"Den Rubikon überschritten"

Die Anwohner sind verbittert, die Markträte verärgert über das, was sie verhindern wollten: die Abholzung eines großen Teils des Waldes zwischen der Feistelholzsiedlung und der Firma Schlögl.

Wernberg-Köblitz. (cv) Ein Blick zurück: Von SPD-Seite hatte sich Marianne Schieder für einen Marktratsbeschluss gegen eine Bebauungplanänderung stark gemacht. Damit signalisierte das Gremium, dass es einer etwaig geplanten Betriebserweiterung auf Kosten des Waldes nicht zustimmen werde. Allerdings kündigte der Firmeninhaber dann an, dass er den Wald als Eigentümer wirtschaftlich nutzen werde. An einem Freitagnachmittag rückten die Harvester an. Anlieger riefen die Polizei. Die hielt Rücksprache mit dem einzig erreichbaren Forstvertreter. Resultat: eine Waldnutzung ist legitim. Etwa 30 Prozent der Bäume waren gefällt, als gegen Abend der Leiter der Behörde erreicht wurde. Daraufhin wurden die Arbeiten gestoppt. Das Vorhaben des Forstamtes, die Bäume zu sichten und zu kennzeichnen, was weg kann und was erhalten bleiben soll, konnte nur noch im restlichen, noch nicht eingeschlagenen Bestand umgesetzt werden.

"Haben keinen Einfluss"

Zweiter Bürgermeister Alexander Werner - Marianne Schieder war in der Sitzung entschuldigt - bat den Bürgermeister um einen Sachstandsbericht. Georg Butz rekapitulierte den Ablauf der Fällaktion und stellte klar: "Wir als Kommune haben keinen Einfluss darauf. Das ist eine Angelegenheit zwischen Eigentümer und Forstamt." In den Augen von Vitus Bauer war die Aktion "keine forstwirtschaftliche Maßnahme" und "ein Kahlschlag wäre zu genehmigen". Bürgermeister Butz erinnerte an die unterschiedlichen Ansichten des Forstamtes und der Unteren Naturschutzbehörde, die sich dem Markt bei der Rodung für das Industriegebiet gezeigt hätten: Die Forstbehörde sei von zwei Hektar Kahlhieb pro Jahr ausgegangen, die Untere Naturschutzbehörde von einem Hektar. "Doch die Festlegung ist nicht unsere Aufgabe".

Die moralische Entrüstung quer durch die Parteien blieb: Für Konrad Kiener hat der Eigentümer mit der Aktion an einem Freitagnachmittag, an dem keine Behörde erreichbar sei, "den Rubikon überschritten. Für die Anlieger ist das alles andere als schön." Christa Mösbauer ärgerte es "maßlos, dass wir das nicht verhindern konnten". Erst heiße es, dass nicht so einfach abgeholzt werden könne, bezog sich Christian Liebl auf einen Schriftwechsel mit den Behörden, "dann stehen drei Wochen später nur ein paar Stirl".

Bürgermeister Butz unterstrich erneut: "Wir sind nicht eingebunden. Wir haben kein Vollzugsrecht." Alexander Werner wollte wissen, ob der gezogene Zaun auf Dauer bleiben dürfe. Der Bürgermeister hatte die Info, dass der Zaun während der Holzarbeiten dem Vernehmen nach als Unfallschutz dienen sollte. Dritter Bürgermeister Georg Schlögl führte das Waldbetretungsrecht für jedermann an, mutmaßte aber, dass versucht werden könnte, die Anlage als Wildschutzzaun zu deklarieren.

"Haben wir in der Hand"

Nach Ansicht von Vitus Bauer hat das Forstamt den Eigentümer in seiner Vorgehensweise "total unterschätzt". Der Wald habe als Schutz gewirkt. Ausforstung sei legitim, "doch dieses Ausmaß geht an der Sachlage vorbei". "Wir als Kommune haben bei der Waldnutzung nicht mitzuschnabeln", brachte Butz nochmals die Situation auf den Punkt. Anders verhalte es sich, "wenn gebaut werden soll". Dafür brauche man eine Flächennutzungs- und Bebauungsplanänderung. "Das haben wir in der Hand". Eine Änderung lehnte der Marktrat "bekanntlich mit 19:0 ab", ergänzte Georg Schlögl. Was getan werden konnte, sei getan worden.

Und wenn der Eigentümer auf der Fläche ein Zelt aufstellen würde? "Nicht zulässig", so Bürgermeister Butz zur Frage von Alexander Werner. Dieser brachte auch angebliche Verlautbarungen ins Spiel, wonach der Firmeninhaber bei der Durchsetzung seiner Pläne auf "Hilfe von höherer Stelle" rechnen könne. Der Bürgermeister winkte entschieden ab: "Nicht mal der Ministerpräsident" könne den Markt zu einem entsprechenden Bebauungsplan anweisen.
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