Der Geschichtspark Bärnau setzt künftig stark auf Wissenschaft und echte Museumsarbeit
Universität Mittelalter

Nicht jede Veranstaltung ist auch ein Ereignis für die Öffentlichkeit. Oft sind die Darsteller allein unter sich. Hier wurde Hochzeit gefeiert.
 
Auch als Darsteller im Kettenhemd macht Martin Baumeister (rechts) keine schlechte Figur. Der Archäologe weiß genau, wie eine mittelalterliche Brotzeit in einer Wachstube ausgesehen hat.

Der Geschichtspark Bärnau/Tachov ist aus dem Winterschlaf erwacht und hat seine Tore geöffnet. 2006 wurde der Trägerverein "Via Carolina" gegründet, der aktuell mehr als 600 Mitglieder zählt.

Jetzt hat das dritte Jahr begonnen, in dem sich das Freilichtmuseum auf eigenen Füßen behaupten muss. Nach dem Ausscheiden des Projektleiters Dr. Benjamin Zeitler setzen die Verantwortlichen nun auf einen weiteren Archäologen. Die Personalie Dr. Martin Baumeister unterstreicht den Trend hin in Richtung mehr Wissenschaft. Er, der wissenschaftliche Leiter, Stefan Wolters und der Vorsitzende des Trägervereins, Alfred Wolf, wissen, dass sie sich nicht auf den bereits verdienten Lorbeeren ausruhen dürfen.

Sie haben neben vielen Visionen auch konkrete Konzepte, wie sich künftig diese in Europa einmalige Einrichtung weiter stabilisieren lässt. Ihre Visionen konkretisieren sie noch nicht im Gespräch, fertige Konzepte sehr wohl. "Das ist schon eine Hausnummer", sagt Alfred Wolf. Damit meint er die Tatsache, dass der Geschichtspark Bärnau/Tachov beim Rahmenprogramm der Landesausstellung Bayern-Böhmen 2016 eine gewichtige Rolle als verbindendes Element zwischen beiden Ländern spielen wird.



Das macht sich schon im Vorfeld bemerkbar, denn der Geschichtspark ist in der Person Stefan Wolters' im Planungsstab integriert. Bärnau liegt so ziemlich in der Mitte zwischen Prag und Nürnberg, den beiden Städten, die im Mittelalter die Goldene Straße verband. "Sie ist neben dem Limes das größte deutsche Bodendenkmal", weiß Wolters. Im Grenzgebiet sind noch etwa 18 Kilometer der ehemaligen bedeutenden Handelsstraße am Stück erhalten.

"Was läge also näher, als auf dem Originalweg einen historischen Handelszug nachzustellen?", fragt der Archäologe. Ein originalgetreues Pferdegespann könne dann gleichzeitig als Werbebanner für den Geschichtspark dienen und bei anderen Veranstaltungen darauf aufmerksam machen.


Neben der historischen Komponente sei dabei auch die des grenzüberschreitenden Zusammenlebens gefragt. "Da kommen die Kontakte nach Tschechien, zum Beispiel über den Festspielverein, zugute." Auch die Kunst, die der tschechische Partner-Verein an der Goldenen Straße geschaffen hat, lässt sich sehr gut ins Begleitprogramm integrieren. "Das sind unsere Pfunde, mit denen wir wuchern können." Das nächste Planungstreffen findet noch im Frühjahr im Geschichtspark statt. Die Landesausstellung wird am Geburtstag Karls IV., der Person, auf die sich die Ausstellung bezieht, eröffnet. Er wurde am 14. Mai 1316 geboren. Am 14. Mai erblickte auch Stefan Wolters das Licht der Welt. Am Eröffnungstag wird er 50. Im Mittelalter wäre diese Konstellation sicher als Omen gedeutet worden. Wolters meint: "Heuer werden wir so richtig in die Museumsarbeit einsteigen. Unsere Bauten sind jetzt so weit gediehen, da haben wir schon was vorzuweisen." Weiter intensiviert werden die Museumsprogramme in Kooperation mit dem Learning-Campus. Projekte wie Natur und Umwelt sowie Kräuter- und Ökologieprogramm kommen dazu. In der Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters der Universität Bamberg, sieht Wolters großes Potenzial. Er wird dort eine Vorlesung halten. Anschließend kommen die Studenten hierher und lernen im Geschichtspark experimentelle Archäologie. Wände werden sie aufbauen wie anno dazumal, mit Lehm werden sie arbeiten.

Nicht wegzudenken

Der Hintergrund dabei ist, dass Archäologen nicht nur Bücherwissen brauchen, sondern in der Praxis mit Materialien umgehen können müssen. "Wenn ich weiß, wie im Mittelalter etwas gemacht wurde, erkenne ich bei Ausgrabungen bestimmte Dinge wieder." Ziel ist es, Außenstelle der Uni zu werden. Verhandlungen laufen bereits.



Der Präsident wird nach den Osterferien mit seiner Kanzlerin den Park besuchen. Auch zur Uni Pilsen habe man sehr gute Kontakte, eine hervorragende deutsch-tschechische Zusammenarbeit auf wissenschaftlichem Level. Unter dem Motto, "Gebaute Vergangenheit - Archäologische Konstruktionen zwischen Wissenschaft und Event" tagt vom 17. bis 20. Juni die archäologische Arbeitsgemeinschaft Ostbayern, West- und Südböhmen und Oberösterreich in Bärnau. "Wir sind aus der Museumslandschaft mittlerweile nicht mehr wegzudiskutieren", erklärt Wolters selbstbewusst. "Wir können einige der besten Rekonstruktionen Europas vorweisen. Jetzt zahlt es sich aus, dass wir so penibel waren bei der Qualität der Bauten und der Darsteller. Jetzt nehmen uns die Unis ernst und überlegen, ob sie uns Geld dazugeben."

Dass Studenten in der experimentellen Archäologie ausgebildet werden, gibt es bisher nur in Dänemark und England. Einladungen zum Vorstellen des Parks liegen von Museen aus Budapest, Stockholm, Wien und Dublin vor.



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Öffnungszeiten: Der Geschichtspark ist vom 14. März bis 8. November, dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, geöffnet. An Feiertagen ist das Museum auch am Montag geöffnet.

Adresse: Naaber Straße 5, 95671 Bärnau.

Kontakt: Telefon: 09635/92499-75, Telefax: 09635/92499-95,
E-Mail: info@geschichtspark.de

Eintrittspreise: Ein Erwachsenenticket kostet 7 Euro. Schüler, Studenten und Behinderte zahlen 4,50 Euro. Für Gruppen ab 15 Personen beträgt der Eintrittspreis 6 Euro pro Person. Weitere Preise: Familien-Tageskarte 16 Euro (Eltern und minderjährige Kinder), Familien-Jahreskarte 45 Euro. Einzel-Jahreskarte 25 Euro, Jahreskarte für Schüler, Studenten und Behinderte 18 Euro.

Weitere Informationen im Internet: http://www.geschichtspark.de

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