Der Königsteiner Posaunenchor kennt keine Nachwuchssorgen
Schweinderl als Grundlage

Ursprünglich entstand der Königsteiner Posaunenchor aus einem überkonfessionellen Musikverein, den der "Obermüller" Johann Pirner etwa um 1920 gründete und auch leitete.

Den finanziellen Grundstock des Vereins legte Pirner durch den Verkauf eines Schweines. Mit dem Erlös aus diesem Geschäft schaffte er die ersten Instrumente an.

Da die Musikgruppe auch an den Gottesdiensten beider Konfessionen mitwirkte, kam es mit der Zeit zu Unstimmigkeiten. Der damalige Pfarrer Hans-Peter Schmidt berief 1922 die Gründungsversammlung eines kirchlichen evangelischen Bläserchores ein. Dazu erschienen 13 junge Burschen und die Kirchenvorsteher.

Vorsicht beim Alkohol

Geprobt wurde erst in der Schreinerwerkstatt von Kaspar Taubmann (Schattl) und später in der Wohnung vom "Ibernmüller" Johann Pirner. Drei Instrumente aus der Gründerzeit sind noch vorhanden und teilweise in Gebrauch.

Streng waren die Gebote der Satzung: "Die Mitglieder haben sich von solchen Lustbarkeiten, die dem Christen nicht ziemen, fernzuhalten. Anstoßerregendes Verhalten, insbesondere übermäßiges Trinken wird mit dem Ausschluss geahndet." Als Mitgliedsbeitrag zahlten die Bläser zehn Pfennig im Monat.

Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Aktivitäten des Chores. Außerdem fiel Karl Pirner, der Sohn des Gründers, der begabter Chorleiter und Organist war. Er hinterließ eine schmerzliche Lücke, die lange offen blieb.

Nach dem Krieg formierte sich im Herbst 1946 der Chor neu. Georg Deinzer ("Hirtengobl") leitete die sieben Bläser. "Wir probten eifrig und konnten schon am Heiligen Abend das Lied 'Stille Nacht' blasen", erinnert sich Karl Knahn an die Anfangszeiten.

Mitte der 1950er Jahre spielte der Chor an Silvester am Marktplatz. Jedoch wurde das Blasen durch die aufkommende Knallerei von Böllern so gestört, dass der Posaunenchor das Silvester-Blasen einstellte. Das Mai-Blasen am 1. Mai fand immer in einem anderen Dorf statt. Leider führten die immer dichteren Fenster dazu, dass viele Gemeindeglieder die Lieder des Posaunenchores nicht mehr hörten.

Dafür kamen Auftritte beim Marktfest hinzu. Die musikalische Ausgestaltung des Ossinger-Gottesdienstes an der Ossingerhütte sowie der Abendgottesdienst an der Johanniskapelle auf dem Kühberg gehören zum Pflichtprogramm des Chores. Auch bei Großveranstaltungen wie den Kirchentagen in München, Berlin und Dortmund, sowie Landesposaunentage wirkte der Chor mit.

Bei Konfirmationen war es früher üblich, dass der Chor im Marschieren spielend vom Pfarrhaus bis zur Kirche zog, was sehr viel musikalisches Talent erforderte.

Musikalisches Urgestein

Seit 1964 bildet Georg Blendinger die Jungbläser aus und tut das bis heute. Ab 1974 leitete er den Chor 26 Jahre lang. Dann trat seine Tochter Bettina als erste weibliche Chorleiterin in die Fußstapfen ihres Vaters. Sie und Gisela Fischer waren 1978 die ersten weiblichen Chormitglieder.

Alle zwei Jahre unternehmen die Bläser Wochenendausflüge zur Pflege der Gemeinschaft und der Musik. Der Wochenendausflug von 2013 wird den Bläsern wohl noch lange Zeit im Gedächtnis bleiben: In den Pfingstferien fuhr die Gruppe nach Piesendorf in Österreich.

Als sie nach dem Mittagessen am Sonntag die Heimreise antreten wollten, waren alle Pässe wegen Murenabgängen (Erdrutschen) gesperrt. Daher konnten die Königsteiner nicht heim. Alle Schulen und Arbeitgeber mussten benachrichtigt werden, dass sie in Österreich festsitzen würden und am Montag nicht zur Arbeit bzw. in der Schule erscheinen konnten.

Als am nächsten Tag ein einziger Pass geöffnet war, trat das Ensemble mit vielen Umwegen die Heimreise an, die doppelt so lange wie gewöhnlich dauerte.

Momentan zählt der Posaunenchor 28 Mitglieder. Nachwuchssorgen kennt er nicht. Neun Bläser sind unter 18 Jahre, drei sind in Ausbildung. Der jüngste Bläser, Simon, ist gerade einmal zehn Jahre alt. Teilweise spielen sogar drei Generationen einer Familie im Chor mit.
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