Coole Jungs bei der Frühschicht

Weiden ist von der deutschen Wasserball-Landkarte nicht mehr wegzudenken. Am Samstag startet der Schwimmverein mit der Partie beim SV Cannstatt in seine neunte Bundesligasaison. Dabei gibt es nur ein Ziel.

Weiden. (mr) Die meisten Spieler sind noch sehr jung und trotzdem schon total cool. Beim Pokalsieg am Wochenende gegen den SC Wedding behielten auch die jüngeren Akteure im Fünf-Meter-Werfen die Nerven. Für Gerhard Wodarz ein gutes Zeichen. Dennoch erwartet der Wasserballtrainer wieder eine schwere Bundesligasaison. Im NT-Interview spricht er über die gute Vorbereitung, Verständigungsprobleme und das Kreuz mit der Frühschicht.

Herr Wodarz, Ihre Jungs blieben zuletzt beim Fünf-Meter-Werfen nervenstark. Da haben Sie eine coole Truppe beieinander ...

Wodarz: Das Spiel hat vor allem gezeigt, dass wir zu Hause trotz der vielen Hinausstellungen, auch von Stammspielern, die Nerven behalten haben. Ein Spiel taugt aber nicht dazu, um das als Reifeprüfung zu werten.

Wie ist denn die Vorbereitung bisher gelaufen?

Wodarz: Wir haben eigentlich eine gute Vorbereitung hinter uns. Ein bisschen gehandicapt sind wir trotzdem. Unser Kapitän Andreas Jahn kann seit Wochen nicht trainieren. Auch Thomas Aigner kann jetzt erst richtig ins Geschehen eingreifen. Das sind beides routinierte Spieler, die wir brauchen. Vor allem gegen erfahrenere Teams, da verlieren sich die Jüngeren noch zu oft. Zudem müssen wir im ersten Spiel auf Andras Langmar verzichten, der aus der vergangenen Saison noch drei Spiele Sperre absitzen muss.

Woran haben Sie in der Vorbereitung erfolgreich gearbeitet?

Wodarz: Der Einsatz beim Training ist sehr gut, die Mannschaft ist geschlossener geworden. Der ein oder andere junge Spieler, der letztes Jahr noch nicht so weit war, dass er jetzt in schwierigen Situationen die Verantwortung übernimmt, macht dies nun. Ich nenne da beispielhaft Nikolaj Neumann, der eine tolle Entwicklung genommen hat.

Und woran hapert es noch?

Wodarz: Wir kommen immer noch nicht gegen physisch starke Mannschaften zurecht. Deswegen trainiere ich auch, dass die physisch Schwächeren bei den Einheiten die physisch Stärkeren gegen sich haben. Damit sie ständig den Druck spüren, den Gegner an der Wäsche haben und trotzdem versuchen müssen, das Spiel aufzubauen.

Mit Stefan Kick fehlt ein wichtiger Baustein der vergangenen Jahre. Er hilft nur noch in absoluten Notfällen aus ...

Wodarz: Das ist eine Schwächung. In der Vergangenheit hatten wir mit ihm eine sehr sichere Verteidigung, aus der wir agieren konnten. Es ist derzeit deutlich sichtbar, dass wir da noch Probleme haben.

Würden Sie die Veränderungen vor dieser Saison schon als Umbruch bezeichnen?

Wodarz: Es ist immer ein kleiner Umbruch, aber das muss kein Nachteil sein. Dennoch bin ich den Erfahrenen im Team dankbar, dass sie noch eine Saison oder mehr durchziehen, das erleichtert den Jungen einiges.

In dieser Saison müssen Sie oft auch mit Händen und Füßen coachen. Die Neuen, der Tscheche Marek Janecek und der Ungar David Tamas, sprechen kein Deutsch ...

Wodarz: Das ist ein großes Handicap. Mit Marek komme ich da besser zurecht. Aufgrund meiner polnischen Herkunft kann ich mich da etwas mit ihm verständigen, ich habe auch mittlerweile einige Brocken Tschechisch gelernt. Das ist bei David ganz anders. Er steht bei der Sprache ganz am Anfang. Ich brauche immer einen Dolmetscher. Und selbst mit Dolmetscher bin ich mir nicht sicher, ob er das so verstanden hat. Aber da müssen wir durch.

Die Integration der Neuen verläuft beim SV immer vorbildlich. Der Tscheche Vladimir Srajer oder der Brite Sean Ryder sind ja schon halbe Bayern ...

Wodarz: Wir dürfen behaupten, dass alle, die gekommen sind, gut integriert sind, einfach dazugehören, gut mitziehen. Wir wollen sie alle behalten und nicht jedes Jahr einen Austausch betreiben und bezahlte Spieler holen.

In der vergangenen Saison wurde auf den letzten Drücker der Klassenerhalt gesichert. Wird es dieses Mal einfacher?

Wodarz: Nein, es hat sich nichts verändert. Der Klassenerhalt bleibt das Ziel, allein wenn ich nur sehe, wie sich die anderen verstärkt haben. Finanziell ist es aber bei uns weiterhin dünn. Wir wollen den Sport in dem Rahmen betreiben, in dem es möglich ist. Wenn es am Ende nicht reicht gegen Mannschaften, die jedes Jahr Spieler zukaufen, dann ist es eben so.

Tradition hat beim SV jeden Mittwoch das Morgen-Training um 6 Uhr in der Thermenwelt. Fällt es Ihnen auch so schwer wie Ihren Jungs, in aller Herrgottsfrühe auf der Matte zu stehen?

Wodarz: Mindestens so schwer wie den Jungs auch. Jede Woche muss man da aufs Neue seinen Schweinehund überwinden.

Aber Sie müssen wenigstens nicht ins Wasser ...

Wodarz: Ja, das ist wenigstens ein kleines Stückchen Gerechtigkeit.
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