"Dahoam is Dahoam"

Bei der Saisonplanung im Winter war er eigentlich gar nicht vorgesehen für die Bayern-Rundfahrt. Umso glücklicher ist Andreas Schillinger, dass er sein "Heimatrennen" fahren darf. Dafür lässt er auch gerne Kalifornien sausen.

(frü) Der 31-jährige Radprofi vom Team Bora Argon 18 startet zum vierten Mal bei der Bayern-Rundfahrt (13. bis 17. Mai), aber so nah war der Haselmühler bei einem Rennen noch nie an Zuhause.

Herr Schillinger, 830 Kilometer an 5 Tagen. Fragen Sie sich bei elend langen Etappen nicht öfter mal, warum Sie nicht Autorennfahrer geworden sind?

Schillinger: Nö, keine Minute. Ich wollte als Kind schon Radrennen fahren - und das mache ich jetzt. Für mich gibt es nichts Besseres.

Sie sind die Tour de France gefahren, den Giro d' Italia, Paris-Roubaix. Reizt Sie da die Bayern-Rundfahrt überhaupt? Noch dazu ist ja zeitgleich die Kalifornien-Rundfahrt...

Schillinger: Da sollte ich ja eigentlich starten, aber natürlich ziehe ich die Bayern-Rundfahrt vor. Die Frage stellt sich gar nicht.

Wie bitte? Ihnen ist Waldsassen, Selb und Haßfurt lieber als San Jose, Sacramento und Santa Barbara?

(lacht) In Kalifornien war ich ja schon zwei-, dreimal. Wie sagt man so schön im Bayerischen? "Dahoam is Dahoam". Ich wollte unbedingt dabei sein, so nahe an der Heimat fahre ich so bald wohl kein Rennen mehr. Ich freue mich richtig.

Die erste Etappe führt durch Burglengenfeld, Schwandorf und Nabburg...

Das sind alles alte Trainingsstrecken von früher. Ich denke, bis hinter Weiden müsste ich jede Straße kennen.

Im vergangenen Jahr ging es in die Alpen, diesmal scheint die Strecke einfacher zu sein.

Einfacher nicht unbedingt, anders: Jeden Tag so mittelschwere Etappen, plus ein Zeitfahren.

Liegt Ihnen die Strecke?

Generell schon. Aber unser Ziel ist es, in der Gesamtwertung einen Fahrer auf dem Podest zu haben, dazu einen Etappensieg zu feiern. Wir haben mit Jan Barta und Dominik Nerz zwei ganz starke Zeitfahrer und mit Sam Bennett unseren Sprinter. Ziel wird sein, diese in Position zu bringen. Das wird meine Aufgabe.

Selber keine Ambitionen?

In der Gesamtwertung nicht. Dafür bin ich im Zeitfahren zu schwach.

Sie stellen sich also völlig in den Dienst der Mannschaft?

Ja, genau. Mein Job ist es, die Ziele des Teams möglich zu machen.

Ärgert man sich manchmal darüber?

Fragen wir mal anders: Ärgert sich Manuel Neuer, wenn er nicht Torschützenkönig wird? Es gibt Spieler, die Tore schießen und es gibt Spieler, die Tore vorbereiten. So ist das eigentlich auch bei uns.

Im vergangenen Jahr hat sich mit der Teilnahme an der Tour de France für Sie ein Traum erfüllt. Hoffen Sie auch dieses Jahr wieder dabei zu sein?

Das erste Ziel in dieser Saison waren die Klassiker, das hat ganz gut funktioniert. Das nächste Ziel ist die Tour.

Wie sind die Aussichten?

Schwer zu sagen. Das hängt auch von der Ausrichtung des Teams ab. Wird mehr Wert auf die Bergetappen gelegt, oder auf die Sprintankünfte? Je nachdem in welche Richtung man tendiert, ändert sich der Kader. Bis Mitte Juni wird sich das entscheiden. Wir sind 15 Mann in der Vornominierung, 9 dürfen fahren.

Die ARD will wieder mehr über die Tour de France berichten. Stellen Sie ein größeres Medieninteresse am Radsport fest?

Das ist vom letzten zu diesem Jahr immens gestiegen. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass wir jetzt ein rein deutsches Team mit deutschem Sponsor sind und dass mit Giant-Alpecin ein weiteres deutsches Team gemeldet ist. Ich find's super, weil unsere Generation, die jetzt Rennen fährt, für die Fehler geradestehen musste, die die Generation vor uns gemacht hat. Irgendwann muss die Zeit vorbei sein.

Mit Fehlern meinen sie das Doping...

Natürlich! Ich kann nicht sagen, dass jeder vor 10, 15 Jahren gedopt war, aber es gab eine gewisse Häufigkeit.

Ist die jetzige Generation sauber?

Ich lege für keinen die Hand ins Feuer. Fakt ist aber: Es ist auf jeden Fall viel, viel besser als vor 15 Jahren. Man sieht ja, dass noch hin und wieder einer erwischt wird. Also gibt es noch Leute, die mit verbotenen Substanzen arbeiten. Aber in Deutschland sieht man ganz klar, dass es ganz gut funktioniert mit den Kontrollen und es in den letzten Jahren keinen positiven Dopingfall gab.

Wie oft werden Sie getestet?

Pro Jahr sieben- bis zehnmal zu Hause. Dazu gibt es viermal im Jahr Bluttests und noch die Wettkampfkontrollen.

Wie engmaschig ist das Kontrollsystem?

Alleine letzte Woche hatte ich zwei unangemeldete Kontrollen zu Hause. Für jeden Tag, egal, ob das Weihnachten, Silvester oder mein Geburtstag ist, muss ich im Internet eintragen, wo ich bin. Ich muss eine Stunde pro Tag angeben, in der ich sicher anzutreffen bin. Bin ich das nicht, bekomme ich einen "Missed Test". Bei drei in einem Jahr werde ich für ein Jahr gesperrt, obwohl ich nicht positiv getestet wurde.

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Mehr Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/bayernrundfahrt2015
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