Charakterisierung nur für Frauen
Flandern, flankeln und viel unterwegs sein

Um diese Moidln "Flandern" zu nennen, müsste man sie besser kennen, das Gleiche gilt für die Burschen. Einmal ausgiebig feiern, ist noch nicht "Flankeln", da müssen die Betreffenden schon öfters ausschweifend unterwegs sein. Bild: NT-Archiv
Flandern ist eine der drei Regionen des Königreichs Belgien. Im nördlichen Teil des Landes gelegen, leben dort die allermeisten niederländischsprachigen Belgier, die Flamen. Die größten Städte sind Antwerpen, Gent und Brügge.

Mit diesem Landstrich und dessen weiblichen Bewohnern steht das hier gebräuchliche Wort Flandern als Charakterisierung einer leichtsinnigen, flatterhaften Frauenperson aber nicht in Verbindung. Die Frauen aus Antwerpen oder Ostende dienten also nicht als Vorbild für diese Bezeichnung. Das vielleicht Naheliegendste trifft nicht zu. Was oder wer dann? Die Kommission für Mundartforschung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften spricht bei diesem Substantiv von einer Ableitung von dem Verb "flandern". Dieses ist Ausdruck für sich hin- und her bewegen, flattern, aber ebenso für sich herumtreiben, viel unterwegs sein. Laut Auskunft der Kommission sind alle diese Bedeutungen im Dialekt gut belegt. Flandern geht wie das Hochdeutsche "Flattern" auf das mittelhochdeutsche Wort "vledern" (flattern) beziehungsweise "vladeren" (flackern) zurück. "Wie das N wiederum in das Dialektwort Flandern hineingerutscht ist, ist ungeklärt", teilt die Kommission mit.

Zu denken wäre an einen Einfluss durch Flanieren, "was aber nur eine vorsichtige Hypothese ist", schränkt ein Wissenschaftler der Kommission ein. Eines ist sicher, "Flandern" betrifft ausschließlich Frauen und diese wiederum flanieren allemal lieber als die Männer. In eine ähnliche Richtung wie "Flandern" zielt auch das Verb "flankeln", das ebenfalls sich bewegen, ziehen, also aktiv sein, ausdrückt. So findet es sich bereits bei Johann Andreas Schmeller. Flankeln ist aber nicht spezifisch weiblich, das können nämlich auch männliche Zeitgenossen. (eld)

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