"Denkste" auf derbe Art
Oin in der Raissn homm oder se schãma wej ã Bettsoichl

Wer gut und gerne tanzt, den beschreibt der Dialektsprecher so: Danzn wej der Lump ãm Stäcka. Bild: NT-Archiv
Unter einem "Phraseologismus" versteht man in der Sprachwissenschaft eine zu einer festen Form verwachsene Folge von Wörtern, unter anderem eine Redewendung oder ein Sprichwort, wobei die Redewendungen sehr häufig anzutreffen sind. Die Bedeutung eines solchen sprachlichen Fertigbausteins geht meist über die rein wörtliche seiner Bestandteile hinaus. Dies trifft sowohl für die Standardsprache als auch für den Dialekt zu. Wie in allen anderen Wortschatzbereichen zeichnet sich Letzterer durch einen großen Reichtum an ausdrucksstarken und originellen Beispielen mit einer ausgeprägten Bildhaftigkeit und einem bewertenden Charakter aus. Ihre Bildung folgt unterschiedlichen Mustern. Ein sehr gängiger Typ besteht aus einer Satzergänzung (Objekt) und einem Tätigkeitswort (Verb), in der einfachsten Form etwa bei ã Baderl falln laoua (für jemanden beten), ã Brãnx homm (sich unnötige Sorgen machen), ã Mettn homm (Streit haben; viel Lärm um nichts machen), ã Fotzn/Schnufl macha (beleidigt, griesgrämig sein), 'n Dreg vo der Finstern schmecka (hinter alle Geheimnisse kommen) und "Glooch ãfejern" (sich beschweren).

Etwas komplexer wird der Ausdruck, wenn ein Verhältniswort (Präposition) hinzugefügt wird, so bei àf d' Frai gej (um eine Frau werben), ãm hoassn Fous gej (mit Nachdruck hinter einer Sache her sein) und ãn Zwurl eibringa (für Unruhe sorgen). Bei einem Verb können aber auch zwei Objekte stehen, zum Beispiel: oin ã Bültl ofrimma (ein schlechtes Bild von jemandem zeichnen), oin ãn Mores baibringa (jemandem Anstand beibringen; jemandem zeigen, wo es lang geht) oder mit einer Präposition: Oin in der Raissn homm (jemandem keine Ruhe lassen) und oin às der Sass hem (jemandes Machenschaften aufdecken).

Häufig findet sich in einer Redewendung ein Vergleich, wie etwa bei danzn wej der Lump ãm Stäcka (tanzen wie ein Profi), Liezn homm wej ã Raoudschimml (ausgeprägte Eigenheiten besitzen) und oin verrãmma wej in Hirscht d' Schnaoung (mit jemandem kurzen Prozess machen). Eine andere Variante ist jene mit einem rückbezüglichen (reflexiven) Verb: se àf Goschn àffehaua (darben), se schãma wej ã Bettsoichl (sich übermäßig schämen) und se iwer ã / zu ãn Guaddou richtn (sich zu seinem Vorteil verändern).

In diesem Zusammenhang sind auch sprichwörtliche Redensarten zu erwähnen, wie etwa Daou fàlts àf Blàtzn. (Da fehlt es irgendwo.), Daou hods Rufern. (Da gibt es Probleme.), Des hãnn Mais/Pflãnz. (Das ist aus der Luft gegriffen.), Des hod koin Dauch. (Das hat keinen Sinn.) und Des is oiner zum Gejlaoua. (Dieser Mensch ist in Ordnung.).

Eine Redensart, die sowohl die Expressivität als auch die Metaphorik derartiger sprachlicher Erscheinungen hochgradig widerspiegelt, lautet: "Dir schaisst der Hund Grejcherler!" Unabhängig davon, dass es sich dabei um eine sehr derbe Diktion handelt, muss eingeräumt werden, dass die standardsprachliche Entsprechung im Vergleich dazu regelrecht steril und banal klingt, nämlich "Denkste!". (slu)

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Die Serie im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/dialekt
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