Das Mittelding
Schnellschach

Sowohl Hobby- wie Vereinsspieler spielen Schach nach den gleichen Regeln, nämlich nach denen des Weltschachverbandes Fide. Turnierspieler müssen dabei noch besondere Vorschriften beachten, wobei zwischen Turnier-, Schnellschach- und Blitzpartien unterschieden wird. Turnier- und Blitzpartien haben schon eine sehr lange Tradition. Ernsthafte Turnierpartien werden bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts gespielt. An Bedenkzeit stehen jeder Partei in der Regel für 40 Züge zwei Stunden zur Verfügung. Gemessen wird die Bedenkzeit mit einer Schachuhr, die erstmals 1883 beim Meisterturnier zu London eingesetzt wurde.

Nach Einführung der Schachuhr wurden Blitzschachturniere immer beliebter. Bei einer Blitzpartie stehen jedem Spieler für die ganze Partie in der Regel nur fünf Minuten Bedenkzeit zur Verfügung. Dass bei dieser kurzen Bedenkzeit die Rechentiefe gegenüber einer normalen Turnierpartie erheblich abnimmt, ist verständlich. Anders sieht es beim Schnellschach aus. Hierunter fallen Partien mit mehr als 10 und weniger als 60 Minuten Bedenkzeit pro Partie und Spieler, ein Zeitrahmen, der noch gut durchdachte Partien zulässt.

Obwohl schon seit den 1980er Jahren Schnellschach gespielt wird, ist der Weltschachverband erst in jüngster Zeit auf den Schnellschachzug aufgesprungen. Schnellschach-Weltmeisterschaften veranstaltet er erst seit 2012, wobei die erst WM der Russe Sergej Karjakin gewann.

Die nachfolgende Partie entnehmen wir dem heute vorgestellten Buch. Sie wurde 1967 beim Interzonenturner in Sousse/Tunesien gespielt, einem Turnier, das Bobby Fischer, nach der 10. Runde klar in Führung liegend, wegen Streitigkeiten mit den Organisatoren abbrach.

Weiß: Robert (Bobby) Fischer

Schwarz:Lhamsuren Mjagmasuren

1.e4 e6 2.d3 d5 3.Sd2 Sf6 4.g3 c5 5.Lg2 Sc6 6.Sgf3 Le7 7.0-0 0-0 8.e5 Sd7 9.Te1 b5 10.Sf1 b4 11.h4 a5 12.Lf4 a4 13.a3 bxa3 14.bxa3 Sa5 15.Se3 La6 16.Lh3 d4 17.Sf1 Sb6 18.Sg5 Sd5 19.Ld2 Lxg5 20.Lxg5 Dd7 21.Dh5 Tfc8 22.Sd2 Sc3 23.Lf6 De8 24.Se4 g6 25.Dg5 Sxe4 26.Txe4 c4 27.h5 cxd3 28.Th4 Ta7 29.Lg2 dxc2 30.Dh6 Df8 31.Dxh7+ 1-0

Tagesnotizen: Die Partie zu Taktikaufgabe Nr. 100a wurde 2010 in Odessa beim Ko.-Schnellschach-Weltcup zwischen zwei Super-Großmeistern, dem Russen Sergej Karjakin und dem Letten Alexei Schirow, gespielt. Das Markenzeichen der beiden Kontrahenten: Sowohl Karjakin, noch immer jüngster Großmeister aller Zeiten, als auch Schirow sind ausgezeichnete Kombinationsspieler.

Weiß hatte eine Figur und zwei Bauern geopfert und dafür seine Türme auf der h-Linie verdoppelt. Allerdings sieht er sich einer Fesselungsdrohung (Td2) konfrontiert. Doch Weiß am Zug hat alles im Griff und entscheidet die Partie für sich. Wie ist er dabei vorgegangen?

Mit der Jubiläumsaufgabe Nr. 100b lassen wir den großen deutschen Problemkomponisten Dr. Wilhelm Maßmann mit einer Dreizüger-Miniatur zu Wort kommen. Bei nur sieben Steinen müsste es doch ein Leichtes sein, den am Brettrand eingeschlossenen schwarzen König matt zusetzen. Mit welchem Manöver wird Weiß dem schwarzen König die Felder a1 und a2 streitig machen?

