Comedy trifft a-cappella

Das Oberpfälzer Publikum gilt ja gemeinhin als "schwer entflammbar". Was stellte das Vokal-Ensemble Six-Pack also an, dass die Besucher im Theuerner Schloss Feuer und Flamme waren?

Komplimente nach dem fulminanten Auftritt gab's reichlich, Sänger Lars Kienle nahm sie augenzwinkernd an: "Danke, danke, wir waren auch sehr ergriffen von der Euphorie." An der Euphorie trug Six-Pack die Alleinschuld, das Publikum hatte vorher eine A-cappella-Comedy-Show erlebt, die mit den Attributen "fantastisch, super" trefflich umschrieben ist.

Revue zum Jubiläum

Die Bayreuther Vollblutsänger standen mit ihrem Bühnen-Knaller "Tschingderassabumm" in Theuern ganz am Anfang ihrer Tournee anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens. "Eine Revue, die niemals hätte passieren dürfen", wie sie sich selbst auf die Schippe nahmen. Das Ensemble - "überhäuft mit Kulturpreisen, Eintrittspreisen und Kampfpreisen" - bot Highlights aus einem Vierteljahrhundert A-cappella-Show, dargeboten von sechs Protagonisten, die sich "selbst als Pioniere des Alcopops" bezeichnen, "mit einer Mischung aus brillantem Gesang und hanebüchenen Schnapsideen". "Musikalisch haben wir eine Mischung aus Kleinoden der letzten 25 Six-Pack-Jahre zusammengestellt", fasste Lars Kienle zusammen. Dazu kamen einige neue Songs.

Mit tollen Arrangements, für die Jonas Roßner, Joe Greiner und Rolf Wadlhier verantwortlich zeichnen, sorgten die sechs Herren im schwarzen Anzug für beste Unterhaltung. Bernd Esser ist in der Combo zuständig, wenn es stimmlich ganz nach oben geht. Ihn unterstützen als Stimmakrobaten in tieferen Lagen Markus Burucker, Chris Strobler, Lars Kienle, Hannes Betz und Andy Sack.

Meister des Unsinns

Die 25 Jahre mussten gebührend gefeiert werden. Bandleader Kienle nannte die Eckdaten des erfolgreichen Schaffens: Er sprach unter anderem von 145 Millionen nicht verkauften Tonträgern. "Wir haben auch andere Meister des gehobenen Unsinns wie Helmut Kohl, Heidi Klum, Erich Honecker und die Queen maßgeblich beeinflusst", heftete er sich auf die Brust und führte weiter aus: "Es hat sensationelle Erfolge gegeben, zu denen uns jede Erinnerung fehlt - getragen von der Masse der Selbstüberschätzung." Das Theuerner Publikum war da schon längst auf der Seite des Ensembles, das in den 90er-Jahren den A-cappella-Boom mit ausgelöst hatte. Lars Kienle lieferte nach dem Konzert die Begründung für den doppelzüngigen Klamauk: "Wir wollten ironisch und nicht selbstbeweihräuchernd mit dem Jubiläum umgehen und haben deshalb zusammen mit dem Autor Roland Junghans eine hanebüchene Historie gestrickt."

Die sechs Gesangskünstler starteten mit "The good, the bad and the ugly". Vor der Pause hatte auch das Publikum Gelegenheit zum Singen: Bei "Schickeria" von der Spider Murphy Gang war Mitmachen angesagt. Bester A-cappella-Gesang war dann im zweiten Abschnitt mit "Sugar Baby Love", Take it easy, altes Haus" oder "Englishman in New York" zu hören.

Den einen aus der Combo zu loben hieße, die anderen zu benachteiligen. Das hat niemand verdient. Und doch wird man Bernd Esser besonders erwähnen müssen mit der Frage: Wie kann ein Mann so unglaublich hoch singen? Aus dem Publikum prasselte Beifall, ertönten laute Zugabe-Rufe. Atemlose Stille herrschte dagegen bei Essers "Non je ne Regrette rien" (Nein, ich bereue nichts) von Edith Piaf. Garantiert nichts bereut - das haben die Besucher an diesem außergewöhnlichen Abend in Theuern.
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