Busfahrt mit Mick Jagger

Richard Reger nahm die Gäste mit auf eine exklusive Busreise der Krieger- und Soldatenkameradschaft Böhmischbruck. Bild: dob

Ein 90-Jähriger vernascht seine Ehefrau, kann sich aber an nichts mehr erinnern. Dann auf einmal singt das Publikum "Adelheid" auf sächsisch. Der Faschings- und Kabarettabend der Krieger- und Soldatenkameradschaft hatte wieder einiges zu bieten.

Wenn Richard Reger seine Schnaderhüpferl singt, bleibt beim Faschings- und Kabarettabend der Krieger- und Soldatenkameradschaft (KSK) kein Auge trocken. Gar manchen Gästen haute er einiges um die Ohren. Krumm nahm ihm das aber keiner im Pfarrsaal. Vielmehr gehört man zur Prominenz im Dorf, wenn Reger einen namentlich nennt - ähnlich wie beim Frankenfasching in Veitshöchheim.

Am besten kamen jene Besucher bei den selbstverfassten Liedzeilen weg, die für den Sänger finanzkräftig in ihre Tasche langten. Dies stellte er zumindest vorab in Aussicht. "Dass mir heit dou sei derm, des is a grouß Glück, weil die Brandschützer vom Landkreis spiel'n momentan verrückt." Und weiter: "Von euch kriegt dann jeder an Zettl, entweder rout oder grei, wenn's brennt müssen die Roten in Keller und die Grünen am Dachboden aufe geih", formulierte Reger.

Mäuse in der Garderobe

Längst ist der Faschings- und Kabarettabend, der heuer bereits zum dritten Mal im Pfarrheim war, kein Geheimtipp mehr. Die Veranstalter um Reger als Hauptakteur lassen ihr Publikum von der ersten Minute ihres Auftritts an nicht mehr zur Ruhe kommen. Die Waffen: ihre Stimmen und humorvollen Auftritte. Ein Beispiel: "Für eure Garderobe im Keller übernehmer mir keine Gewähr, vielleicht fressen's d'Mäus zam oder es klaut irgendwer."

Natürlich wusste Reger auch über den geplanten Brückenbau in Böhmischbruck so einiges. "Hoffentlich wird's niat so wie in Burgtreswitz, weil gstrittn ham die gnou und jetzt wo's scho fast fertig is, is ihnen auf oimal z'houch."

Josef Winklmann hatte bei einem Sketch seinen großen Auftritt. Als er nachts um ein Uhr vom Wirtshausbesuch schon voller Angst vor seiner Ehefrau die Türschwelle seines Hauses übertritt, bekommt er von Christine Ittmann eine Bratpfanne mit folgenden Worten übergezogen: "Ein Uhr hat's geschlagen." Darauf meint Winklmann, seinen Brummschädel reibend: "Bin ich froh, dass ich nicht schon um zwölf Uhr heimgegangen bin."

In einer Art "Deutschstunde" erzählte Reger in verschiedenen Landessprachen von den Verwirrungen in seinem Kurzurlaub im Erzgebirge. Genüsslich übte der Kabarettist anschließend mit den Gästen das bekannte Lied "Adelheid" auf sächsisch ein. Hoch her ging es auch beim Lehrerstammtisch, um den sich Michael Reil, Bernhard Vater und Werner Fischer versammelten. Sie hatten ihre liebe Not mit einem Polizeibeamten. Verblüfft erlebten die Gäste an diesem Abend auch eine außergewöhnliche Situation vor dem Standesamt, die Christine Ittmann, Bernhard Vater, Michael Reil und Manuela Reil zelebrierten.

Sexuelle Altersbeschwerden

Unglaublich, was ein Richard Reger mit seinen Leuten alles zu bieten hatte. Die Lacher hatten sie auf ihrer Seite. Vergnügen. Spontanität, Wortwitz und Schnelligkeit sind die Stärken der Künstler.

Beim Rentnertreffen auf einer Parkbank mit Ralf Amthor, Josef Winklmann und Werner Fischer jammerten ein 70- und ein 80-Jähriger über ihre sexuellen Altersbeschwerden. Ein 90-Jähriger kam hinzu und lachte die beiden "jungen Dutterer" aus. Er habe dahingehend überhaupt keine Probleme. Lediglich das Gehirn mache ihm Schwierigkeiten. Er könne sich nicht merken, dass er gerade eben erst seine Frau vernascht habe.

Mit dem achtjährigen Simon Lehner band Reger heuer schon einen ersten Nachwuchskünstler mit ein. Dafür wählte er den "Nikolausi" von Gerhard Polt aus, wofür beide viel Applaus erhielten. Beim "Hausfrauentratsch" gaben sich Christine Ittmann und Manuela Reil altklug, naiv und ungebildet. Einen außergewöhnlichen Kuhhandel erlebten die Besucher beim Sketch von Werner Fischer und Richard Reger. Dabei beschwerte sich der Bauer beim Mercedeshändler über die vielen Aufpreise für seinen neuen Wagen.

Kabarett in seinen schönsten Facetten - ganz nach Manier von Willy Astor - erlebte die Faschingsgesellschaft, als Richard Reger sprachlich mit dem großen Star um den Erfolg wetteiferte und eine außergewöhnliche KSK-Busfahrt mit Sprachspielen aufnahm. Mitreisende waren unter anderem Conchita Wurst, Chris de Burgh, Anne Will, Peter Maffay, Bill Gates, Kylie Minogue, Gerda Hasselfeldt, Kai Pflaume oder Liselotte Pulver, Jürgen Klopp und Mick Jagger.

Matthias Hofmeister wertete die Kabarettrunden musikalisch auf. Die Besucher waren sich einig, dass sie an diesem Abend gehörig viel für ihre Gesundheit getan hatten: Denn Lachen ist bekanntlich gesund.
Weitere Beiträge zu den Themen: Böhmischbruck (222)Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.