Der malende Mathe-Geograf

Die Eschenbacher Ansichten von Josef Heindl. Bilder: rn (2)

Josef Heindl ist Lehrer und leidenschaftliche Radfahrer. Bei seinen ausgiebigen Touren hat er neben Helm und Trinkflasche stets einen Block dabei. Denn kommt ihm ein passendes Motiv vors Auge, skizziert er es umgehend. Zeit für eine Ausstellung.

"Wer sich auf die Landschaft einlässt, wird von ihr beschenkt." Dieses ihm angebotene Geschenk setzt Josef Heindl seit Jahrzehnten künstlerisch in Radierungen um. Am Donnerstag beschenkte er damit einen großen Kreis von Heimat- und Kunstfreunden aus Eschenbach, Kemnath und Speichersdorf.

Ort des Geschehens war das Taubnschusterhaus. Der Heimatverein hatte in drei Ausstellungsräumen zur Vernissage "Josef Heindl - Ansichten 2" geladen. Karlheinz Keck bescheinigte dem Kemnather Gymnasiallehrer, er war jahrzehntelang bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad zum Unterrichtsort Bayreuth unterwegs, dass ihn auch seine Liebe zur Kunst in Eschenbach bekannt gemacht hat. Da Heindls Arbeiten bereits 1996 zu sehen waren, sei für die jetzige Ausstellung der Titel "Ansichten 2" gewählt worden. Dessen Lieblingsmotive, Landschaften und Orte, verband Keck mit der Begeisterung und Freude am Radfahren. Bei dieser Leidenschaft ergebe sich die Gelegenheit, Landschaften und Orte bewusster zu erleben. Der erste Eindruck einer Ansicht werde dann gleich auf dem stets mitgeführten Skizzenblock festgehalten.

Keck ging der Frage nach, warum Heindl für die Ausarbeitung seiner Arbeiten die Radierung wählt. Die Schuld an der Auswahl dieser grafischen Technik gab er Rainer Sollfrank, der ihn 1990 in die Radierwerkstatt Kemnath-Bayreuth aufnahm. Seitdem seien mehr als 300 Radierungen entstanden. Keck fand Zustimmung unter den Besuchern, als er Heindl ein fortschreitendes Perfektionieren dieser künstlerischen Ausdrucksform bescheinigte, bei der es auf diszipliniertes technisches Geschick ankomme. Er sprach von zwei Seelen in der Brust von Josef Heindl, die sich auch in dessen Unterrichtsfächern widerspiegeln. Mathematik und Geografie: Auf der einen Seite die exakte Naturwissenschaft, andererseits der Drang, darüber hinauszukommen in die freie Landschaft in heimatlichen Gefilden oder auch weiter weg.

Wie Heindl die einfachen Baukörper der Oberpfalz mit ihrer typischen Geometrie herausarbeitet, war für Keck geradezu wunderbar. "Josef Heindl erlebt seine 'Ansichten' intensiv und hat sie auch mit einer Botschaft versehen", erkannte der Laudator. Alle seine Bilder seien nie nur Schwarzweiß-Bilder. Mit raffinierten Tonabstufungen zeige er den Weg vom Schwarz der Dunkelheit zum hellen Licht des Tages. Licht sah Keck als Sinnbild für den Ursprung allen Seins, als Hoffnungsträger für das Ziel unseres Lebens. Er rief die Besucher dazu auf, die Exponate einmal von diesem Blickpunkt aus zu betrachten. Der feinfühlige, nachdenkliche Josef Heindl werde dann besonders sichtbar.

Als gute Ergänzung betrachtete er die Bilder von Ehefrau Elisabeth. In deren mit großer Genauigkeit ausgeführten Pflanzenbildern sah er eine Spezialität der Naturbetrachtung, Zeugnis einer großen Nähe zur Natur und deren vielfältigen Strukturen. Er dankte ihr dafür mit Blumen. Heindl dankte dem Heimatverein für die Möglichkeit zur Ausstellung seiner Arbeiten und die seiner Frau. Dafür habe es Überredungskünste bedurft.

Zweiter Bürgermeister Karl Lorenz zeigte sich erfreut, dass es gelungen ist, das Ehepaar Heindl zu gewinnen. Angetan hatten ihn die vielen Motive aus Eschenbach und der Umgebung. Den Heimatverein nannte er einen wichtigen Pfeiler des Eschenbacher Kulturlebens. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage durch Robert und Franziska Baier aus Kemnath. Die Ausstellung ist bis 30. November an Sonntagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Stets gibt's dazu Kaffee und Kuchen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Eschenbach (13379)November 2014 (8193)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.