Das Fatschenkindl der katholischen Kirchengemeinde Königstein
Rares Jesukindlein

(wku) Die katholische Kirchengemeinde Königstein ist im Besitz einer besonderen Kostbarkeit, eines Fatschenchristkindls. Es ist schon über 200 Jahre alt. Sein Kopf ist aus Wachs modelliert, mit blonden Löckchen umrahmt und mit einem Krönchen geschmückt.

In früheren Zeiten, als die Katholiken noch die Simultankirche mitbenutzten, hatte das Christkindl seinen Platz in einer goldenen Kiste am rechten Seitenaltar, dem Marienaltar. Als die Katholiken vor 50 Jahren dann eine eigene Kirche bauten, kamen die Seitenaltäre, die Kreuzwegstationen und eben auch das Christkindl auf den Dachboden des katholischen Pfarrhauses in der Schlossgasse. Und dort gerieten die Dinge in Vergessenheit...

Im Jahre 1982 wurde Albert Beyer katholischer Pfarrer von Königstein. Dieser war traditionsbewusst, kunstgeschichtlich sehr interessiert und ein Liebhaber von Altertümern.

Er entdeckte nicht nur die Kircheneinrichtung auf dem Dachboden des ehemaligen Pfarrhauses, sondern auch das ramponierte Fatschen-Christkind.

Der Geistliche bat Marille Rembold, es zu restaurieren. Diese hüllte das Kindl in neu gefertigte Kleider und besorgte sich vom Frisör Merkl echtes Haar. Seit dieser Zeit wird das Kleinod wieder in den Weihnachtsgottesdiensten genutzt.

Zu Beginn der Messe am Heiligabend tragen es entweder der Pfarrer, die Ministranten oder die Kinder des Krippenspiels in die Kirche. Bei einem Rundgang wird das Fatschenkindl dann den Gläubigen gezeigt, um es dann in eine Krippe vor dem Volksaltar zu legen.

Pfarrer Beyer ließ dazu extra eine Krippe mit unterschiedlich langen Füßen bauen: Vorne sind sie kurz, hinten lang, damit das Jesuskindlein etwas gekippt liegt. So können die Gottesdienstbesucher von ihrem Platz aus die Figur besser sehen.

Bei dem Fatschenkindl handelt es sich um ein Wickelkind. Das Wort "Fatschen" bedeutet das Zusammenschnüren eines Kindes im Steckkissen. Säuglinge wurden in früheren Zeiten wie ein Paket bis zum Hals mit einem breiten Band umwickelt, die Arme fest an den Körper gebunden, so dass sie sich nicht bewegen konnten.

Diese Sitte wurde meist bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres beibehalten und diente dazu, dass die Kinder - wie man fälschlicherweise meinte - "grode Glieder kräing".

Auch dieses Jahr wird das altehrwürdige Fatschenkind in den Weihnachtsmessen nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen erfreuen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Königstein (2039)November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.