Der Anheizer

Willie "Munch" Cromartie während er die Spieler in Bayreuth ankündigt.
 
Von Grafenwöhr aus ist "Munch" (Mitte) in ganz Europa unterwegs und organisiert die Logistik der Nato-Truppen. Bilder: ikt (2)

Will "Munch" Cromartie elektrisiert Fans des Bayreuther Basketballs bei jedem Heimspiel in der Oberfrankenhalle durch seine besondere Stimme. Hauptberuflich arbeitet er fürs amerikanische Verteidigungsministerium - und hat nicht nur deshalb eine enge Verbindung nach Grafenwöhr.

Das Licht geht aus, Nebelmaschinen und Scheinwerfer verwandeln die Halle in eine Bühne, Cheerleader laufen ein und eine tiefe, grollende Stimme ist zu hören: "Are you ready for Medi Bayreuth Basketball!?" Am Mittwoch, 7. Oktober, wird es in Bayreuths Oberfrankenhalle wieder soweit sein. Rund 3000 Fans stehen dann auf ihren Plätzen, hören diese Worte und die Mannschaftsaufstellung. Sagen wird das alles ein Mann mit dem Spitznamen "Munch".

Munch heißt tatsächlich Willie James Cromartie II und kam 1964 in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania zur Welt. Nach einem Studium an der Temple University in seiner Heimatstadt war er als Ausbilder beim Militär tätig. Während den Konflikten in Somalia und Bosnien koordinierte er die Bewegungen der US-Truppen. Inzwischen kümmert er sich um die logistische Versorgung von NATO Truppen in Europa und lebt mit Frau und Kindern in Bayreuth. Lange war er in Grafenwöhr daheim, wegen seiner Arbeit ist er noch immer häufig dort, das Deutsch-Amerikanischen Volksfest ist ein Pflichttermin.

Allgemein mag er die "reiche Kulturgeschichte und die Lebensart" der Deutschen, so dass er sich nicht entscheiden kann, ob ihm Deutschland oder Amerika besser gefällt. Seine Frau hilft ihm bei der Sprache, seine Kenntnisse findet er selbst inzwischen "ziemlich gut". Ein Freund habe ihn vor kurzem "Halb-Deutscher" genannt, weil er inzwischen soviele deutsche Züge aufweist. Insgesamt lebt er nun mit Unterbrechungen 24 Jahre in Bayern. Nur die Spare Ribs zieht er noch dem Schweinebraten vor und "daran wird sich wohl nichts ändern", stellt Will Cromartie klar.

Munch wie mampfen

Den Namen Munch (engl. to munch = mampfen) erhielt Will Cromartie von seinem Vorgesetzten in der Army, als er nach einem 75 Meilen Marsch ganze vier "Cornish Hens", vergleichbar mit den deutschen Brathähnchen, verdrückte, bevor einer seiner Kameraden überhaupt eines gegessen hatte.

Zu seiner Aufgabe als Fan-Anheizer kam der kräftige Mann, als er zum Spaß die legendäre Phrase "Let's get ready to rumble" des Entertainers Michael Buffer imitierte. Ein Freund ermunterte ihn dazu, das Gleiche auch bei Spielen des BBC Bayreuth (heute Medi Bayreuth) zu machen. Eine Woche später bekam Munch kurz vor Spielbeginn eine Liste mit den Spielernamen und las sie den Fans vor. Er selber fand seinen Start "holprig", doch heute ist er vom Bayreuther Basketball nicht mehr wegzudenken. "Bis zu seinem Tod" möchte er diese Aufgabe ausüben. Seine markante Stimme hat Munch von seinem Vater geerbt und wenn er Soldaten lautstark Anweisungen erteilt, erhält sein Stimmorgan ein zusätzliches Training. Unter den Bayreuther Fans kursiert eine Geschichte über den 50-Jährigen, die er selbst lachend bestätigt: Während den Spielen rief er so viel und so laut, dass ihm seine Ehefrau nahelegte, sich so weit wie möglich von ihr zu entfernen, da es sie störte. Also stellte sich Will Cromartie ans andere Ende der Halle, um den familiären Frieden zu wahren. Dort steht er heute noch und bei genauem Hinhören ist seine Stimme selbst beim Lärm von 3000 Leuten auszumachen. Er freut sich auf die nächste Saison und traut dem Team um Trainer Michael Koch den Klassenerhalt in der ersten deutschen Basketball Liga zu.

Selber ist er auch als Trainer aktiv, allerdings in einer anderen Sportart. Den Männern des Bayreuther Baseball Teams erteilt er mit seiner tiefen Stimme Anweisungen und erklärt die Spielsysteme. Die Bayreuth Braves schlossen die letzte Saison auf dem zweiten Platz der Bezirksliga Nord ab, vollkommen zufrieden ist Cheftrainer Will Cromartie damit nicht, denn seine Truppe hatte Verletzungssorgen. In der nächsten Saison möchte er bessere Resultate einfahren und auch Nachwuchsspieler in die erste Mannschaft integrieren.

Auch dem deutschen Sport ist der Hobby-DJ nicht abgeneigt, der Fußball fasziniert ihn und er verbindet ein besonderes Erlebnis mit der deutschen Nationalmannschaft. Im Olympia-Halbfinale 1988 sah er das deutsche Team im Stadion in Seoul und war fasziniert von der "Leidenschaft dieses Sports". Dass die Deutschen in einem spannenden Spiel im Elfmeterschießen mit 4:3 verloren, gerät zu einer Randnotiz.

Erlebe Leidenschaft

Müsste er sich zwischen den drei Sportarten entscheiden, würde er Basketball vorziehen, da der Sport "sein Adrenalin auf 1000 Prozent steigen lässt". Dafür lieben ihn die Fans. Sie bekommen Gänsehaut, wenn er in einem Monat zum Mikrofon greift und die Oberfrankenhalle mit seiner Stimme erzittern lässt. Wenn es einen gibt, der das Vereinsmotto "erlebe Leidenschaft" vorlebt, dann ist es Willie James Cromartie II, genannt Munch.
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