Das Heft in der Hand

In Sachen Windkraft-Standorte möchte die Marktgemeinde die Weichen in ihrem Sinne stellen können. Die Kommune wird Konzentrationsflächen ausweisen. Bild: Götz

Die Turbulenzen in der Windenergie möchte die Marktgemeinde unbeschadet überstehen. Wernberg-Köblitz will eine klare Konzeption, wo sich künftig Windräder drehen können und stellte dafür die planerischen Weichen.

Wernberg-Köblitz. (cv) Bürgermeister Georg Butz blendete im Marktrat kurz zurück: Um Windkraft zu ermöglichen, wurde die Herausnahme geeigneter Flächen aus der Schutzzone des Naturparks Oberpfälzer Wald beantragt. In Flächen, wo dieses Ausschlusskriterium aufgehoben wurde, ist dann auch geplant worden. Schwerpunkte in der Marktgemeinde sind die Bereiche Deindorf/Wittschau und Feistelberg. In beiden Bereichen gibt es Ambitionen von Betreibern. Aktuell stehen zwei von Voltgrün initiierte Windanlagentürme bei Deindorf rechts und links von Autobahn/B 14. Ein weiteres Windrad hätte die Bögl-Wiesner GmbH vorgesehen, doch die Unterlagen wurden zu spät eingereicht und kollidierten mit dem Stichtag für die neue gesetzliche 10-H-Abstandsregelung zur Wohnbebauung.

Für Konzentrationsflächen

10-H, das bedeutet das Windräder das zehnfache ihrer Höhe von der nächsten Bebauung entfernt stehen müssen. Das würde bedeuten, dass nahezu kein Windrad mehr gebaut werden könnte. Den Kommunen bleibt es jedoch unbenommen, die Abstandsflächen zu unterschreiten, wenn sie die Standorte in einem Bebauungs- und Flächennutzungplanverfahren mit entsprechender Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung regeln. Der Marktrat hatte sich bereits in nichtöffentlicher Sitzung für einen Teilflächennutzungsplan entschieden, in der Konzentrationsflächen für Windenergie dargestellt sind. Der Vorteil: Mit dieser Festlegung hat der Markt einen Fuß in der Tür, und kann bestimmen, wo er auf dem Gemeindegebiet Windkraft zulassen würde und wo nicht.

Falls er das Verfahren nicht anstreben würde, könnte das negative Auswirkungen haben: Sollte die beklagte 10-H-Regelung fallen und die Abstände wieder niedriger werden, wären Investoren in der Standortwahl Tür und Tor geöffnet, dort zu bauen, wo die emissionsschutzrechtlichen Vorgaben erfüllt sind. Und das ohne Einflussmöglichkeit der Kommune.

In der letzten Marktratssitzung galt es nun, den entsprechenden Aufstellungsbeschluss zu fassen. In der Folge wird eine Potenzialflächenanalyse über das gesamte Gemeindegebiet erstellt, erläuterte Verwaltungsleiter Stefan Falter. Liegt diese Analyse vor, können die Flächen benannt werden, wo Windkraft möglich ist. Zu diesen Bereichen kann der Marktrat dann weitere Vorgaben machen: Sie kann die Abstände zur Wohnbebauung oder Mindestgrößen der Windkraft-Areals festlegen. Die Kommune kann also noch nach ihren Wünschen "filtern". Das, was dann für Windkraft übrig bleibt, wird als Konzentrationsflächenzonen in den Flächennutzungplanentwurf übernommen. Im Verfahren werden dann Öffentlichkeit und Behörden beteiligt. Der Marktrat "kann durchaus sagen, dass ein Areal für die Naherholung vorgesehen ist", wo Windräder stören würden, nannte Bürgermeister Butz ein Beispiel. Das werden entschieden, wenn der Entwurf vorliege. Das soll bis Herbst dieses Jahres der Fall sein.

Planer beauftragt

Die Verwaltung hat bereits im Vorfeld mit Landratsamt und Gemeindetag über die Möglichkeit einer Konzentrationsflächenplanung für Windenergieanlagen gesprochen, so Stefan Falter. "Beide Stellen bejahen diese Planungsmöglichkeit". Der Marktrat beschloss das Flächennutzungsplanänderungsverfahren zu starten. Landschaftsarchitekt Gottfried Blank aus Pfreimd übernimmt die Ausführung für 15 860 Euro zuzüglich vier Prozent Nebenkosten und Mehrwertsteuer. Dieser Preis beinhaltet Planzeichnung, Standorteignungskonzept, Umweltbericht und eine spezielle artenschutzechtliche Prüfung.
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