Das Handwerk baut am Image

"Nun ist es sozusagen amtlich: Berufliche Bildung ist genauso wichtig wie akademische Bildung", kommentierte Obermeister Bernhard Stegerer die Aussagen auf politischer Ebene. Entsprechend verteilt müssten auch die staatlichen Zuwendungen sein.

Fensterbach-Wolfringmühle . Obermeister Bernhard Stegerer freute sich, dass zur Herbstversammlung der Metallinnung Schwandorf im Hotel Wolfringmühle auch der neue Kreishandwerksmeister Christian Glaab mit seiner Frau Marion gekommen war. Referent Rechtsanwalt Dr. Thomas Schreiner informierte über das Thema "Sicherung des Werklohnes".

"Die Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunftsfähigkeit eine Landes bemisst sich nicht am Anteil der Akademiker. Deshalb dürfe staatliche Zuwendung, auch finanzieller Art, keine einseitige Zuwendung nur für Studierende sein", stellte Stegerer fest. Verwunderlich sei, dass diese Einsicht erst jetzt komme. Eine weitere positive Nachricht sei das klare Bekenntnis zur Meisterpflicht. "Wir vertrauen auf die klare Beschlusslage der Bundesregierung, so steht es übrigens auch im Koalitionsvertrag", betonte Stegerer. Denn nur mit dem Bekenntnis zur Meisterpflicht könne das weltweit anerkannte duale Ausbildungssystem weiter funktionieren. Die europäisch gesehen niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland spreche für sich.

"Das Handwerk ist bereit, will nach wie vor ausbilden, jedoch fehlt es mehr und mehr an geeignetem Nachwuchs", machte Stegerer auf ein großes Problem aufmerksam. Die Abschaffung der Hauptschule und Einführung der Mittelschule sollte in Kürze Wirkung zeigen. Die aktuellen Bildungsströme stellen sich laut Obermeister derzeit so dar: Ein Drittel der Grundschüler tritt in die Hauptschule über, ein Drittel in die Realschule und ein Drittel ans Gymnasium. Der entscheidende Punkt: "22,5 Prozent der Realschüler wechseln auf FOS oder Gymnasium, das heißt, es ist zu einer deutlichen Verschiebung zur weiterführende Schule gekommen". Dieser Trend ist, so Stegerer, seit Jahren zu beobachten und gehe oftmals vom Elternhaus aus. Die Ausbildungsquote im Handwerk betrage zwar 35 Prozent, "viele Lehrstellen im Handwerk sind aber unbesetzt." Auszubildende im Handwerk kommen zu 60 Prozent aus der Mittelschule, zu 30 Prozent aus Realschule und M10 sowie zu 5 Prozent aus Fachhochschulen und Hochschulen.

Stegerer drängt darauf, neue Zielgruppen für das Handwerk zu gewinnen: "Diese neuen Zielgruppen sind vor allem Studienabbrecher und Abiturienten, denn wir brauchen auch und vor allem leistungsstarke junge Leute". Gerade vor dem Hintergrund der Fachkräfteproblematik werde das Image des Handwerks und des Handwerkers immer wichtiger. Es gibt einen neuen Imagefilm, der sich gezielt mit dem Slogan "Die Welt war noch nie so unfertig. Pack mit an!" direkt an Jugendliche wendet.

Asylbewerber sollen künftig schon nach drei Monaten arbeiten dürfen. Es gibt bereits Berufschulklassen für Asylbewerber und Flüchtlinge. 600 Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag werden derzeit in schulischen Einrichtungen in der Oberpfalz betreut. Die fehlende Ausbildungsreife soll in einem speziellen Betreuungskonzept nachgeholt werden.

Bernhard Stegerer gab abschließend die aktuellen Lehrlingszahlen der Berufschule Nabburg bekannt: Von der 10. bis 13. Klasse werden derzeit 50 Auszubildende beschult. Die Anzahl der Lehrlinge entwickelt sich gegen den Trend positiv.
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