Chancen für neuen Betreiber

Während des vorläufigen Insolvenzverfahrens soll es im Goldnen Löwen weitergehen. Für die Metzgerei sieht der Insolvenzverwalter Stefan Puhlmann momentan keine größeren Probleme. Sorgen bereiten ihm allerdings die Gästezahlen des Hotels. Immerhin erscheint es jetzt wieder in den Buchungsportalen im Internet. Bild: swt

Einst gehörte der Goldne Löwe als Romantikhotel zu den führenden Häusern seiner Klasse in Bayern. Jetzt steht er am Scheideweg. Nach einem Insolvenzantrag der Hotel-GmbH hat dort fürs erste der Amberger Rechtsanwalt Stefan Puhlmann das Sagen.

Schon längere Zeit kursierten Gerüchte und Mutmaßungen, was wohl mit dem Goldnen Löwen in Auerbach geschieht. Die Familie Ruder betreibt das Traditionshotel und die integrierte Metzgerei seit vielen Jahren.

Das Amtsgericht Amberg bestellte am 16. Januar den Rechtsanwalt Stefan Puhlmann zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Er soll das noch vorhandene Vermögen der Hotel Goldner Löwe GmbH für die Gläubiger sichern.

"Meine Aufgabe ist es zu prüfen, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet werden kann, ob ein Insolvenzgrund - also Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung - vorliegt und die Kosten eines Insolvenzverfahrens gedeckt sind", erklärt der Fachanwalt für Insolvenzrecht gegenüber unserer Zeitung. Gleichzeitig untersuche er, welche Möglichkeiten für eine Fortführung des Hauses bestehen.

Für die Familie Ruder bedeutet das, dass sie sich weiter um den laufenden Betrieb kümmert. "Sämtliche Bestellungen und Ausgaben sind durch den Geschäftsführer aber zuvor mit mir abzustimmen", fügt Puhlmann hinzu.

Die Hotel Goldner Löwe GmbH hat zwei Geschäftsbereiche, das Hotel und die Metzgerei. "Ich versuche, beide Geschäftsbereiche weitgehend normal weiter zu führen", stellt der Anwalt seine Ziele dar. Wenig Sorgen macht er sich momentan um die Metzgerei, da die Mitarbeiterin weiter zur Verfügung steht und die Zutaten für die eigene (!) Herstellung der Produkte eingekauft werden können.

Schwieriger sehe es für die Zukunft des Hotels aus. Derzeit verfüge es "über keine nennenswerte Gästezahl". Puhlmann hofft, dass die Spielwarenmesse in Nürnberg Ende Januar, Anfang Februar für eine bessere Auslastung sorgt. In den vergangenen Jahren stiegen viele Messebesucher im Goldnen Löwen ab.

Damit sie auch den Weg nach Auerbach finden, habe er in einem ersten Schritt erreicht, dass der Goldne Löwe seit Freitag wieder über die einschlägigen Buchungsportale im Internet beworben wird. Nachdem das Hotel dort seine Rechnungen nicht mehr bezahlen konnte, war es noch vor der Anordnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens ausgelistet worden.

Neben dem Geschäftsführer seien derzeit zwei Arbeitnehmer beschäftigt. Wenn die Übernachtungszahlen wieder steigen, könne nach Angaben des Geschäftsführers vorübergehend auf Aushilfskräfte zurückgegriffen werden.

Die Arbeitnehmer haben gegen die Agentur für Arbeit einen Anspruch auf Insolvenzgeld für bis zu drei Gehälter, wenn der Arbeitgeber diese vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens nicht mehr bezahlt hat. Einen Insolvenzgeldantrag können sie allerdings erst stellen, wenn ein Insolvenzverfahren eröffnet oder der Antrages mangels Masse abgewiesen wird. "Die Gehaltszahlungen versuchen wir derzeit aber über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung jeweils pünktlich abzuwickeln, damit die Arbeitnehmer nicht bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens auf ihr Geld warten müssen", sagt der Anwalt.

Konkrete Aussagen, welche Lösungen für das Haus zum Zug kommen könnten, wollte der Insolvenzverwalter im Augenblick noch nicht treffen. In der derzeitigen Form werde eine Fortführung des Geschäftsbetriebs "naturgemäß schwer". Ziel müsse es sein, einen neuen Betreiber zu finden, gegebenenfalls mit einem neuen Konzept. Gelinge das, sah Puhlmann "gute Chancen" für den Goldnen Löwen.

Nach Informationen, die der SRZ vorliegen, hat eine Hoteliersfamilie aus der Region bereits vor einiger Zeit Interesse signalisiert. Verhandlungen verliefen aber erfolglos. Sollte hier eine positive Wende eintreten, könnte eventuell auch das Hotelbedarfskonzept umgesetzt werden, dass die Stadt vor längerer Zeit erstellen ließ. Dort sind durchaus Kapazitäten aufgelistet, die ein gutes Mittelklassehotel erfüllen könnte.

Problematisch könnte es für die Vereine werden, die den Ruder-Saal als Veranstaltungsraum nutzen. Die Bergknappen oder der Männergesangverein 1884, der dort regelmäßig probt, müssten sich dann nach einem anderen Ort umsehen.
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