Davidsturm-Museum verbindet antike Steine und "Augmented Reality"
I-Pad-Reise durch Jerusalem

Ein Besucher des Davidsturm-Museums in Jerusalem hält ein I-Pad vor zwei Türme der Davidszitadelle. Das I-Pad liefert in verschiedenen Sprachen Audio- und Textinformationen über die umliegenden historischen Gebäude. Bild: Nir Miretzky/Tower of David Museum/dpa

Ein Museum am Eingang zu Jerusalems Altstadt zeichnet mehr als 3000 Jahre wechselvoller Geschichte der "Goldenen Stadt" nach. Neue interaktive Programme für Smartphones und Tablets sollen nun auch jüngere Besucher für die historische Ausstellung begeistern.

Vom Aussichtsturm der Davidszitadelle bietet sich ein atemberaubender Panoramablick auf Jerusalem und das Umland. In der Ferne glänzen die goldene Kuppel des muslimischen Felsendoms auf dem Tempelberg und die goldenen Zwiebeltürme der russischen Maria-Magdalena-Kirche um die Wette. Ein brandneues Programm - der sogenannte AugmentiGuide - erlaubt es Besuchern des Davidsturm-Museums, per Tablet-Computer eine Fülle von Informationen über die vielen historischen Gebäude in Jerusalem abzurufen.

"Man schaut durch das Tablet auf die Aussicht und drückt auf den Fotografier-Knopf", erklärt Nir Solomon von der Startup-Firma enviewz. Das auf der Basis israelischer Militärtechnologie entwickelte Programm hat rund 100 Gebäude erfasst, neben denen dann Pins auftauchen. Audio- und Textinformationen lassen sich so in verschiedenen Sprachen abrufen. Um auch für eine neue Generation von Besuchern relevant zu bleiben, hat das Museum in der Davidszitadelle am Jaffa-Tor seine Ausstellung komplett digital aufgewertet. Das Museum im antiken Herodes-Palast setzt dabei auf verschiedene Apps, die eine Augmented Reality (erweiterte Realität) abbilden.

"Familien mit Kindern bekommen am Eingang ein Tablet mit einem speziellen Programm in die Hand", erklärt Mitarbeiterin Caroline Shapiro. Ein interaktives Spiel, das einer Schatzsuche ähnelt, führt mit historischen und archäologischen Hinweisen durch die Ausstellung. Man muss dabei einem Archäologen helfen, sein in der Zitadelle verloren gegangenes Kind zu finden. "Dabei lernen sie die ganze Geschichte spielerisch, fast wie nebenbei." Eine Generation von Kindern und Jugendlichen, die mit Smartphones und Tablets aufwachse, bekomme so einen ganz anderen Zugang zum Museum.

Das Museum befindet sich in einer mittelalterlichen Festung und zeichnet mehr als 3000 Jahre der Geschichte Jerusalems bis zum heutigen Tag nach. Schicht um Schicht haben Archäologen hier die Stadtgeschichte freigelegt - Hasmonäer, Römer, Türken und noch viele andere haben sich mit ihren Bauten in der Stadt verewigt, die den drei Weltreligionen heilig ist. Wer im Museum mit seinem eigenen Smartphone oder Tablet unterwegs ist, kann auch Apps selbst herunterladen. Etwa das Spiel "Wessen Turm ist es?" - Familien mit Kindern im Alter von vier bis zehn Jahren werden zu Detektiven, die herausfinden müssen, wer den Davidsturm gebaut hat.

Der Name Davidsturm - nach dem biblischen jüdischen König - wurde dem Gebäude nämlich irrtümlich zu Zeiten der Kreuzfahrer verliehen. Erst Jahrhunderte später wurde klar, dass der Turm gar nicht zu Ehren Davids, sondern vom jüdischen König Herodes zur Bewachung seines Palastes gebaut wurde. Wegen seiner Kollaboration mit den römischen Besatzern ist Herodes als negative Figur in die jüdische Geschichte eingegangen.

Herodes' vor 2000 Jahren gebautes riesiges Schwimmbad ist eine weitere Attraktion, die Besuchern erst kürzlich zugänglich gemacht wurde. Bei Ausgrabungen am Fuße der Zitadelle wurde ein Teil der Anlage freigelegt, die für damalige Verhältnisse unglaublich luxuriös war. Ein Bildschirm an der Steinwand über dem Schwimmbad empfindet den damaligen Prunk in 3D-Bildern nach.

Bunte Codes

Eine zusätzliche Möglichkeit für Besucher, mehr Informationen über die historische Ausstellung zu bekommen, sind QR-Codes - bunte für Kinder und schwarz-weiße für Erwachsene. Wenn man einen solchen Code am Haupteingang aufruft, kann man etwa einen historischen Film mit Aufnahmen des britischen Feldmarschalls Edmund Allenby sehen, der Jerusalem vor fast hundert Jahren erobert hatte. "Plötzlich begreift man, dass man an derselben Stelle steht wie damals General Allenby", sagt Museumsmitarbeiterin Rose Ginosar. "Die Geschichte wird lebendig und das ist wirklich aufregend."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.tod.org.il/en/
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