Dank für Dienst an Deutschland

Im Militärmuseum ist die Aufnahme einer aus den Gleisen geworfenen Lokomotive des "Muna-Unglücks" von 1940 zu sehen. Der Unfall kostete 13 Menschen das Leben. Bilder: mor
 
Die alte Gedenktafel an Johann Heindl im Bundeswehrscheibenhof.

Ein Feuer und gefährliche Güter lösten vergangene Woche gewaltige Explosionen in Chinas Hafenstadt Tianjin aus, Hunderte von Menschen starben. Gewaltig waren die Explosionen auch beim "Muna-Unglück" 1940. Ein neuer Gedenkstein soll an diese und weitere Tote auf dem Übungsplatz erinnern.

Grafenwöhr. (mor) Den älteren Grafenwöhrern ist die Explosionskatastrophe in der Munitionsanstalt noch heute ein Begriff. Georg Meiler erinnert sich, dass es vormittags kräftig schepperte und die Detonationen die Fenster der Schule erzittern ließen. Der heute 86-jährige Engelbert Reiter weiß noch von einem großen Stück einer Eisenbahnschiene, das an der Waldlust lag. Durch die Explosion wurde es über einen Kilometer weit durch die Luft geschleudert.

Was war geschehen? In der Munitionsanstalt - der "Muna" - im Lager in der Nähe des Geismannskellers wurde tschechische Beutemunition geprüft und wieder an die Truppe ausgegeben. Beim Verladen auf dem Ringbahnhof am 14. September 1940 wurden tschechische Eierhandgranaten verladen, einer der Arbeiter hantierte unsachgemäß mit der Munition und löste so das Unglück aus.

Erster Toter 1913

Die Sprengkraft der Beutemunition war derart stark, dass unter anderem die Achsen der Eisenbahnwaggons zerbarsten. Das Unglück forderte 13 Menschenleben. Monsignore Karl Wohlgut, der damals vier Jahre alt war, erinnert sich daran, dass die Särge der Toten auf Lafetten zum Friedhof gefahren und dort in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt wurden. In der Nähe der Unglücksstelle wurde ein Gedenkstein errichtet, zwei weitere Gedenksteine mit Tafeln stehen heute ebenfalls nahe des Platzes.

Der erste und offiziell festgehaltene Todesfall auf dem Übungsplatz ereignete sich 1913. "August Hickl, Hauptmann und Kompaniechef im königlich bayerischen 19. Infanterieregiment Erlangen, verstarb in Ausübung seines Dienstes auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr", ist auf einer Gedenktafel zu lesen.

Eine mit Schlagzahlen gestanzte Eisentafel erinnert an das Schießunglück von 1969, bei dem der Zielbauarbeiter Johann Heindl ums Leben kam. Heindl wurde von einer Maschinengewehrsalve getroffen. Sein Sohn Hans, heute 76, erinnert sich daran, als er zur Unglücksstelle südlich von Metzenhof gerufen wurde: "Es war erschütternd, die Schüsse gingen quer durch den Brustkorb. Mein Vater wurde 62 Jahre alt, ein Jahr später wäre er in Rente gegangen." Johann Heindl hinterließ seine Frau und drei erwachsene Kinder.

Bei zwei weiteren Schießunfällen kamen 1976 Herbert Sedlmayer und 1981 Georg Strobl ums Leben. Für sie existiert bislang noch keine Erinnerungstafel.

Gedenkstein vorm Wasserturm

All der im Dienst für Deutschland auf dem Truppenübungsplatz Verstorbenen soll nun zusammengefasst auf einer Tafel gedacht werden. Oberstleutnant Hans Joachim Gehrlein, dem Deutschen Militärischen Vertreter (DMV)und Kommandanten der Truppenübungsplatzkommandantur Grafenwöhr, war es ein Anliegen, an einer würdevollen Stelle den Verstorbenen ein bleibendes Gedenken zu errichten. Direkt vor dem Wasserturm wurde der neue Stein mit der Tafel errichtetet. Der Ruhestandsgeistliche Karl Wohlgut nimmt am heutigen Donnerstag die Segnung vor. Zur Feier sind auch Angehörige der Verunglückten eingeladen.
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