Casanova findet seine Meister

Der Anderlbauer rückt seinen Hemdkragen zurecht, dann die Jacke. Schließlich fährt er sich durchs Haar und bewundert seine Erscheinung im Handspiegel. Jung fühlt er sich. Und fesch. Warum auch nicht? Schließlich ist er ein bayerischer Casanova.

Der Anderlbauer ist stolz darauf, ein Casanova zu sein. Seine Eroberungen hat er sorgfältig dokumentiert, Fotos der Damen in ein Album eingeklebt, penibel notiert, wann die Liaison begann, wann sie endete. Mit diesem Weiberheld, der glaubt, bei jeder landen zu können, bekommen es alle zu tun, die das aktuelle Stück der Freudenberger Bauernbühne sehen. "Der bayerische Casanova" aus der Feder von Veri Geisenhofer ist ein klassisches Bauerntheater. Und was wäre eine volkstümliche Komödie ohne das, was sie ausmacht? Natürlich zuallererst der Witz, der bisweilen richtig derb sein darf, dann einige Irrungen und Wirrungen, die sich schließlich in Wohlgefallen für (fast) alle auflösen.

Nach dem Brandner Kaspar vor zwei Jahren, dem Krimidinner im Frühjahr und dem Amberger Welttheater im Sommer war es laut Spielleiter Benno Schißlbauer wieder an der Zeit, ein Bauerntheater zu spielen. Und das wollten viele treue Zuschauer der Freudenberger, darunter auch Ehrenvorsitzender Xaver Lobensteiner, bei der Premiere am Samstagabend im Wutschdorfer Pfarrsaal sehen. Der Anderlbauer (Norbert Altmann) ist seit 20 Jahren Witwer, eine Bäuerin ist nicht im Haus, doch der Hausherr pflegt jede Menge Liebschaften, aktuell mit Liesl (Monika Altmann), einer Dame aus Regensburg und laut Anderlbauer "a rassiger Deifl".

Heimliches Gspusi

Sein Sohn Ferdl (Michael Vogt) ist noch ledig, trifft sich aber am Raigeringer Büchsenham mit seiner Angebeteten. Kein Wunder, dass sich die Oldies auf dem Hof (Barbara Söllner als Anderlsbauers Mutter Rosl und Hans Scharnagel als Vater Wastl) Sorgen um die Zukunft machen. Kräftig mischt auch der beste Freund des bayerischen Casanovas (Reinhold Escherl als Holzhändler Girgl Griesmeier) mit. Und dessen Tochter Sefferl (Ramona Altmann) macht sich auf, dem Anderlbauern eine kräftige Lektion zu erteilen. Magd Mirl (Christina Hahn), die zwar den Rest der Familie fast zur Weißglut bringt, hingegen bleibt gelassen. "Mir g'fallt die Gaudi", verkündet sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Was wäre ein Bauerntheater ohne alle die Irrwege, die so manche gehen müssen?! Sie kommen in Geisenhofers Stück wahrlich nicht zu kurz.

Heiratsabsichten in wechselnden Beziehungen, Eifersüchteleien, Gerüchte, die sich verselbständigen: Fast schon fällt es schwer, da den Überblick zu behalten. Die Darsteller gefallen in ihren Rollen, sei es Norbert Altmann, der herrlich einen 50-Jährigen verkörpert, der glaubt, bei 20-Jährigen noch souverän landen zu können. Oder Reinhold Escherl als Freund, der auf listige Weise eigene Interessen verfolgt. Köstlich auch der kurze, aber enorm einprägsame Auftritt von Monika Altmann als resolute "Stodtflietschn". Sie putzt den bayerischen Casanova anständig runter - so sehr, dass mancher im Publikum noch zuckt und wohl innerlich ein Stoßgebet zum Himmel schickt, solch eine resolute Dame möge ihm nie im Leben begegnen. Schließlich löst sich alles in Wohlgefallen auf - na ja, nicht ganz, denn einer wird unfreiwillig zum Hochzeitswerber und hat sich so sein Meisterstück nicht vorgestellt.

Viel Applaus als Lohn

Die Freudenberger haben wieder einmal bewiesen, dass das Bauerntheater ihr Metier ist. Zu Beginn hatte Spielleiter Benno Schißlbauer dem Publikum erklärt, es habe die Gelegenheit, das Ergebnis von 23 Proben zu beurteilen. Ist Applaus ein Gradmesser, dann waren das Bestnoten.
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