Das Rätsel von Malsbach

Heimatpfleger Josef Schmaußer hat sich schon detailliert mit dem Steinmal von Malsbach befasst - lösen konnte er das Geheimnis um die seltsame Grotte aber nicht. Bilder: bö

Das Steinmal in Malsbach ist ein Kuriosum, das vielen, die hier vorbeikommen, Rätsel aufgibt. Glücklicherweise gibt es noch Menschen, die über dieses seltsame "Kunstwerk" etwas erzählen können. Auch wenn sein Schöpfer Michael Ämilion Rieger die wahren Beweggründe seines Schaffens mit in die Ewigkeit genommen hat.

Es sieht so ganz anders aus als die üblichen Flurdenkmale: An der alten Straße von Amberg nach Hohenburg, heute etwas abseits der Kreisstraße AS 4, beim Gasthaus Zum Nicklwirt von Anton Lautenschlager in Malsbach, unterhalb des Mühlberges, stößt der Heimatfreund auf ein Kuriosum. Die Einheimischen sprechen von einer Grotte: Diese Form scheint der Erbauer mit einer großen Steinplatte und primitiven Mitteln als Seitenteile nachgeahmt zu haben.

Zur Entstehung gibt es keinerlei Schriftstücke. Aber der Senior der Waffenmühle, der heute 86-jährige Michael König, und der 83-jährige Georg Lautenschlager aus Ödallertshof, können noch viel zu diesem skurrilen Steinmal erzählen - ihr Wissen stammt aus mündlichen Überlieferungen ihrer Eltern und Großeltern. König weiß, dass dieses merkwürdige Denkmal 1906 vom ehemaligen Besitzer der Waffenmühle, Michael Ämilion Rieger, errichtet worden ist. Der Waffenmühlner, wie ihn die Allersburger nannten, sei ein intelligenter, aber eigenbrötlerischer und scheuer Mann gewesen. 1890 hatte er, aus Gebenbach oder Hahnbach kommend, das Anwesen erworben. Am 15. September 1904 hat er die Waffenmühle an Anna Maria und Michael König, die Großeltern von Michael König, verkauft. Rieger ist dann nach Berghausen gezogen und hat 1906 mit dem Bau der Grotte in Malsbach begonnen. Was ihn dazu veranlasste, lässt sich heute nicht mehr ergründen.

Köpfe selbst behauen

Ortsheimatpfleger Josef Schmaußer aus dem benachbarten Hohenkemnath erzählt, dass er schon einmal versucht hat, dieses Geheimnis zu lüften. "Der Vater meines damaligen Gewährsmannes, er hieß Leonhard Hummel, hat als 19-jähriger Bursche, wie viele andere junge Männer aus der Gegend, bei der Errichtung des Steinmals geholfen." Passende Brocken ließ der Erbauer mit Ochsenfuhrwerken und Steinschleifen aus der Umgebung herankarren. Die Köpfe hat er selbst gebastelt und behauen. Ob er sich selbst an der Ostseite mit einer Figur dargestellt hat, oder der markante Steinkopf im Innern des Flurmals seine Züge trägt, hat Schmaußer bisher nicht in Erfahrung bringen können.

Karl Winkler hat in seinem oberpfälzischen Heimatbuch seine gefühlvollen Eindrücke während eines heißen Juli-Tages bei einer Wanderung in den 20er Jahren von Ursensollen nach Allersburg beschrieben. "Mancher ist schon an dem Weg am Fuße des Hangs gesessen, um die unbeholfen wirkenden Buchstaben zu Worten zusammenzufügen und hat an den plumpen Steinfiguren und ihrer Bedeutung herumgerätselt, die dem wunderlichen Denkmal mystische Lebenszüge verleihen", weiß Josef Schmaußer aus seinen Nachforschungen.

Seltsame Mischung

Hat hier einer der Dorfhüter in Malsbach immer ein wenig weitergebaut? "Man kann es nicht belegen, aber nach den Erzählungen lässt sich dies vermuten", meint Schmaußer. "An Erzählungen ist meist auch ein Stückchen Wahrzeit mit dran." Das aus Kalksteinen geformte Gebilde wimmelt nur so von Köpfen, Tieren, Symbolen und Sprüchen. Es ist wohl der Ausbruch einer seltsamen Mischung aus religiöser Überzeugung, Eigenwilligkeit, künstlerischem Gestaltungswillen und naiver Bildhauerei, glaubt der Heimatpfleger.

Mit etwas Fantasie lassen sich auch die Worte auf dem rechten Seitenstein entziffern: "Eile mit Weile, kommst schon noch ins Grab, drum halt ein wenig Rast. Leg ab deine Last". Nach Erzählungen von Michael König und Georg Lautenschlager wollte Michael Ämilion Rieger ursprünglich in den Allersburger Fluren am Hausner Bach das Steinmal errichten. Aber einige Burschen aus dem Kirchdorf, die die beiden noch namentlich kennen, störten sich daran und brachten das halbfertige Bauwerk zum Einsturz.

Die damalige dörfliche Obrigkeit soll mit angeschoben haben, dass das Flurmal wieder verschwindet. So wagte Rieger in Malsbach, außerhalb der Allersburger Flur, einen zweiten Versuch. Sein Steindenkmal ist in drei Ebenen fast pyramidenartig aufgebaut. Die Spitze des etwa 2,50 Meter hohen Gebildes krönt ein gusseisernes Kreuz. Die Inschrift ist schon arg verwittert. Nur mit viel Fantasie kann man schemenhaft den einstmals in Goldbuchstaben gestalteten Schriftzug als "Gelobt sei Jesus Christus" erkennen. Oben rechts ist wohl der heilige Nikolaus dargestellt. Eine liegende Kuh kann man am Fuße des Kreuzes erkennen. Wie die beiden Alteingesessenen erzählen, soll früher noch ein Kreis mit den zwölf Aposteln und der Mutter Gottes rund um das Kreuz zu sehen gewesen sein. König und Lautenschlager berichten, dass sich Passanten oft einen Spaß daraus machten, Teile der Figuren abzuschlagen und mitzunehmen.

Fast immer barfuß

Anscheinend war die Grotte nicht nur zur Entstehungszeit als Werk eines Verrückten oder eines Wirrkopfes angesehen worden: Wie die beiden noch wissen, ging Rieger fast das ganze Jahr über barfuß und trug in der Sommerzeit Schlangen und Ottern in seiner Manteltasche bei sich: "Kinder und Frauen sind ihm immer aus dem Weg gegangen, weil sie Angst vor ihm hatten." Welche Motive ihn wohl zu seinem Werk angeregt haben? Die Überlieferung sagt, das gesundheitliche Schicksal seiner Tochter habe den Waffenmühlner zerbrochen. Michael Ämilion Rieger soll nach seinem Verkauf über Berghausen nach Hohenburg und dann nach Kastl gezogen sein. Dort haben sich dann seine Spuren verloren.
Weitere Beiträge zu den Themen: Malsbach (2)November 2014 (8193)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.