Das Schwalberl fliegt fort

Kurt Rodehau (links), der Vizepräsident des Bayerischen Amateurtheaterverbandes, ehrte Erwin Altmann (rechts) zu seinem 25-jährigen Bühnenjubiläum. Bild: Koch

Nun wird es wieder ruhig in Wutschdorf unten am Bach. Das "Schwalberl" ist ausgeflogen, hat aber bei allen Beteiligten und bei den insgesamt etwa 2000 Besuchern einen starken Eindruck hinterlassen.

Mit dem Volksstück "'s Schwalberl" setzte die Freudenberger Bauernbühne eine neue Bestmarke. Das von Hans Neuert 1893 geschriebene Stück wurde von Anton Maly kräftig überarbeitet und kommt als unbeschwertes, teils aber auch recht dramatisches, Volksstück daher. Die musikalische Untermalung mit wunderschönen Gesangstücken, von Zithermusik begleitet, wertete das Stück nochmals kräftig auf.

Spielleiter Benno Schißlbauer hat damit an dem neuen Spielort genau das Richtige gefunden, um hier im alten "Stechweber-Anwesen" Freudenberger Theatergeschichte zu schreiben. Es begann schon beim Einlass: Alte Heumandeln begrüßten die Zuschauer, bevor sie sich auf der festlich hergerichteten Wiese neben dem Spielgeschehen bei Brotzeit und Getränken stärken konnten. Martin Bodensteiner mit seinem Bewirtungsteam und Helga Vogt mit ihrer Theaterküche sorgten sich bestens um die Gäste. Dann gab es noch musikalische Untermalung durch Gerhard (Bifi) Köbler und Josef Zweck, die auch im Spiel als Musikant und Tontechniker mitwirkten.

Bühnenbild ein Gedicht

Kurz vor 20.30 Uhr rief der Gong die Menge auf die Tribüne, die vom Team um Erwin Altmann errichtet worden war. Das Bühnenbild selbst, bei dem auch Bühnenmalerin Lotte Bösl mitgewirkt hat, ist ein Gedicht. Der ohnehin schon anheimelnde Innenhof des Anwesens wurde geschickt ins Jahr 1893 zurückversetzt. Kaum hatte das Abendläuten vom nahen Kirchturm zur Besinnung gemahnt, saß das Schwalberl schon da und sang. Ramona Altmann konnte das Publikum bereits in der ersten Szene abholen.

Mit lautem "Goaßlschnalzen" kündigte sich dann der Hias an. Ein einfältiger, aber sehr liebenswerter Charakter, der von Michael Vogt glaubwürdig und lebendig gespielt wurde - für den noch eher jungen Spieler sicher ein gelungenes Gesellenstück. Barbara Söllner konnte in ihrer Rolle als Burgl, die gute Seele am Hof, ihre ganze Routine ausspielen. Zu Publikumslieblingen wurden Erwin Altmann und Petra Gietl - durch ihr liebenswert drolliges Zusammenspiel und zwei wunderbare Gesangseinlagen. Die Bösewichte waren Bernhard Bamler als durchtriebener Viehhändler Scheibenhart mit seinem Sohn Martl, höchst überzeugend gespielt von Matthias Tafelmeier, der neben Vogt auch noch zu den Nachwuchskräften bei der Bauernbühne gehört. Die handgreiflichen Szenen mit ihm, Michael Vogt und Ramona Altmann konnten echter nicht wirken.

Erstklassige Besetzung

Zwei alte Hasen der Bühne, Klaus Dotzler und Reinhold Escherl, stellten als Bergwirt und als alter Moosbrunner ihr Können unter Beweis. Auch das ist ein Qualitätsmerkmal der Bauernbühne, dass selbst Nebenrollen erstklassig besetzt sind. Das gilt etwa für Armin Scharnagel, der als Jäger einige lustige Akzente zu setzen wusste.

Andreas Schönberger als Leonhard, der vermeintliche Hoferbe, betrat mit seiner Braut Kunigunde, gespielt von Monika Altmann, die Bühne. Schönberger meisterte diese große und tragende Rolle bravourös. Monika Altmann, die an seiner Seite die "hofartige Komödiantin" Kunigunde mimte, war in ihrem starken Ausdruck und auch gesanglich mehr als überzeugend.

Noch mehr im Freien

Weinen und Lachen waren nah beieinander in diesem Volksstück, das nicht zuletzt durch die hervorragende technische Begleitung durch Dieter Simbek stets reibungslos über die Bühne ging. Nach dem großen Erfolg und dem allgemeinen Ruf nach mehr ist anzunehmen, dass künftig noch mehr Freilichttheater in Wutschdorf zu sehen sein wird.
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