Der ewige Strobl tritt ab

Der Vorstand tritt zum Gruppenbild an. Der Oberpfälzer SPD-Chef Franz Schindler (links) zeigte sich mit der Arbeit des Amberg-Sulzbacher Kreisverbandes hochzufrieden. Der bisherige Vorsitzende Reinhold Strobl (vorne links) ist künftig Pressebeauftragter. Neben ihm sein Nachfolger Uwe Bergmann und dessen vier Stellvertreter Brigitte Bachmann, Joachim Bender, Richard Gaßner und Winfried Franz (von links).

Nach seinem letzten Rechenschaftsbericht als SPD-Kreisvorsitzender standen die Genossen im Saal auf und applaudierten Reinhold Strobl ausgiebigst. Die Fußstapfen, die er hinterlasse, seien sicherlich groß, sagte sein Nachfolger Uwe Bergmann - und fügte hinzu: "Ich muss aber nicht in dieselben treten."

15 Mal hatte Strobl als Vorsitzender kandidiert, nun räumte er am Freitag bei der Kreiskonferenz im Gasthaus Michl in Oberleinsiedl seinen Posten. Das sei "natürlich ein Einschnitt" für ihn, gab er offen zu. Und später verhehlte er nicht, dass das viele Lob, das er an diesem Abend erntete, runtergegangen sei wie Öl.

Der 65-Jährige bilanzierte: "Ich habe das gemacht, was ich für richtig und wichtig gehalten habe. Ich habe mich nicht treiben lassen." Seine Wünsche für die Zukunft: "Wir müssen versuchen, neue Mitglieder zu gewinnen. Und wir brauchen mehr SPD-Bürgermeister, -Gemeinderäte und -Kreisräte."

"Wirklich eine Ära"

Über 30 Jahre an der Spitze eines Kreisverbandes - das sei schon "etwas Besonderes", betonte der Oberpfälzer SPD-Chef und Landtagsabgeordnete Franz Schindler. Er wüsste nicht, dass es Vergleichbares gebe. "Das ist wirklich eine Ära, die wir woanders leider nicht so haben. Man hat sich immer darauf verlassen können, dass der Reinhold seine Aufgabe erfüllt. Du hast dich um die SPD und den Bezirk verdient gemacht."

Auch der Unterbezirksvorsitzende und Europaparlamentarier Ismail Ertug verneigte sich vor Strobl: "Du hast über die vielen Jahre hinweg eine Performance mit viel Fleiß, mit viel Engagement hingelegt." So etwas finde man selten ein zweites Mal. Ertug bescheinigte dem scheidenden Vorsitzenden und allen Mitstreitern: "Der Kreisverband Amberg-Sulzbach stand und steht für Solidität."

44 Jahre alt, Mittelschullehrer in Freudenberg, 19 Jahre Stadtrat in Schnaittenbach, dort seit 2014 stellvertretender Bürgermeister - das ist Uwe Bergmann. "Ich kenne sämtliche politischen Facetten", sagte er, als er sich den 57 Delegierten vorstellte. Die gaben ihm einen großen Vertrauensvorschuss: Seine Wahl zum Kreisvorsitzenden und Nachfolger Strobls erfolgte einstimmig. Dem rief Bergmann nach der Amtsübernahme mit einem Augenzwinkern zu: "Ich mach's sicherlich nicht so lange." Über seinen Vorgänger sagte der neue Mann an der Verbandsspitze: "Reinhold ist ein Kämpfer für die SPD, für die Demokratie. Er widmet sich besonders denen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen." Er verlasse die Mannschaft als Kapitän, bleibe aber ihr Ratgeber.

Nicht verstecken

Er könne das Rad zwar nicht neu erfinden, merkte Bergmann zu seiner künftigen Rolle an. Aber vielleicht bekomme es "ein paar neue Laufeigenschaften" und ein "runderneuertes Profil". Er hoffe auf eine gute Arbeit in den Ortsvereinen, den Kreisverband sehe er als deren Partner. Sein Ratschlag an die Basis: "Sie müssen schon teilnehmen am Gemeindeleben und sich nicht im Hinterzimmer verstecken. Sie müssen schon sichtbar sein."
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