Der Berg im Mittelpunkt

Juli 1890 war noch nicht absehbar, dass einmal Transvestiten, seltsamen Rittern mit Kokosnüssen oder Bergsteigern, die vom Watzmann gerufen werden, die Bühne gehören wird.

Genau 125 Jahre ist die Geburtsstunde der heutigen Luisenburg-Festspiele her, ein triftiger Grund, um mit der Ausstellung "Die Losburg" an dieses "Deutsche Volksschauspiel" zu erinnern, das 1890 Premiere feierte. Konzipiert und zusammengestellt worden ist die Schau von Wolfgang Daum, dem Leiter des Stadtarchivs Wunsiedel: Er sitzt an der "Quelle" und hat historische Schätze zusammengetragen - Bilder von den Anfängen 1890 bis zum Ende im Jahre 1925, Plakate, Prospekte, Annoncen, Zeitungsartikel und Broschüren, aber auch Jubiläumsmünzen, eine Serviette und Briefmarken.

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Geschaffen worden war die "Losburg" von Ludwig Hacker, Professor an der Realschule Wunsiedel, Anlass dafür war ein Jubiläum - nämlich die 100-Jahr-Feier der Erschließung des Felsenlabyrinths der Luisenburg. "Es handelte sich dabei um kein Stück mit fortlaufendem Inhalt. Der Verfasser wollte bewusst nicht Personen, sondern den Berg - also die Los-, Lux- oder Luisenburg - in den Mittelpunkt stellen", sagt Daum. Aus diesem Grund habe Hacker einzelne "Bilder" geschaffen, die sich weithin auf Sagen aus dem Gebiet der Luisenburg sowie des ganzen Fichtelgebirges gründeten.

Drei Sagen, weiß Daum, liegen dem Hauptteil des Hauptteil der "Losburg" zugrunde: Die Sage von dem Treiben der Raubritter auf der Losburg, die Sage von den fremden, südländischen Venedigern, die einst durch die Wälder des Fichtelgebirges streiften und Gold und Edelsteine zu finden wussten, und die Sage, die sich beim Niedergang des Bergbaues bildete, wonach Zwerge die Erzschätze des Gebirges versteckt hatten, so dass sie von den Menschen nicht mehr gefunden werden konnten.

Die letzten Aufführungen des Spieles fanden in den Jahren 1924 und 1925 statt. Es gibt wohl niemanden mehr, der das Spiel noch mit eigenen Augen live erlebt hat. "Es wäre aus vielerlei Gründen heute unmöglich, eine Neu-Inszenierung durchzuführen. Dazu haben sich die politischen Verhältnisse und die Weltanschauungen zu stark verändert, auch ist es in jetziger Zeit undenkbar, etwa 300 Laienspieler für einen ganzen Sommer zu verpflichten", so Daum.

Im Jahr 1924 haben die Verantwortlichen in Wunsiedel durch einen Fotografen aus Eger einen Film mit Szenen des Losburg-Festspieles anfertigen lassen. Das Produkt staubte viele Jahrzehnte in der Stadtverwaltung vor sich hin, Daum hat die wertvolle Quelle wiederentdeckt und anschließend aufarbeiten lassen, so dass sie im aktuellen Jubiläumsjahr noch zweimal gezeigt wird (am 20. Juli und am 4. August jeweils um 19 Uhr im Kleinen Saal der Fichtelgebirgshalle Wunsiedel).

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Regenwetter als Grund

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Besonders zu erwähnen ist das Jahr 1912: Hier fügte Ludwig Hacker dem Festspiel ein "Schlussbild" an in Form einer Erinnerung an die Freiheitskriege gegen Napoleon in den Jahren 1812/13. "Diese Szene hatte nur wenig Handlung, sie wirkte aber in den Jubiläumsjahren der Freiheitskriege und im Jahre 1924 nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg auf viele Menschen in außerordentlicher Weise", berichtet Daum. Das Ende ereilte die "Losburg" 1925: Im Wunsiedler Stadtrat wurde beschlossen, das Spiel nicht mehr aufzuführen.

Als Grund wird dafür offiziell das durch Regenwetter schlechte finanzielle Ergebnis des Jahres angegeben. "Es gab aber sicher auch andere Gründe, so zum Beispiel die geänderten politischen Verhältnisse und auch die Tatsache, dass die beteiligten Laiendarsteller nun auch erstmals Forderungen nach einer finanziellen Entschädigung stellten", sagt Daum. Denn, so sei es überliefert, 1924 habe es für die Darsteller lediglich jeden Tag eine "fade Reissuppe und eine kalte Knackwurst" gegeben.
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