Der ganze Schnürpfl brennt ab

Am späten Nachmittag des 8. Oktober 1992 brannten Stallung und Scheune der Familie Hedwig und Josef Strobl ab. Es war innerhalb von 77 Jahren der dritte Brand, der die Familie traf - nach 1915 und 1919. Bild: schß

Morgen jährt sich zum 100. Mal der große Hohenkemnather Dorfbrand vom 5. Juli 1915. Damals brannte der ganze Schnürpfl ab.

Schnürpfl - so nannten die Hohenkemnather die sechs Anwesen, die sich links am Weg nach Erlheim reihten. Diese kleinen Anwesen hatten kaum Grund um Wohnhaus und Stadl und galten als "Tripfhäusln": Der dazugehörige Grund endete da, "wo das Regenwasser vom Dach tropfte".

Dünne Quellenlage

Trotz intensiver Nachforschungen, zum Beispiel im Staatsarchiv Amberg, war außer zwei Zeitungsberichten und einem kleinen Akt über die Übertragung eines Gemeinderechtes nach dem Dorfbrand keine historischen Unterlagen aufzutreiben. Leider fand sich auch kein historisches Bildmaterial.

Lassen wir also die damaligen beiden Lokalzeitungen sprechen. Das Amberger Tagblatt berichtete am Abend des 5. Juli 1915:

"Hohenkemnath. In Angst und Bestürzung wurden heute Mittag gegen halb 12 Uhr die Bewohner unseres Ortes versetzt, als der Schreckensruf Feuer erscholl. Aus noch nicht geklärter Ursache stand das Anwesen des Oekonomen Weizer in hellen Flammen, die - begünstigt durch die Dürre - so rasch um sich griffen, dass bald auch die Nachbaranwesen des Lindner Johann, Albrecht, Hollweck, Rubenbauer und Gimpl - 6 Häuser mit Nebengebäuden - in Schutt und Asche lagen. Heu, Stroh, landwirtschaftliche Geräte, Holz, Fleisch, die Wohnungseinrichtungen sind mit verbrannt; gerettet konnte nur wenig werden. Ob auch Vieh mit zu Grunde gegangen ist, konnte bis zur Stunde (3 Uhr nachm.) noch nicht festgestellt werden, da noch alles in größter Erregung ist. Obwohl die Feuerwehren der Umgebung rasch zur Stelle waren und angestrengt arbeiteten, konnten sie dem entfesselten Element infolge der Trockenheit nur wenig Einhalt tun."

Die Amberger Volkszeitung schrieb: "Großer Dorfbrand von Hohenkemnath. Heute vormittags ¾ 12 Uhr entstand in der Streuschupfe des Gütlers Weizer Feuer. Infolge der großen Dürre und des ungünstigen Windes waren in ganz kurzer Zeit auch noch fünf andere Anwesen ergriffen, welche fast ganz nieder brannten. Wäre der Wind nicht nach der anderen Richtung (nach Westen) umgeschlagen, so wäre wohl das halbe Dorf und vielleicht auch noch mehr ein Raub der Flammen geworden. Das Vieh konnte bis auf einige Schweine gerettet werden. Zwei der Abgebrannten (Lindner und Rubenbauer) stehen zur Zeit im Felde. Ziemlich rasch erschienen die Feuerwehren von Ursensollen, Wolfsfeld, Gailohe, Köfering, Karmensölden, Ammerthal, Götzendorf, Garsdorf und Hausen; außerdem erschienen auch noch gegen 80 Mann Militär unter Führung von Reserveleutnant Hörst sowie Feuerwehr-Hauptmann Feil von Amberg. Das Militär hat zur Eindämmung des Feuers wesentlich durch sein rasches und festes Eingreifen beigetragen. Die Brandleider selbst sind die Oekonomen Weizer, Albrecht, Hollweck, Chr. Rubenbauer, Hans Gimpl und Johann Lindner. Der Schaden ist sehr beträchtlich."

Wie im zweiten Zeitungsbericht ausgeführt wird, herrschte im Juli 1915 große Trockenheit. Wahrscheinlich waren die kleinen Gehöfte sogar noch mit Stroh gedeckt, so dass das Feuer zusätzliche Nahrung fand. Mein Vater Franz Xaver Schmaußer (Jahrgang 1908) war beim großen Dorfbrand sieben Jahre alt. Er erzählte mir, dass der damalige Pfarrer von Hohenkemnath, Pfarrer Georg Reiser, mit dem Allerheiligsten zur Brandstätte gezogen sei, um auf seine Fürbitten die Feuersbrunst zum Erlöschen zu bringen.

Dreimal abgebrannt

Besonders hart traf das Feuer die Familie Katharina und Georg Hollweck. Kaum hatte sie einen Steinwurf von der alten Hofstelle entfernt ein neues, größeres Gehöft aufgebaut, wurde es im Juli 1919 durch einen Blitzschlag eingeäschert. Den Enkel von Georg Hollweck, Josef Strobl, traf das Brandschicksal am 8. Oktober 1992. Damals brannten Stallung und Scheune ab.
Weitere Beiträge zu den Themen: Hohenkemnath (474)Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.