Den Geist der Zeit atmen

Seit 2002 leitet Matthias Beckert den Chor Cantabile Regensburg. Bild: hl

Der renommierte Chor Cantabile Regensburg mit seinem Dirigenten Prof. Matthias Beckert präsentiert am Sonntag, 7. Juni, in der Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk Werke vom Waldecker Komponisten Hans von Koessler. Zahlreiche CD-Einspielungen dokumentieren das hohe musikalische Niveau.

Der gemischte Chor steht seit 2002 unter der Leitung von Matthias Beckert, der als Professor für Dirigieren an der Musikhochschule Würzburg lehrt.

Beckert erzählt, was ihn an der Musik, den Kompositionen, der Zusammenarbeit mit den Ensembles und seiner Arbeit als Dirigent besonders bewegt.

Herr Prof. Beckert was reizt Sie, in Waldeck, dem Geburtsort von Hans von Koessler, mit Cantabile Regensburg dessen Werke vorzutragen?

Hans von Koesslers tief empfundene spät romantische Musik hat mich und meinen Chor sehr berührt. Die Vorstellung, dass der Komponist in Waldeck den Sonntagsgottesdienst besuchte, den Orgelklängen und den Chorgesängen gelauscht und in der Kirche selbst gesungen hat, ist faszinierend und zugleich berührend.

Für alle Musiker ist es eine Ehre, an den Geburtsorten und Wirkungsstätten berühmter Komponisten zu musizieren: Johann Sebastian Bachs Taufkirche in Eisenach, Anton Bruckners Stephansdom in Wien, und folglich auch Hans von Koesslers Heimatkirche in Waldeck in der Oberpfalz. Obwohl seit dieser Zeit viele Jahrzehnte vergangen sind, atmet man im Umfeld noch den Geist der Zeit. Auf diese Eindrücke freue ich mich sehr.

Wo oder wie ordnen Sie die Koessler-Chormusik zwischen Max Reger und Johannes Brahms ein?

Koesslers beeindruckendes Glaubensbekenntnis - der 46. Psalm "Gott ist uns're Zuversicht und Stärke" für 16-stimmigen Chor a cappella, der auch im Konzert in Waldeck erklingt, wurde seinerzeit bei einem Komponistenwettbewerb mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Den Jury-Vorsitz führte kein geringerer als Johannes Brahms, den Koessler zeitlebens verehrte.

Beide verband später eine Freundschaft und auch musikalisch schätzten sie einander. Koesslers Klangsprache vereint harmonische Farbigkeit und musikalischen Einfaltsreichtum mit einer perfekten Architektur. Obwohl seine Musik in der Spätromantik verwurzelt viele chromatische Elemente enthält, geht seine Klangsprache nicht bis ins Extreme, wie die seines Cousins Max Reger.

Sein entscheidendes Verdienst ist, dass er weltberühmte Komponisten wie Béla Bartók , Zoltan Kodály sowie Ernst von Dohnányi mit seinen pädagogischen Fähigkeiten zur Tonsprache des 20. Jahrhunderts geführt hat, obwohl er selbst Zeit seines Lebens dem romantischen Klangideal nacheiferte. Er schrieb Musik, die sich dem Hörer sofort erschließt und das Herz unmittelbar berührt.
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