Cornwalls Küste braucht bei Sonne südliche Konkurrenten nicht zu fürchten
Weißer Sand im hohen Norden

Eine Bucht schöner als die andere, Blumenwiesen und pittoreske Mäuerchen: Der Weg nach Lizard Point, dem südlichsten Ort auf dem Festland, gehört zu den schönsten Abschnitten auf dem Küstenpfad. Bilder: Bugl
 
Bei Ebbe wartet zwischen den riesigen Felsen von Kynance Cove an der Küste Cornwalls ein perfekt sauber gespülter Sand auf die ersten Fußspuren. Das Wasser ist so klar wie in der Karibik - allerdings deutlich kälter.

Das Meer ist türkisblau, der Sand weiß. Doch die Karibik ist weit weg. Wer hier im Juli die Zehen ins 14 Grad kalte Wasser taucht, glaubt nicht mehr an eine Fata Morgana. Er ist in Cornwall angekommen.

Schöne Buchten gibt es viele am Mittelmeer, doch was die englische Grafschaft Cornwall am Atlantik zu bieten hat, lässt sich nur noch durch wärmeres Wasser übertreffen. Atemberaubend ist das richtige Wort für viele kleine Strände an der Südwestküste, der Kynance Cove Beach ist nur eine dieser Schönheiten, die eine perfekte Kulisse für Bikini-Models bieten können. Bei Ebbe gibt das Meer hier einen scheinbar unberührten, zumindest aber frisch gespülten Sandstrand frei. Felsformationen und Höhlen bilden den Kontrast zu den Wellen, die sich wie ein Springbrunnen über Plateaus ergießen.

Hinter dem nächsten grünen Hügel wartet schon ein neues Szenario. "Eine Liebesaffäre, die ein Leben lang hält", verspricht die Tourismuswerbung für Cornwall. Wer bei Sonnenschein auf dem Küstenpfad unterwegs ist, hat daran keine Zweifel mehr. Es sei denn, der Wetterbericht meldet mal wieder "misty and muggy" (neblig und feuchtwarm). Und das tut er nicht selten in diesen Breiten, die trotz kühler Sommer einiges mit den Tropen gemeinsam haben.

Bloß nicht bei Nebel

Wer trotz Nebel-Prognose nach Land's End pilgert, dorthin, wo der Brite dem amerikanischen Kontinent am nächsten ist, bekommt statt malerischer Küste nur Scharen von Bus-Touristen in einem Shopping-Center serviert. Dann ist eine Einkehr bei Tee mit Scones (kleine Kuchen mit fast schon buttriger Sahne sowie Marmelade) eindeutig die bessere Alternative. Im Idealfall mit Lektüre aus einer der zahlreichen Second-Hand-Bücherküsten, die sogar in Kirchen oder Leuchttürmen auf neue Leser warten, gegen eine Spende für den guten Zweck.

Nicht ganz so groß wie in Land's End ist der Rummel am Lizard Point, dem südlichsten Punkt des Festlands im Vereinigten Königreich. Von hier aus wurde einst die Spanische Armada zum ersten Mal gesichtet. Im Juli 1588 tobte die Seeschlacht England gegen Spanien. Ein ausgedehnter Schiffsfriedhof liegt zu Füßen derer, die den Küstenpfad entlang wandern. Wer Glück hat, wird dabei von ein paar Robben begleitet, die an den Felsen nach Nahrung suchen.

Eine kleine Kostprobe von den Höhepunkten des berühmten Küsten-Fernwanderwegs bietet der Abschnitt von Kynance Cove nach Lizard. Mit etwas Glück lässt sich noch eine luxuriöse Teakholz-Bank am Rand der Klippen ergattern, die ein Cornwall-Fan gestiftet hat. Auf den Wiesen gleich über den Buchten gedeihen 600 Arten von Wildblumen, Spargel, Brachsenkräuter - und die Cornwall-Heide. Spektakulärer zeigt sich die Botanik nur in der britischen Gartenlandschaft mit einer ganzen Reihe von subtropischen Pflanzen. Diese Gärten haben vielversprechende Namen wie Trengwainton, Glendurgan oder "The Lost Gardens of Heligan" und sind eine Alternative für schlechtes Wetter - wenn auch eine mit umgerechnet rund 20 Euro Eintritt nicht gerade billige.

Pilcher lässt grüßen

Vielen Touristen wird manches Detail vielleicht bekannt vorkommen, sind diese versammelten Naturschönheiten doch Teil des Erfolgsrezepts bei den Romanverfilmungen von Rosamunde Pilcher. Das lockt zunehmend deutsche Touristen in diese Urlaubsregion. Nach Cornwall zog es zwar vor gut zehn Jahren auch schon fünf Millionen Touristen im Jahr, doch nur vier Prozent kamen aus dem Ausland.
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