Den Weihnachtsmarkt attraktiver machen: Jeder lehnt stärkeres Engagement ab
Gewerbetreibende kontra Vereine

Deutschland und die Welt
23.11.2013
9
0

In der Vollversammlung des Stadtverbandes im Hotel Rußweiher wurde heftig diskutiert: Es ging um den Weihnachtsmarkt des Gewerbevereins am 15. Dezember. Die Kontrahenten: Raimund Rodler und Reinhard Gebhardt auf der einen Seite sowie Marita Gradl, die Vorsitzende des Gewerbevereins, auf der anderen.

Bereits vor dem Eintreffen Gradls zeigte sich Raimund Rodler enttäuscht über den zurückhaltenden Besuch des Weihnachtsmarktes durch die Eschenbacher in den vergangenen Jahren. Er stellte Vergleiche mit ähnlichen Veranstaltungen im Schafferhof in Windischeschenbach an, wo nicht wenige Besucher aus der Rußweiherstadt anzutreffen seien.

Damit übte er Kritik an einem seit längerer Zeit zu beobachtenden Verhalten der Eschenbacher, die offensichtlich auswärtige Veranstaltungen bevorzugt besuchen. Rodler hoffte für heuer trotzdem auf einen guten Besuch des Weihnachtsmarktes, da sich sonst die Frage nach seinem Weiterbestehen stelle. "Der Markt soll zur Belebung des innerstädtischen Lebens beitragen", lautete sein Verständnis von der Veranstaltung des Gewerbevereins.

In der Versammlung bat Vinzenz Dachauer, der Vorsitzende des Stadtverbands, Marita Gradl um die Bekanntgabe von Einzelheiten zum Weihnachtsmarkt. Sie rieb sich jedoch zunächst heftig an einer Aussage von Reinhard Gebhardt, die dieser als Vorsitzender des SCE-Fördervereins in der Mitgliederversammlung im September getroffen hatte.
Gebhardt hatte damals zum Weihnachtsmarkt erklärt: "Jeder Teilnehmer, ob Socken- oder Christbaumverkäufer, Bratwurst- oder Schmuckstand, versucht mit Punsch aus der Zwei-Liter-Flasche, ausgeschenkt in Einweg-Plastikbechern, seine Kasse aufzubessern. Eingehaust in einen weißen Pavillon, bestückt mit Thermoskannen auf Biertischen, gleicht der Eschenbacher Weihnachtsmarkt mehr einem Flüchtlingslager als einer verzauberten Budenstadt."

140 Einladungsschreiben

Gradl wies die Kritik am Gewerbeverein zurück und erhoffte sich eine bessere Beteiligung und Unterstützung durch die Vereine. "Wir sind nicht Gestalter des Marktes. Wir bemühen uns nur um das Rahmenprogramm", sagte die Vorsitzende und berichtete, dass der Schriftführer 140 Einladungsschreiben versandt habe.

Als Reinhard Gebhardt auf seiner Meinung beharrte und die Vereine kein Interesse an Gradls Vorschlag zeigten, seitens des Gewerbevereins einheitliche Marktbuden zum Verleihen anzuschaffen, beendete Vinzenz Dachauer die Diskussion: Nicht ohne jedoch Gradl und Gebhardt zu beauftragen, bis zum Ende des Monats gemeinsam ein Lösungskonzept zu erarbeiten.
In seinem Grußwort griff dritter Bürgermeister Klaus Lehl das Thema allerdings nochmals auf. Er sprach jedem das Recht zu, sich am Weihnachtsmarkt zu beteiligen. Auch brach er eine Lanze für die Vereine, die während des Jahres viele Veranstaltungen auf die Beine stellten, und zeigte Verständnis dafür, dass "bei den Mitarbeitern irgendwann die Luft 'raus ist".

"Für unsere Bürger"

Die Gewerbetreibenden rief er auf, sich beim Weihnachtsmarkt "mehr einzubringen". Trotzdem schwebte auch ihm ein "gemeinsames Arbeiten" vor. Der Aufruf zu einem vermehrten Engagement stieß bei Marita Gradl aber auf wenig Gegenliebe. "Wir machen das nur, damit Eschenbach überhaupt einen Weihnachtsmarkt hat. Wir machen das für unsere Bürger", erklärte sie nach dem offiziellen Ende der Versammlung.

Sie gab zu bedenken, dass die Gewerbetreibenden bei diesem Markt in ihren Geschäften nicht verkaufen dürften, und bat um Unterstützung durch die Vereine, die die Verkaufserlöse in voller Höhe einbehalten könnten. Gradl verglich den Weihnachtsmarkt mit dem Bürgerfest, bei dem die Stadt nur als Veranstalter, nicht jedoch als Gestalter auftrete.

Bürgermeister Peter Lehr reagierte am nächsten Morgen: Er erklärte, dass er viel von der Zusammenarbeit der Vereine halte und diese bitte, auf Marita Gradl zuzugehen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Eschenbach (13367)November 2013 (9944)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.