Dem Land etwas zurückgeben

So sieht in der Dominikanischen Republik eine Weihnachtskrippe aus. Berührt hat Maria Ostler-Scharl auch ein Satz in großen Buchstaben auf eine der ärmlichen Häuserwände gekritzelt: Jesus te amo - Jesus liebt dich. Inmitten von Armut und Wellblechhütten die Botschaft der Liebe Jesu.

"Bist du groß geworden" - staunt Maria Ostler-Scharl. Aus dem kleinen zweijährigen Mädchen ist eine Zwölfjährige geworden, die mit strahlenden braunen Augen vor der Pfreimderin steht. Seit zehn Jahren ist sie Plan-Patin von Bethel in der Dominikanischen Republik. Nun sieht sie Bethel zum ersten Mal.

Pfreimd. Seit zehn Jahren schickt Maria Ostler-Scharl, Vorsitzende der "Frauen aktiv und sozial" zum Geburtstag und an Weihnachten kleine Geschenke und Briefe, zahlt monatlich den Patenbeitrag. Es ist ein besonderer Moment, Bethel nun gegenüber zu stehen. Das Mädchen und ihre Eltern strahlen übers ganze Gesicht. Maria Ostler-Scharl schluckt: "Ich kenne Armut von den Hilfstransporten nach Tschernobyl, aber das hier steigerte meinen persönlichen Begriff von Armut".

Gast in der Wellblechhütte

Eine grüne Wellblechhütte, vier billige Plastikstühle, ein Tisch, ein Kühlschrank, Poster an der Wand. Im nackten Betonboden gibt es Risse und Löcher, aber alles ist sauber und aufgeräumt. Die Hütte besteht aus einem Zimmer mit Kühlschrank und winzigem Fernseher, einem Schlafraum, in dem zwei Betten stehen. Man kann in ein weiteres Mini-Zimmer mit Kochstelle und zwei Töpfen schauen, "die bei uns niemand mehr benutzen möchte", erzählt Maria Ostler-Scharl.

Bethels Mutter Loida (Maria) begrüßt die Patin aus Deutschland, ihren Mann Bernhard und die beiden Plan-Mitarbeiterinnen freundlich. Sie fragt, ob die Gäste Kaffee möchten. Als sie bejahen, muss sie erst in der gegenüberliegenden kleinen Bar Kaffee-Bohnen kaufen. Auch Bethels Vater Jose ist heute wegen dem Besuchs aus Deutschland nicht arbeiten gegangen. Er verkauft, wie einer der vielen Männer auf der Straße, Gemüse. Manchmal verdient man ein bisschen etwas, manchmal nicht.

Da sich Bernhard Ostler auf Spanisch ganz gut verständigen kann, ist er auch in der Lage, mit Vater Jose und Bethel zu plaudern. Die Kleine will Ärztin werden. Natürlich hat der Besuch aus Deutschland Geschenke mitgebracht: T-Shirts, eine Jeans und eine pinkfarbene Uhr für Bethel, ein T-Shirt für ihren sechsjährigen Bruder Cerca und vor Ort eingekaufte Lebensmittel, die gut zwei Wochen für die Familie reichen.

Brennende Frage an die Ostlers: "Gibt es in Deutschland Schnee? "Wir hatten einen Deutschlandkalender mit Landschaften im Schnee, Stifte und Bilder aus Pfreimd und Umgebung, zum Beispiel von der weihnachtlichen Pfreimder Stadtpfarrkirche, mitgebracht", erzählt Maria Ostler-Scharl. Am meisten bestaunt werden aber die Bilder von Bethel, ihrer Mama und ihrem Papa selbst aus den letzten zehn Jahren, welche die Pfreimder Patin in einem kleinen Album verewigt und mitgebracht hat. Bethel als Zweijährige, als Sechsjährige - da gibt es Bilder aus dem eigenen Leben und die Leute aus Deutschland haben sie aufgehoben und mitgebracht.

Natürlich werden auch die Nachbarn aufmerksam und ein kleines Mädchen kommt angelaufen. Maria Ostler-Scharl schenkt der Kleinen eine Tüte Gummibärchen. In einer Umgebung, wo es einfach nur das Nötigste zum Leben gibt, da wird der ganze Tüteninhalt wie selbstverständlich verteilt.

Eine gute Entscheidung

Eine Geste, die berührt. Nach zwei Stunden verabschiedet sich das Paar von der Familie in den Slums von Azua. "Ich habe das sichere Gefühl, dass meine Patenschaft eine gute Entscheidung war", so Maria Ostler-Scharl. "Das Land ist ein Paradies. Für uns ein Urlaubsparadies, für viele Menschen dort ein Leben in Armut". Die Plan-Patenschaft ist für sie eine Möglichkeit "dem Land etwas von dem Guten zurückzugeben, das es mir mit wunderschönen Urlauben gegeben hat."
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