren nach und nach mit Gemälden im Ikonenstil ausschmückt. Dies sei nicht die einzige Spur Oberpfälzer Kunstschaffens in dem 741 gegründeten Kloster: Jakob Schopf aus Regensburg schuf den Hochaltar der um 1300 gebauten und im 18. Jahrhundert barockisierten Sankt-Mauritius-Basilika. Baumeister des barocken Halbrundanbaus mit Sakristei und "Oberkirche" sei Johann Michael Fischer aus Burglengenfeld.

Kulturelle Impulse habe Niederaltaich von Anfang an ausgesandt, wusste Rainer Gaschler: "Von hier sollte das von den Awaren kontrollierte Bayerwaldgebiet christianisiert und fürs fränkische Reich gesichert werden. Die Benediktiner galten als Experten für Besiedlungsaufgaben, denn sie waren Fachleute für Bildung, Land- und Obstbau." Mit ihrer Arbeit sei das Ansehen des Klosters schnell gestiegen, sein Landbesitz habe sich bis Ungarn erstreckt.

1803 habe der bayerische Staat die Abtei zwangsaufgelöst und enteignet: "Die Obrigkeit hatte sich erhofft, so den maroden Staatshaushalt zu sanieren. Doch die Rechnung ging nicht auf, und was dem Staat blieb, war die Notwendigkeit, die Anlage auf eigene Kosten zu unterhalten." 1918 hätten Mönchen aus der Abtei Metten das Kloster wiedergegründet.

Beeindruckt waren die Burkhardsreuther Besucher auch vom feierlichen Konventamt, das Abt Marianus Bieber zelebrierte und der Niederaltaicher Knabenchor begleitetet. Nach dem Klosterbesuch ließen die Ausflügler den Tag beim Bummel durch die Landesgartenschaustadt Deggendorf und beim Abendessen in Bruck bei Schwandorf ausklingen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.