Lösungen: Die Taktikaufgabe Nr. 99a (Kortschnoi-Seirawan, W: Kg1, Tc7, Lc5, Sg5, Bb2, c4, e2, f2, g3, h3 [10], S: Ke8, Th8, Lf8, Sa2, Se7, Bc6, g6, h6 [8]) entnehmen wir einer Partie, die der zweifache Vize-WM Viktor Kortschnoi gegen Yasser Seirawan, vierfacher USA-Meister und U-20-Weltmeister 1979, beim USA-Open 1983 gespielt hat. Wenngleich das Kräfteverhältnis der beiden Seiten materiell ausgeglichen ist, steht Schwarz im Hinblick auf seine zur Passivität abgestempelten Figuren mit dem Rücken zur Wand.

Mit seinem letzten Zug 0...h6 beabsichtigte Schwarz, das Feld h7 für den Turm zu räumen. Er meinte, damit die Drohung1.Se6 nebst 2.Sxf8 und 3.Txe7 abwehren zu können. Doch Schwarz ist bereits verloren. Mit1.Se6! stellt Weiß die eben erwähnte Drohung auf. Nun nutzt Schwarz der Deckungszug 1...Th7 nichts, da er nach 2.Tc8+! (Weiß nutzt die Fesselung des Springers e7) 2...Kf7 3.Lxe7! dennoch eine Figur verliert. 3...Kxe7 würde nach 4.Tc7+ den Turm h7 kosten.

Diesmal nur eine "petite combinaison" Viktors des Schrecklichen, der damit seinen ehemaligen WM-Sekundanten Yasser Seirawan in die Schranken verwies.

Mit den Vierzüger in Aufgabe Nr. 99b (Felber, W: Kg7, Tg1, Sd5, Bc6, e3, f5, h2 [7], Schwarz: Ke8, Ta8, Bc7, d6, f7 [5]) legte uns der Straubinger Gymnasiallehrer einen Zwilling zur Begutachtung vor, der sich scheinbar leicht lösen lässt.

Wer in der Dia-Stellung a der Meinung war, dass sich die Aufgabe nach 1.Kf6?, was 2.Tg8# droht, nach 1...Kf8 2.Se7 beliebig 3.Tg8# schon in drei Zügen lösen lässt, lag falsch. Er hatte nicht bedacht, dass sich der schwarze König durch 1...0-0-0! aus der Gefahrenzone rochiert. Die Rochade ist im Schachproblem immer dann erlaubt, wenn nicht nachzuweisen ist, dass Turm oder König schon einmal gezogen haben müssen. Diesen Nachweis kann Schwarz nicht führen, da er zuletzt 0...d6 gezogen haben konnte.

Weiß hat also die lange Rochade in seine Überlegungen einzubeziehen. So verhindert er zunächst mit 1.Tb1! die Rochade. Da Weiß auf 1...0-0-0? mit 2.Se7# sofort matt setzt, bleiben Schwarz nur zwei Antworten:

a) 1...Tc8 2.Tb4 beliebig 3.Th4 beliebig 4.Th8# oder

b) 1...Kd8 2.Kxf7 Kc8 3.Ke8nebst 4.Se7# bzw. 2...Ta8 3.Tg4 (oder Th4) 3...beliebig 4.Tg8# (Th8#).

In der Zwillingsaufgabe b ist der weiße Turm nach Feld g3 gestellt. Auch hier hat Weiß die lange Rochade zu beachten. (1.Th3? 0-0-0!). Deshalb1.Sf6+!Ke7 (1...Kd8? 2.Kxf7 beliebig 3.Tg8#)2.Sd5+ Ke8 3.Th3, und nachdem Schwarz nun nicht mehr rochieren darf,4.Th8#.

Eine interessante Zwillingsaufgabe und nicht schwer zu lösen für denjenigen, der das schwarze Rochaderecht in seine Überlegungen einbezieht.
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