Der Dauerbrenner
Smyslow

Der Todestag eines Wegbegleiters der spielgewaltigen sowjetischen Schachgiganten um Botwinnik, Keres, Petrosjan und Geller jährt sich am 27. März bereits wieder zum fünften Mal: der von Wassili Wassiljewitsch Smyslow (geb. 24. März 1921). Um es gleich vorweg zu nehmen. Smyslow war Mitte der 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts der stärkste Schachspieler der Welt. Davon zeugt nicht nur der Gewinn zweier WM-Kandidatenturniere (1953 und 1956), sondern besonders der WM-Titel 1957, mit dem er siebter Weltmeister der Schachgeschichte wurde.

Ein wesentliches Stilelement seines Spiels bekam er schon früh von seinem ersten und einzigen Lehrmeister, seinem Vater, eingeimpft: Die Liebe zu einfachen, auf größtmöglicher Harmonie ausgerichteten Stellungen. Gerade hier kam seine ihm angeborene unglaubliche Intuition besonders zur Geltung. Diese gestattete ihm, sich über mehrere Jahrzehnte in der Weltspitze zu halten. Noch 1983 drang er bis ins Finale des WM-Kandidatenturniers vor und wurde erst von dem damals 21-jährigen Garri Kasparow gestoppt. Sehen Sie den vorentscheidenden Sieg des damals 62-Jährigen gegen den 32-jährigen ungarischen Landesmeister aus dem WM-Kandidaten-Halbfinale, London 1983.

Weiß: Wassili Smyslow

Schwarz: Zoltan Ribli

1.d4 Sf6 2.Sf3 e6 3.c4 d5 4.Sc3 c5 5.cxd5 Sxd5 6.e3 Sc6 7.Ld3 Le7 8.0-0 0-0 9.a3 cxd4 10.exd4 Lf6 11.Dc2 h6 12.Td1 Db6 13.Lc4 Td8 14.Se2 Ld7 15.De4 Sce7 16.Ld3 La4? 17.Dh7+ Kf8 18.Te1 Lb5 19.Lxb5 Dxb5 20.Sg3 Sg6 21.Se5 Sde7 22.Lxh6! Sxe5 23.Sh5 Sf3+ 24.gxf3 Sf5 25.Sxf6 Sxh6 26.d5 Dxb2 27.Dh8+ Ke7 28.Txe6+!! fxe6 29.Dxg7+ Sf7 30.d6+! Txd6 31.Sd5+ Txd5 32.Dxb2 b6 33.Db4+ Kf6 34.Te1 Th8 35.h4 Thd8 36.Te4 Sd6 37.Dc3+ e5 38.Txe5 Txe5 39.f4 Sf7 40.fxe5+ Ke6 41.Dc4+ 1-0

Tagesnotizen: Die Partie zu Taktikaufgabe Nr. 93a wurde 2004 in Süditalien beim Cutro Open zwischen dem russischen GM Vladimir Epishin, von 1983 bis 1996 Sekundant von (Ex-)Weltmeister Anatoli Karpov, und dem schwedischen GM Thomas Ernst gespielt. Für Königsangriff, basierend auf dem "Sargnagel" Läufer f6, hatte Weiß zu Recht den h-Bauer geopfert. Mit einer elementaren Wendung fährt Weiß den vollen Punkt ein. Sehen Sie, wie er dabei vorzugehen hat?

Mit einem löserfreundlichen Dreizüger als Aufgabe Nr. 93b kommt nach langer Zeit einmal wieder das "Nordlicht" Georg Niestroj aus Hiddensee, der kleinen Nachbarinsel zur Insel Rügen, zu Wort. Hier eine kleine Lösehilfe zu geben, wäre schon zu viel verraten. Ein schönes reines Matt wartet auf den Löser. Sehen Sie, wie es Weiß in drei Zügen schafft?

