Den Wald "entrümpeln"

Vorsitzender Markus Heinig und Geschäftsführer Reinhard Wiesent von der Forstbetriebsgemeinschaft sowie die Revierleiter Mathias Rupp (Zweiter bis Vierter von links) und Martin Gottsche (Siebter von links) begleiteten die Waldbesitzer auf dem Spaziergang durch Privatwälder der Thomasreuther Flur. Bild: rn

"Weg vom reinen Nadelholz": So lautet die Forderung der Forstexperten mit Blick auf den Klimawandel. Denn einige Baumarten, die sich bisher bewährt haben, werden die Erwärmung nicht gut verkraften. Doch Waldbesitzer können rüsten.

Stabile Wälder für die kommenden Generationen: Danach streben das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG). Um das Ziel zu erreichen, gilt es das Betriebsrisiko zu minimieren. Dabei helfen Fördermittel, die der Freistaat Bayern für die Umgestaltung der Wälder bereithält.

Eine Hilfestellung boten AELF und FBG zirka 20 Waldbesitzern aus dem westlichen Landkreis. Bei einem Waldspaziergang erläuterten die Revierförster Martin Gottsche und Mathias Rupp sowie Markus Heining und Reinhard Wiesent von der FBG die Möglichkeiten. Der Klimawandel sei eine Tatsache, "die niemand bestreiten kann". Wissenschaftler seien sich einig, dass einige bewährte Baumarten die Klimaerwärmung nicht verkraften werden, erlklärten sie in den Privatwäldern der Thomasreuther Flur.

Gottsche berichtete, dass allein im Privat- und Körperschaftswald in Bayern über 260 000 Hektar Fichtenbestände gefährdet seien. Der Gesellschaft drohe der Verlust intakter Wälder mit unverzichtbaren Schutz- und Erholungsfunktionen. Der Förster verwies auf Baumarten und Mischungen, die mit dem künftigen Klima besser zurecht kommen.

Gelungene Pflanzungen

Die Experten führten ihre Begleiter zu einem "Bestand nach Vorbaumaßnahmen". Der Altwald war ausgelichtet und neu bepflanzt worden. Die jungen Pflanzen können sich unter dem Schirm des Altbestands entwickeln.

Als gute Beispiele zeigten die Experten einen Schwarzerlenbestand, der nach dem Orkan "Kyrill" ohne Zaunschutz gepflanzt worden war, sowie Eichen-, Buchen-, Douglasien- und Tannenkulturen, die vor 2 bis 20 Jahren mit und ohne Schutzzaun angelegt worden waren. Als Grundlage und Entscheidungshilfe dient stets die Standort- und Klimakarte. Sie gehört zur Grundausrüstung eines jeden Revierförsters.

Um genügend Licht für die Verjüngung der Bestände zu schaffen, sei eine regelmäßige Durchforstung unverzichtbar, betonten die Fachleute. "Entrümpeln Sie Ihre Bestände", lautete der Appell. An einem Beispiel machten sie den Teilnehmern die Art des Nachlichtens bei einem Buchenbestand mit großer Wuchsleistung unter älteren Tannen deutlich.

Überrascht zeigten sie sich von der Entwicklung von Naturverjüngungen in eingezäunten Flächen. Zu den gepflanzten Eichen, Buchen und Tannen hatten sich bis zu zehn weitere Baumarten - wie Kiefer, Fichte, Vogelbeere, Aspe oder Birke - gesellt.

Förster Mathias Rupp erläuterte abschließend die mit der neuen Richtlinie geschaffenen verbesserten Fördermöglichkeiten. Mit Nachdruck verwies er darauf, dass mit Pflanzmaßnahmen erst nach Eingang des Bewilligungsbescheides begonnen werden darf.

Artenreich und stabil

Reinhard Wiesent führte das Pflanzverfahren mit dem Hohlspaten und die Bestandspflege mit der Japansäge vor. "Je vielfältiger und artenreicher ein Waldbestand ist, desto stabiler und sicherer ist er gegen Klimaveränderungen und sonstige Ausfälle einzelner Baumarten", betonte er. Wiesent stellte die Forstbetriebsgemeinschaft vor. Diese lud die Waldbesitzer abschließend zu einem Umtrunk.
Weitere Beiträge zu den Themen: Eschenbach (13379)Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.