Darmstadts Mittelfeldspieler Marco Sailer ist längst Kult
Markenzeichen: Ein Bart wie Catweazle

Auch im Training gibt der Darmstädter Spieler Marco Sailer (vorne) keinen Zweikampf verloren. Das muss hier sein Mitspieler Michael Stegmayer anerkennen. Sailer fällt aber hauptsächlich wegen seines Zottelbartes auf. Bild: dpa
Egal, wie sich Aufsteiger und Außenseiter SV Darmstadt 98 in der Bundesliga schlägt, ein Gesicht werden sich alle merken: Marco Sailer trägt einen Bart wie einst Hexenmeister Catweazle in der gleichnamigen Kultserie. "Erst dachte ich, am ersten Spieltag ist er ab. Aber ich glaube, ich ziehe das durch", kündigt der Mittelfeldspieler an. "Das ist schon so eine Glücksbringer-Geschichte und ein kleines Markenzeichen geworden. Er stört eigentlich nicht groß auf dem Platz, nur bei Wind."

Publikumsliebling, Kampfsau und Feierbiest: "Toni" Sailer ist bei den "Lilien" längst Kult. "Wenn ich die letzten zwei Jahre Bundesliga geschaut habe, also da habe ich keinen mit so einer Matte gesehen", sagt der 29-Jährige und versichert: "Aber es ist jetzt nicht mein Ziel, der bekannteste Bartträger der Liga zu werden."

Seit 1. November hat sich Sailer nicht mehr rasiert. Effekthascherei ist dennoch nicht das Ding des bodenständigen Profis. Auf dem Trainingsplatz in Klosterreichenbach im Schwarzwald fällt Sailer vor allem deshalb auf, weil er unermüdlich über den Rasen hetzt. Dass der Profi mit dem Zottelbart gemeinsam mit Neuzugang Konstantin Rausch den mannschaftsinternen Berg-Team-Challenge gewonnen hat - zwei Spieler teilten sich auf dem steilen, zwölf Kilometer langen Weg zum Schliffkopf (1025 Meter) ein Fahrrad - wundert niemand bei den "Lilien".

Führungsfigur

Zusammen mit Kapitän Aytac Sulu und Torjäger Dominik Stroh-Engel gehört Sailer zu den Führungsfiguren. "Die haben in der Hierarchie des Teams ihren Platz ziemlich weit oben und in den letzten zwei Jahren Herausragendes geleistet", erklärt Trainer Dirk Schuster.

Sailer sieht sich "eher als Indianer auf dem Platz". Wie keine andere Bundesliga-Mannschaft müssen die finanziell schwach aufgestellten Südhessen auch nach ihrem Durchmarsch von der 3. in die 1. Liga auf Einsatz und Zusammenhalt bauen. "Hier kochen alle zusammen am großen Kessel", versichert Sailer und geht mit gutem Beispiel voran.

"Immer alles geben - das liegt auch an meiner Erziehung. Mein Vater arbeitet bei Recaro, meine Mutter bei Lidl. Die sind ziemlich bodenständig", erklärt der in Schwäbisch Hall geborene Spieler. "Als der Bundesliga-Aufstieg feststand, da ist meine Familie total ausgerastet. Die glauben das bis heute nicht."

Das geht ihm selbst auch so: Sailer hatte sich während seiner Zeit beim VfR Aalen, bei der SpVgg Greuther Fürth, beim SV Wehen Wiesbaden und FC Heidenheim damit abgefunden, ein Dritt- oder allenfalls Zweitliga-Fußballer zu sein.

Als 2013 sein Vertrag in Heidenheim nicht verlängert wurde, stand der gelernte Bankkaufmann sogar drei Wochen ohne Verein da, "da macht man sich schon Gedanken, was aus einem wird". Jetzt, da der einstige Jugendkicker des hohenlohischen TSV Bitzfeld in der Bundesliga angekommen ist, geht ihm eher durch den Kopf: "Wie komme ich da mit?" In der Eliteklasse wird ihm sein unbändiger Einsatz und Wille helfen.
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