Lösungen: Die Position zu Taktikaufgabe Nr. 92a (Svidler-Vitiugov, W: Kg1, Dc3, Tf7, Se5, Ba4, b3, d4, f4, g2, h3 [10], S: Kh7, De4, Ta6, Lh4, Ba5, d5, e6, g7, h6 [9]) stammt aus einer Partie, die 2008 bei der Russischen Meisterschaft zwischen den Supergroßmeistern Peter Svidler und Nikita Vitiugov gespielt wurde. Schwarz am Zug setzte mit 1...De1+ nebst Damentausch 2.Dxe1 Lxe1 fort und musste um das Remis kämpfen. Zu seinem Leidwesen übersah er den brillanten Gewinnzug 1...Tc6!!, der den passiv stehenden Turm schlagartig aktiviert hätte. Der Turm ist tabu, Weiß darf ihn nicht schlagen. 2.Dxc6? würde wegen 2...De1+ 3.Kh2 Lg3# genauso zum Matt führen wie 2.Sxc6? Db1+ 3.Kh2 Lf2 (droht 4...Dg1#) 4.h3 Dg1+ 5.Kh3 Dh1+ 6.Kg4 Dxg2+ 7.Kh5 Dg6#.

Noch am besten geschieht 2.Dd3, doch bleibt Weiß nach der erzwungenen Zugfolge 2...Tc1+ 3.Kh2 3.Tc3 4.g3 (erzwungen, da nach einem Wegzug des Springers 4...Lg3+ 5.Kg1 Tc1+ nebst Matt folgen würde) 4...Lxg3+ 5.Kxg3 Txb3 6.Ta7 Txd3+ 7.Kg2 Txd4 8.Txa5 Txf4 mit einem klar verlorenen Endspiel zurück.

Tröstlich für uns Amateure: Auch Supergroßmeister lassen mitunter überraschende Gewinnchancen ungenutzt.

Mit der Dreizüger-Miniatur in Aufgabe Nr. 92b (Mündel, W: Kh1, Db7, Sd5, Sf3, Bg2 [5], S: Ke4 [1]) war ein Drilling zu lösen, bei dem die Position der drei Teilaufgaben jeweils nur geringfügig voneinander abweicht.

a) In der Dia-Stellung verfügt der schwarze König über die Fluchtfelder d3 und f5. Mit dem Schlüssel 1.Db5! raubt Weiß das Fluchtfeld d3 und zwingt Schwarz zu 1...Kf5. Auf diesem Feld stünde dem schwarzen König mit den Feldern e4, e6, g4 und g6 eine "Sternflucht" zur Verfügung. Diese lässt Weiß jedoch nicht zu, raubt mit 2.De8 drei der vier Felder und zwingt Schwarz zu 2...Kg4. Folge: 3.Dg6#, womit die Dame einen schönen Zick-Zack-Kurs beschrieben hätte.

b) In der b-Stellung ist die Dame von Feld b7 nach a8 versetzt. Auch hier besitzt der schwarze König die Fluchtfelder d3 und f5. Dies ändert sich auch nach 1.Kg1! nicht, womit der König vorausschauend die potentiellen Fluchtfelder f1 und f2 kontrolliert. Nach 1...Kd3 wäre wie in Stellung a eine Sternflucht (Felder c2, c4, e2, e4) möglich, die Weiß mit 2.Da4 abermals vereitelt. Die Felder c2, c4 und e4 werden genommen. Auf das verbleibende 2...Ke2 folgt 3.Dc2#. Die Schlussstellung verdeutlicht den Sinn des Schlüsselzuges: Die Felder f1 und f2 mussten kontrolliert werden.

Nach 1...Kf5 2.De8 mündet die Aufgabe in die a-Stellung.

c) Gegenüber der b-Stellung wird in Stellung c aus dem Springer d5 ein weißer Turm und der zweite Springer entfällt ersatzlos. Die beiden Schwerfiguren machen dem schwarzen König wie folgt den Garaus: Nach dem zurechtstellenden Schlüssel 1.Da5! verbleiben dem schwarzen König die beiden Fluchtfelder e3 und f4. 1...Ke3 führt zu 2.Dd2+ Ke4 3.Dd4# und 1...Kf4 zu 2.Td4+ Ke3 3.Dd2# oder nach 2...Kg3 zu 3.De1#.

Ein interessanter Dreierpack des Problemkomponisten aus Sachsen-Anhalt mit schönen Mattbildern.

Noch ein kleiner Steckbrief: Geboren 28. März 1938 in Nietleben (1950 nach Halle/Saale eingemeindet), nach dem Studium an der TU Dresden Diplom-Ingenieur der Wärmetechnik, jetzt Rentner. Erstes Problem 1961 veröffentlicht.
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)März 2015 (9461)
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