CSU-Räte bleiben Podium fern

Der Herr Schuller sitzt im Publikum und traut sich offensichtlich nicht.

Wasserstreit war gestern. Seit Beginn des Monats ist der Anschluss an das Amberger Netz perfekt. In Ammerthal gehen die Themen deswegen aber nicht aus. Schließlich gibt es da noch "die greisliche Homepage" und die bei der Bürgerversammlung gestellten Fragen, wer wann eigentlich wo und wie für oder gegen ein schnelleres Internet war.

Ammerthal. (tk) Im Monat null nach der ersten Wasserlieferung aus der Nachbarstadt kam Bürgermeisterin Alexandra Sitter-Czarnec (Unabhängige Wählergemeinschaft/UWG) in der Sporthalle vor 80 Zuhörern kurz auf das Topthema der Vorjahre zu sprechen: "Die Gemeinde gehört uns allen und somit ist es gut und wichtig, dass wir uns alle gemeinsam mit dem Ziel nach bester Lebensqualität für alle Generationen beschäftigen."

Ohne Weiß und Paulus

Die CSU-Gemeinderäte Johann Weber und Gerhard Schuller zogen es vor, sich unter die Zuhörer zu mischen und ihre Namensschilder am Podium die kompletten zweieinhalb Stunden lang verwaisen zu lassen. Ihr Parteikollege Hubert Englhard hatte dagegen kein Problem damit, zwischen Dr. Hans Lang vom Bürgerforum und UWG-Fraktionssprecher Mario Flierl zu sitzen. Die Bürgermeisterin dazu: "Der Herr Schuller sitzt im Publikum und traut sich offensichtlich nicht." Zudem fehlte CSU-Fraktionssprecher Robert Weiß laut Sitter-Czarnec unentschuldigt. Er verpasste wie der aus familiären Gründen absagende Georg Paulus (Sprecher der Christliche Wählergemeinschaft) den 45-minütigen Rück- und Ausblick der Bürgermeisterin.

Nach diesem Bericht sollte die Tagesordnung abgearbeitet sein, Anträge waren im Vorfeld nicht eingereicht worden. CSU-Gemeinderat Gerhard Schuller ergriff danach dennoch das Wort und kritisierte, dass er für sein Grundstück im Gewerbegebiet an der Amberger Straße einen Änderungsbescheid erhalten habe, der für ihn eine Kostensteigerung von 30 Prozent bedeute. Sitter-Czarnec: "Ihr habt das damals so festgelegt. Das war zu eurer Zeit." Die Bürgermeisterin hörte sich auch weitere Kritik an und beendete das Thema: "Ich werde öffentlich nicht über Bescheide an Gewerbetreibende reden."

In den noch verbleibenden gut 80 Minuten drehte sich alles um die digitale Gegenwart und Zukunft der Gemeinde. Nachdem Stephan Koller (Bürgerforum) die von ihm konzipierte und noch in der Vorbereitungsphase befindliche Ammerthal-App vorgestellt hatte, wurde aus den Reihen der Zuhörer der Vorwurf laut, dass die neue Internetseite "greislich" sei. Dr. Hans Lang (Bürgerforum) kümmert sich seit Januar inhaltlich um die Homepage und hielt dagegen: "Wir sind froh, dass wir eine so aktuelle Seite haben. Wir sind für Anregungen offen. Aber jede Layout-Änderung kostet wieder was."

Ums Geld geht es auch beim Breitbandausbau, der mit 1,5 Milliarden Euro das derzeit größte Förderprogramm im Freistaat ist. Ammerthal hatte laut Sitter-Czarnec und Amtsleiter Rene Martin den Maximalzuschuss von 500 000 Euro beantragt und tat sich sogar mit den Hirschwaldgemeinden zusammen, um als interkommunale Gruppe noch mehr Zuschuss zu erhalten. Da sich aber mit dem Amberger Unternehmen Jobst ein Anbieter gemeldet hat, der die Versorgung übernehmen will, sei der Staat ausgestiegen. Sitter-Czarnec: "Nicht, weil die Bürgermeisterin das will oder die Verwaltung schlecht arbeitet." Vielmehr sei es üblich, dass sich der Freistaat bei einem privaten Internet-Versorger zurückziehe. Das gehe auch anderen Kommunen so.

Anbieter aus Amberg

Schnell regte sich im Publikum Protest. Auch, weil Gemeinderat Norbert Lehmeier, der wie die Bürgermeisterin zur UWG gehört, für besagten IT-Service Jobst tätig ist. Sitter-Czarnec wurde deutlich: "Ich habe 2008 schon einmal den Versuch gemacht, Ich wollte damals das Glasfasernetz. Allerdings habe ich im Gemeinderat dafür nicht die nötigen Stimmen bekommen." Das Vorhaben sei an der CSU gescheitert. Ein immer noch im Publikum sitzender Gerhard Schuller widersprach: "Ich war schon immer für das Glasfasernetz."
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